Washington - Ein Militärrichter im US-Gefangenenlager Guantanamo hat die Anordnung von US-Präsident Barack Obama zurückgewiesen, alle Guantanamo-Prozesse für 120 Tage auszusetzen. Die Anordnung sei für das Verfahren gegen den mutmaßlichen Drahtzieher des blutigen Anschlags auf den US-Zerstörer "USS Cole" im Jahr 2000 im Jemen nicht "überzeugend", entschied der Richter nach Angaben der "Washington Post" vom Donnerstag.
Dadurch sei die Guantanamo- Strategie Obamas durcheinandergeraten, meinte die Zeitung in ihrer Online-Ausgabe. Obama hatte unmittelbar nach seinem Amtsantritt vergangene Woche die Schließung des weltweit kritisierten Lagers für verdächtigte Terroristen angekündigt. Alle Prozesse sollten vorerst gestoppt werden. Zusätzlich ordnete Obama die Schließung des Gefangenenlagers binnen eines Jahres an. Es ist noch nicht geklärt, wo und in welcher Form die Verfahren fortsgesetzt werden können.
Präsidentensprecher Robert Gibbs teilte mit, das Weiße Haus werde nach der Entscheidung des Richters seine "Optionen prüfen". Dabei sollten Gespräche mit dem Verteidigungs- und dem Justizministerium geführt werden.
Die Militärkommission in Guantanamo hatte im Cole- Verfahren entschieden, dass die Anklage gegen den aus Saudi-Arabien stammenden Abdel Rahim al-Naschiri am 9. Februar verlesen werden soll. Bei dem Sprengstoffanschlag auf das Kriegsschiff im Oktober 2000 im Jemen waren 17 US-Soldaten getötet worden. Das Pentagon hatte Al-Naschiri bereits im vergangenen Juni angeklagt. Im Falle eines Schuldspruchs droht ihm die Todesstrafe.
amz/Reuters/dpa/AP
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