Paris - Im Pariser Prozess gegen mutmaßliche Mitwisser des blutigen Selbstmordanschlags auf Djerba-Touristen im April 2002 hat die Staatsanwaltschaft für den deutschen Angeklagten 30 Jahre Haft gefordert. Die Anklage schlug den sieben Richtern des Schwurgerichts vor, ihn wegen "Bildung einer kriminellen Vereinigung in Verbindung mit terroristischen Vorhaben" zu verurteilen.
Ganczarski vor Gericht: Pariser Staatsanwaltschaft fordert 30 Jahre Haft
In seinem sechsstündigen Strafantrag forderte Teissier die Richter auf, die Freiheitsstrafe von 30 Jahren nicht vor Abbüßung von zwei Dritteln der Haftzeit zur Bewährung auszusetzen. Auch solle dem Angeklagten künftig der Aufenthalt in Frankreich verboten werden.
Als Belege für die Beteiligung des Deutschen wertete die Staatsanwaltschaft die zahlreiche Reisen des 42-Jährigen nach Afghanistan, bei denen er neben Osama Bin Laden zahlreiche andere hochrangige al-Qaida-Mitglieder und den Attentäter Nizar Nawar traf. Kurz vor dem Anschlag hatte Ganczarski zudem einen Anruf von Nawar erhalten. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft gab der Deutsche ihm dabei grünes Licht für die Tat. Die deutsche Justiz hatte das abgehörte Gespräch ebenfalls ausgewertet und Ganczarski vernommen. Sie sah jedoch keine hinreichende Beweise für eine Mitwisserschaft des Vaters von fünf Kindern gegeben.
Das Urteil gegen den seit bereits seit mehr als fünfeinhalb Jahren inhaftierten Ganczarski wird Ende der Woche erwartet. Der 42-Jährige bestreitet jedes Wissen von dem Verbrechen, bei dem auch 14 Deutsche starben. Für den Bruder des tunesischen Selbstmordattentäters Nizar Nawar forderte die Generalstaatsanwaltschaft 15 Jahre Haft. Er soll den Attentäter ebenfalls unterstützt haben.
Der 24-jährige Nawar hatte sich am 11. April 2002 an der Synagoge La Ghriba mit einem Flüssigtransporter in die Luft gesprengt. Diese war ein beliebtes Ziel der Djerba-Touristen. Die tunesische Regierung räumte erst elf Tage nach der verheerenden Explosion ein, dass es ein Attentat war. Die französische Justiz nahm die Ermittlungen auf, weil bei dem Anschlag auch zwei Franzosen ums Leben kamen.
fsc/dpa/AFP
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