Rafah - Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) ließ sich gerade auf ägyptischer Seite auf der Dachterrasse des Abfertigungsgebäudes von einem Grenzkommandeur über die Lage informieren, als auf der anderen Seite des Übergangs im Gaza-Streifen ein israelischer Kampfjet zu hören war. Unmittelbar danach schlug direkt hinter der Grenze eine Rakete in so kurzer Distanz ein, dass die Scheiben des Gebäudes vibrierten.
Steinmeier in Rafah: "Natürlich spüren und hören wir, dass da hinten noch gekämpft wird"
"Natürlich spüren und hören wir, dass da hinten noch gekämpft wird", sagte Steinmeier. "Die humanitäre Lage ist bedrückend. Wir sehen Krankenwagen in kurzen Abständen vorbeifahren." Auf die Frage, wann er mit einem Waffenstillstand rechne, sagte Steinmeier: "Ich kann es im Augenblick nicht sagen." Es sei richtig, seine Erschütterung über die Toten und Verletzten zu zeigen, "aber die europäischen Außenminister müssen mehr tun, damit aus den Deklarationen mehr wird".
Nach Angaben von Augenzeugen gab es auch unmittelbar vor der Ankunft Steinmeiers einen Einschlag auf der Seite des Gaza-Streifens direkt hinter dem Grenztor. So nah am Grenzübergang seien die Angriffe der israelischen Luftwaffe in den vergangenen Tagen nicht gewesen.
Die Überwachung der Grenze zwischen dem Gaza-Streifen und Ägypten ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für einen Waffenstillstand. Steinmeier reiste mit dem Ziel an, diese Voraussetzungen schaffen zu helfen. Zuvor hatte er dem ägyptischen Staatspräsidenten Husni Mubarak personelle und technische Hilfe Deutschlands zur Absicherung der Grenze und damit zur Unterbindung des Waffenschmuggels nach Gaza angeboten.
Nach diplomatischen Angaben werden durch die Tunnel allerdings auch häufig Lebensmittel und Schlachttiere zur Versorgung der Bevölkerung geschmuggelt. Waffen werden demnach auch übers offene Meer angeliefert. Dieser Schmuggel sei kaum kontrollierbar, weil die Waffen offenbar in verschlossenen Fässern ins Meer geworfen würden. Die Fässer trieben dann oftmals nicht nur an der Küste des Gazastreifens sondern auch in Ägypten an.
chs/AP/AFP
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Politik | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Ausland | RSS |
| alles zum Thema Nahost-Konflikt | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH