Berlin/Gaza/Tel Aviv - Israel gibt sich im Gaza-Krieg unerbittlich. Der Rundfunk zitierte am Sonntag einen ranghohen israelischen Offizier mit der Äußerung, man müsse die Offensive mindestens bis Ende des Monats fortsetzen. Dies solle gewährleisten, dass es künftig keinen Waffenschmuggel mehr durch die Tunnel aus Ägypten geben werde. Auch der amtierende israelische Ministerpräsident Ehud Olmert stimmte seine Landsleute auf eine Fortsetzung der Militäroffensive im Gazastreifen ein.
In der Nacht zum Sonntag setzte Israel seine Angriffe im Gaza-Streifen unvermindert fort. Eine israelische Armeesprecherin sagte am Morgen, die Luftwaffe habe seit Mitternacht etwa 60 Ziele angegriffen. In Rafah im südlichen Gaza-Streifen sei eine Moschee getroffen worden, die als Waffenlager und Trainingsstätte für die radikalislamische Hamas-Organisation gedient habe. Die Luftwaffe habe weitere Gebäude sowie zehn Gruppen von bewaffneten Kämpfern beschossen.
An der Grenze zu Ägypten seien erneut mehrere Schmugglertunnel bombardiert worden. In einem anderen Fall habe man eine unterirdische Abschussrampe zerstört, sagte die Sprecherin. Aus dem Gaza-Streifen sei in der Nacht eine Rakete auf Israel abgefeuert worden.
Israel bombardiert Haus von Hamas-Militärführer
Die israelische Luftwaffe griff in der Nacht zum Sonntag zudem das Haus eines der wichtigsten Hamas-Führer im Gaza-Streifen an. Eine israelische Armeesprecherin bestätigte, das Haus von Ahmed al-Jabari im nördlichen Gaza-Streifen sei beschossen worden. Es sei unklar, ob es dabei Opfer gab.
Die Hamas-Spitze ist während der seit mehr als zwei Wochen andauernden israelischen Militäroffensive untergetaucht. Auch Jabari, Kommandeur des militärischen Hamas-Flügels, wechselt aus Furcht vor Anschlägen ständig das Versteck. Er steht hinter dem Putsch, der die Hamas im Juni 2007 im Gaza-Streifen an die Macht brachte. Der Hardliner will mit seinen Kämpfern das historische Palästina einschließlich Israels "befreien".
Israel setzt seine Offensive in Gaza fort - trotz Aufforderung des Uno-Sicherheitsrats nach einer sofortigen Waffenruhe. Ein Hamas-Sprecher teilte derweil mit, die israelischen Streitkräfte hätten eine vierte Stufe der Offensive vorbereitet, die den Sturz der im Gaza-Streifen regierenden Organisation und die Wiederbesetzung des Autonomiegebiets vorsehe. Dies hatten am Samstag auch Gewährsleute aus israelischen Militärkreisen berichtet.
Merkel zu Beteiligung an Nahost-Mission bereit
Die Bundeskanzlerin signalisiert inzwischen erstmals die grundsätzliche Bereitschaft Deutschlands zur Teilnahme an einer internationalen Friedensmission im Nahen Osten. "Deutschland ist sich seiner Verantwortung bewusst und wird ihr gerecht", sagte Angela Merkel der "Bild am Sonntag": "Ich setze mich intensiv für eine schnelle Waffenruhe ein."
Als Bedingung nannte die CDU-Chefin ein Ende des Waffenschmuggels durch die Tunnel zwischen Ägypten und dem Gaza-Streifen. "Es muss sichergestellt sein, dass zur Hamas durch die Tunnel vom Sinai zum Gaza-Streifen keine weiteren Waffen geschmuggelt werden." Zugleich äußerte sich Merkel besorgt über die Lage der Bevölkerung im Krisengebiet: "Die humanitäre Situation im Gaza-Streifen ist katastrophal."
Der außenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Eckart von Klaeden, hatte noch am Freitag gesagt, eine deutsche Beteiligung an einer Mission sei derzeit kein Thema. Er sprach lediglich davon, dass Deutschland in Israel an einer wirksamen Grenzsicherung mitwirken könnte.
Eine deutsche Beteiligung an einer Nahost-Mission ist nach wie vor umstritten. Kritiker halten eine solche deutsche Initiative angesichts der Nazi-Verbrechen an den Juden für problematisch. Befürworter eines Einsatzes halten diese Argumentation für überholt.
Steinmeier war am Wochenende in Ägypten und Israel unterwegs, um die Voraussetzungen für einen dauerhaften Waffenstillstand im umkämpften Gaza-Streifen auszuloten. Während seines Besuchs in Rafah kam es in unmittelbarer Nähe zu Bombardements.
Die Gesamtzahl der Toten auf Seiten der Palästinenser stieg nach den Angaben des Fernsehsenders al-Dschasira seit Beginn der Offensive am 27. Dezember auf mehr als 850. Unter ihnen sollen nach israelischen Angaben über 300 Hamas-Kämpfer sein. Rund 3500 Menschen wurden verletzt.
Hamas-Chef Maschaal wirft Israel Holocaust vor
Hamas-Chef Chalid Maschaal warf Israel vor, mit der Militäroffensive im Gazastreifen einen Holocaust zu betreiben. Israel wirft der Hamas dagegen vor, für den Tod von Zivilisten selbst verantwortlich zu sein. Die Extremisten versteckten sich in Wohnhäusern in den Städten und benutzten die Bevölkerung als Schutzschild.
Die Schweizer Außenministerin Micheline Calmy-Rey kritisierte die Lage in Gaza heftig. Sie bezeichnete die Lage als "absolut katastrophal". Es sei klar, "dass dieser Krieg keinen Frieden bringt". Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas warnte vor einem "Wasserfall von Blut", sollten sich beide Seiten nicht an die Forderung der Vereinten Nationen nach einer Waffenruhe halten.
ssu/AP/dpa/ddp/Reuters
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