Von Horand Knaup, Nairobi
Nairobi - Das neue Jahr ist gerade erst ein paar Tage alt, aber es hat für die Kenianer schlecht begonnen. Millionen leiden unter der monatelangen Dürre. Die Trockenheit macht allen zu schaffen, selbst in Nairobis besseren Stadtteilen fällt immer häufiger das Wasser aus.
Zugleich wird das durchaus affärenerprobte Land von politischen Skandalen erschüttert wie selten zuvor. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht neue kleinere oder größere Verfehlungen offenbar werden. "Land der Skandale" schlagzeilte Kenias größte Tageszeitung "Daily Nation" am Donnerstag auf ihrer Titelseite. Und tatsächlich ist die Frequenz der Skandale in den vergangenen Wochen beklemmend hoch:
Vor allem der Mais-Skandal erregt die Kenianer. Erst stiegen die Preise im vergangenen Sommer wie überall, dann stellte sich heraus, dass die Regierung nicht genügend Mais importiert hatte, um den absehbaren Bedarf aufzufangen. Und schließlich wurde auch noch ruchbar, dass die Knappheit - nicht zuletzt durch Politiker - künstlich angeheizt worden war.
Es war die Justizministerin, die jetzt - für Kenia überaus ungewöhnlich - Alarm schlug und eigene Regierungskollegen attackierte: "Korrupte Leute innerhalb der Regierung sind dafür verantwortlich, dass die Kenianer leiden." Das Kabinett sei im vergangenen Jahr zu schnell gebildet worden, ohne die Minister und ihre Vergangenheit gründlich zu überprüfen. "So finden sich selbst korrupte Leute in der Regierung wieder", klagte sie öffentlich.
Und sie zeigte auch den Mechanismus auf. Skrupellose Händler hätten zusammen mit staatlichen Agenturen importierten Mais aufgekauft und ihn mit Verzögerung an die Müller weiterverkauft. Auch die bedienten sich: "Am Ende haben die Müller das Maismehl zu einem Preis verkauft, den sich kein normaler Kenianer leisten kann."
Was sie nicht sagte: Ein beträchtlicher Teil wurde zu deutlich höheren Preisen in den Südsudan exportiert, wo Hilfsorganisationen dankbare Abnehmer sind, um dort Hungernde und Flüchtlinge zu versorgen.
Die unfeinen Deals sind umso skandalöser, als wegen der Trockenheit und der Unruhen des vergangenen Jahres die Ernteerträge in Kenia dramatisch schlecht ausgefallen sind. Über zehn Millionen Kenianer, geschätzt rund ein Drittel der Bevölkerung, sind auf Ernährungshilfe angewiesen, Hunderttausende hungern schon.
Korruptionsskandale sind in Kenia keine Seltenheit. Immer wieder werden neue Affären ruchbar, kleine und größere, häufig sind Politiker involviert, doch Konsequenzen müssen sie selten befürchten. Der Polizeiminister ist immer noch im Amt, obschon ihm erst unlängst wieder attestiert wurde, dass seine Beamten zum korruptesten Berufsstand des ganzen Landes gehören.
Auch der Einwanderungsminister amtiert noch, obwohl er gegen den Rat seiner Spitzenbeamten freihändig Arbeitsgenehmigungen an Ausländer ausgegeben hatte. Er bleibt, obwohl die Anti-Korruptionsbehörde ermittelt hatte, dass Banden im Umfeld seines Ministeriums mit Arbeitsgenehmigungen Millionengeschäfte machen.
Markige Worte, keine Taten
Kurz nach der letzten Wahl Ende 2007 hatte Präsident Mwai Kibaki noch in markigen Worten angekündigt, jeder seiner Minister, der in Korruptionsaffären verwickelt sei, werde umgehend suspendiert, bis die Sache aufgeklärt sei. Davon ist nun keine Rede mehr. Vielleicht auch weil der Präsident sonst fast ein Dutzend Mitglieder seines aufgeblähten Kabinetts entlassen müsste.
Als besonders skandalanfällig haben sich die vielen halbstaatlichen Organisationen erwiesen, deren Führungspositionen zumeist politisch und selten nach Kompetenz besetzt werden. Die Spitzenpositionen von Strom- und Wassergesellschaft, Tourismus- und Eisenbahnbehörde, Flughafen- und Hafenverwaltungen sind hoch dotiert, werden aber in der Regel politisch und nicht nach Qualifikation besetzt. Entsprechend unzureichend sind die Ergebnisse.
Hinzu kommt, dass die politische Kaste in Kenia selbstgefällig auftritt wie kaum irgendwo sonst. Mit Vehemenz - und bisher mit Erfolg - wehrten sich die Parlamentsabgeordneten dagegen, dass zumindest ein Teil ihrer Bezüge versteuert wird. Dabei gehören sie zu den bestdotierten Volksvertretern auf der ganzen Welt, selbst im ölverwöhnten Norwegen bekommt ein Parlamentarier weniger als in Kenia.
Ein Jahr lang weigerte sich die nationale Wahlkommission zurückzutreten, die das Desaster der letzten Wahlauszählung mitzuverantworten hat und der eine Untersuchungskommission Dutzende von haarsträubenden Fehlern und Versäumnissen nachwies. Erst im Dezember beendete eine Unterschrift des Präsidenten den Spuk.
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