Aus Aschkelon berichtet Ulrike Putz
Auch die Islamisten im Gaza-Streifen setzen in dem seit 18 Tagen währenden Krieg auf die Macht des Gerüchts: Immer wieder geben sie Meldungen heraus, wonach sie israelische Soldaten gefangen oder getötet haben. Diese Botschaften sollen auf Hebräisch übersetzt auch in den Funkverkehr der in Gaza operierenden israelischen Einheiten eingespeist worden sein. Selbst wenn sich solche Nachrichten später als Falschmeldungen herausstellten, untergrüben sie erst einmal die Moral der Männer im Feld, so Kam.
Ähnlich instrumentalisiert werden Hamas-Meldungen über den seit zweieinhalb Jahren im Gaza-Streifen gefangen gehaltenen israelischen Soldaten Gilad Schalit. Schalit, dessen Name und Schicksal wohl jedem Israeli ein Begriff ist, soll nach Hause geholt werden: Das ist eines der Ziele, die Israel mit dem Waffengang in Gaza erreichen will - und das ein Großteil der Bevölkerung mit ganzem Herzen unterstützt.
Als die Hamas zu Beginn der israelischen Offensive bekanntgab, Schalit sei durch israelischen Beschuss verwundet worden, versuchten die Islamisten dadurch, die Fürsorge für Schalit als Grund gegen den Krieg zu verkaufen: Wer Schalit heil wiedersehen will, solle sich besser gegen den Krieg stellen, so die Botschaft. Am vergangenen Sonntag dann hieß es von Seiten der Islamisten, das Schicksal Schalits sei nicht mehr von Bedeutung. "Er mag verwundet sein, er mag gesund sein. Diese Frage ist für uns nicht mehr von Interesse", sagte Hamas-Politbüromitglied Mussa Abu Marsuk – und löste damit in Israel zielsicher bange Fragen nach dem Wohlergehen des jungen Mannes aus.
Wie Großmäuligkeit wirkt
Auch die Großmäuligkeit, mit der die Hamas Israel in den vergangenen Monaten gedroht hat, scheint vor diesem Hintergrund das Ergebnis reiflicher Überlegung zu sein. "Kurz vor dem Ende des Waffenstillstands hat sich die Hamas vermehrt damit gebrüstet, dass sie zahlreiche Überraschungen für eventuell vorrückende israelische Truppen parat habe", sagt Kam. Die wüsten Drohungen, Israel könne zwar in den Gaza-Streifen einmarschieren, aber kein Soldat werde ihn je wieder lebend verlassen, sollten Israel von einem Waffengang abhalten.
In dem Punkt sei die Rechnung der Islamisten zwar nicht aufgegangen, in einem anderen aber schon, sagt Kam: Die durch das Säbelrasseln geschürte Angst vor Sprengfallen, in Tunnelsystemen versteckten Kämpfern und Entführungsversuchen seitens der Hamas bremse die israelische Armee deutlich. "Die IDF wäre sicher auch so vorsichtig, aber die Hamas-Propaganda im Vorfeld des Krieges hat diese Vorsicht noch einmal verstärkt", sagt Kam.
Die wohl gelungenste Desinformationskampagne in diesem Krieg geht jedoch auf das Konto der Israelis.
Am 26. Dezember, als ein Krieg zwischen Israel und der Hamas schon fast unvermeidlich schien, rief Jerusalem eine 48-stündige Waffenruhe aus. Bis Sonntag wolle man noch einmal alle Möglichkeiten einer politischen Lösung durchdenken, hieß es damals von Seiten der Regierung. Um die Hamas für zwei Tage in Sicherheit zu wiegen, trat Verteidigungsminister Ehud Barak am 26. Dezember gar in einer Satire-Sendung auf - da war die Entscheidung für den Angriff 24 Stunden vor Ablauf der einseitig erklärten Waffenruhe bereits gefallen. Die Hamas ahnte nichts und wähnte sich sicher. Ihre Männer versammelten sich am 27. Dezember morgens in ihren Büros, Kasernen, Dutzende Polizeirekruten kamen zu einer Vereidigungszeremonie zusammen.
Da waren die rund 60 israelischen Kampfjets der ersten Angriffswelle bereits in der Luft.
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