Gaza/Tel Aviv - In Gaza-Stadt ist es am Sonntag zu heftigen Schießereien gekommen. Nach Augenzeugenberichten rollten israelische Panzer etwa einen Kilometer tief in den Süden der Stadt vor. In dem Scheich-Adschlin-Viertel in Küstennähe seien dann israelische Truppen und palästinensische Kämpfer aufeinandergetroffen, hieß es.
An den schwersten Gefechten seit Beginn der Offensive am 27. Dezember beteiligten sich Truppen der Hamas und der Organisation Islamischer Dschihad in Scheich Adschlin und Umgebung. Dabei wurden mindestens 14 Menschen getötet, wie palästinensische Sanitäter mitteilten.
Augenzeugen berichteten von israelischen Verbänden auf der Hauptstraße der Vorstadt und auf den Feldern der Umgebung. Bei der Explosion einer Panzergranate in der Nähe von Gaza kamen den Angaben zufolge vier Mitglieder einer Familie ums Leben.
Die israelische Luftwaffe griff auch am Sonntag wieder Ziele an der Grenze zwischen dem Gaza-Streifen und Ägypten an. Dort befinden sich in der Nähe der Stadt Rafah zahlreiche Tunnelanlagen für den Schmuggel von Waffen und Versorgungsgütern in den Gaza-Streifen. Die israelische Luftwaffe attackierte in der Nacht zum Sonntag zudem das Haus von Ahmed al-Jabari, einem der wichtigsten Hamas-Führer im Gaza-Streifen. Noch ist unklar, ob es dabei Opfer gab.
Widersprüchliche Botschaften über Dauer der Offensive
Ein Ende des Nahost-Kriegs ist offenbar nicht in Sicht: Der Rundfunk zitierte am Sonntag einen ranghohen israelischen Offizier mit der Äußerung, man müsse die Offensive mindestens bis Ende des Monats fortsetze. Auch der amtierende israelische Ministerpräsident Ehud Olmert stimmte seine Landsleute auf eine Fortsetzung der Militäroffensive im Gaza-Streifen ein.
Andere israelische Politiker senden allerdings widersprüchliche Botschaften. Nach den Worten des Vize-Verteidigungsministers Matan Vilnai ist ein Waffenstillstand in greifbare Nähe gerückt. Die Forderungen des Uno-Sicherheitsrates ließen Israel nicht viel Spielraum, und deshalb habe es den Anschein, "dass wir kurz vor dem Ende des Bodeneinsatzes und vor einem Ende des Einsatzes insgesamt stehen", sagte Vilnai am Sonntag.
Die Gesamtzahl der Toten auf Seiten der Palästinenser stieg nach den Angaben des Fernsehsenders al-Dschasira seit Beginn der israelischen Offensive am 27. Dezember auf mehr als 850. Unter ihnen sollen nach israelischen Angaben über 300 Hamas-Kämpfer sein. Rund 3500 Menschen wurden verletzt.
Israel pocht auf Verantwortung Ägyptens für Gaza-Grenze
Unstrittig ist: Zentrale Voraussetzung für einen Waffenstillstand in der Region wird die Sicherung der Grenze zum Gaza-Streifen sein. Israel appelliert in diesem Punkt an die Verantwortung Ägyptens. Der Nachbarstaat verfüge über hervorragende Militär- und Sicherheitskräfte, die die Grenze zum Gaza-Streifen überwachen könnten, sagte ein hochrangiger Vertreter des Verteidigungsministeriums dem Sender Israel Radio.
Einen Einsatz internationaler Sicherheitskräfte wies der Offizier dagegen zurück. Internationalen Kräften fehlten sowohl die nötigen Geheimdienstinformationen als auch die Möglichkeiten, den Schmuggel zu unterbinden.
Europäischen und israelischen Diplomaten zufolge ist der Einsatz internationaler Beobachter Teil der Beratungen über eine Waffenruhe. Israel Radio zufolge will Israels Verteidigungsminister am Montag nach Ägypten reisen, um über Vorschläge für einen Waffenstillstand zu verhandeln.
Merkel zu Beteiligung an Nahost-Mission bereit
Die Bundeskanzlerin signalisiert inzwischen erstmals grundsätzliche Bereitschaft zur Teilnahme an einer internationalen Friedensmission im Nahen Osten. "Deutschland ist sich seiner Verantwortung bewusst und wird ihr gerecht", sagte Angela Merkel der "Bild am Sonntag": "Ich setze mich intensiv für eine schnelle Waffenruhe ein."
Als Bedingung nannte die CDU-Chefin ein Ende des Waffenschmuggels durch die Tunnel zwischen Ägypten und dem Gaza-Streifen. "Es muss sichergestellt sein, dass zur Hamas durch die Tunnel vom Sinai zum Gaza-Streifen keine weiteren Waffen geschmuggelt werden." Zugleich äußerte sich Merkel besorgt über die Lage der Bevölkerung im Krisengebiet: "Die humanitäre Situation im Gaza-Streifen ist katastrophal."
Eine deutsche Beteiligung an einer Nahost-Mission ist nach wie vor umstritten. Kritiker halten eine solche deutsche Initiative angesichts der Nazi-Verbrechen an den Juden für problematisch. Befürworter eines Einsatzes halten diese Argumentation für überholt.
Blindgänger soll Uno-Schule getroffen haben
Die israelische Regierung machte derweil einen Blindgänger für den Angriff auf eine Schule der Vereinten Nationen im Gaza-Streifen verantwortlich. Bei der Detonation wurden nach palästinensischen Angaben vergangene Woche 39 Menschen getötet. Ermittlungen der Streitkräfte hätten ergeben, dass eine fehlgeleitete Mörsergranate eingeschlagen sei, verlautete am Sonntag aus Kreisen des Verteidigungsministeriums in Jerusalem.
ssu/AP/dpa/ddp/Reuters
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