Kairo/Sanaa/Tripolis - Unmittelbar nach den Freitagsgebeten in den Moscheen sind in der arabischen Welt Hunderttausende Menschen auf die Straße gegangen, um gegen die israelischen Militäraktionen im Gaza-Streifen zu demonstrieren. In Jordanien, im Jemen und in Ägypten kam es zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei. Einige Demonstranten riefen nicht nur Slogans gegen Israel, sondern auch gegen die ägyptische Regierung, der sie vorwarfen, sie unterstütze Israel indirekt, indem sie ihre Grenze zum Gaza-Streifen geschlossen halte.
In der jemenitischen Hauptstadt Sanaa gingen laut Augenzeugen rund 200.000 Demonstranten auf die Straße. Sie riefen: "Tod für Amerika und Israel, der Islam soll siegen" und "(der ägyptische Präsident Husni) Mubarak ist ein Verräter und ein Partner beim Töten palästinensischer Kinder". In der südlichen Hafenstadt Aden trieb die Polizei mehrere zehntausend Demonstranten mit Warnschüssen und Tränengas auseinander, als diese versuchten, ins Konsulatsviertel zu gelangen.
In der ägyptischen Mittelmeermetropole Alexandria schlossen sich bis zu hunderttausend Menschen einem Protestzug an, den die oppositionelle, fundamentalistische Muslimbruderschaft organisiert hatte. Die Polizei habe erst versucht, die Demonstration zu verhindern, sich dann aber entschlossen, die Teilnehmer gewähren zu lassen. "Schande - Ägypten beteiligt sich an der Blockade", stand auf ihren Transparenten und "Gaza verzeihe, die Öffnung des Grenzübergangs Rafah liegt nicht in unserer Hand".
Acht Demonstranten und mehrere Polizisten wurden nach Angaben aus Sicherheitskreisen bei Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei in der Stadt Al-Arisch auf der ägyptischen Sinai-Halbinsel verletzt. Mehr als ein Dutzend Demonstranten wurden festgenommen. In Ägyptens Hauptstadt Kairo, wo die Polizei am Freitag vor allen großen Moscheen präsent war, blieb es dagegen ruhig.
In der jordanischen Hauptstadt Amman hinderte die Polizei Demonstranten mit Knüppeln und Tränengas daran, vor die israelische Botschaft zu ziehen. Die Teilnehmer der Kundgebung forderten die Schließung der Botschaft. Sie trugen Fotos des venezolanischen Staatschefs Hugo Chàvez, der aus Protest gegen die Gaza-Offensive Anfang dieser Woche den israelischen Botschafter ausgewiesen hatte.
Auch in der katarischen Hauptstadt Doha, in Algerien, in Marokko und im Königreich Bahrain gab es Demonstrationen. In Bahrain nahmen auch Vertreter christlicher Kirchen an den Protesten teil.
In den Palästinensergebieten folgten in Ramallah, Nablus und Hebron insgesamt mehr als 3000 Menschen den Protestaufrufen der radikal-islamischen Hamas und der als gemäßigt geltenden Fatah-Bewegung von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas. In Ramallah kam es dabei auch zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen den verfeindeten Parteien.
Der libysche Staatschef Muammar al-Gaddafi rief die anderen arabischen Regierungen dazu auf, Freiwilligen die Teilnahme am Kampf der Palästinenser gegen Israel im Gaza-Streifen zu ermöglichen. "Ich rufe die Araber dazu auf, die Tür für Freiwillige zu öffnen, die gemeinsam mit den Palästinensern kämpfen wollen", erklärte Gaddafi der staatlichen Nachrichtenagentur Jana zufolge.
Der libysche Staatschef äußerte sich nicht dazu, ob er insbesondere Ägypten bitten will, mögliche Kämpfer in das palästinensische Gebiet zu lassen. Ägypten grenzt als einziger arabischer Staat an den Gaza-Streifen.
Gaddafi hatte nach Beginn der israelischen Bombardierung des Gaza-Streifens den Führern der arabischen Welt vorgeworfen, feige reagiert zu haben. Libyen gehört derzeit als einziger arabischer Staat dem Uno-Sicherheitsrat als nichtständiges Mitglied an. Am Donnerstagabend forderte das Gremium eine sofortige Waffenruhe, die Israel aber ablehnte. Auch die Palästinenser beschossen erneut israelisches Gebiet.
phw/AFP/AP/dpa
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