Paris - Die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert, das Gericht entschied anders: Der Deutsche Christian Ganczarski ist wegen Beihilfe zum Mord beim Djerba-Attentat zu 18 Jahren Haft verurteilt worden. Das Pariser Geschworenengericht verurteilte ihn am Donnertag außerdem wegen der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung.
Die Generalstaatsanwaltschaft hatte für den deutschen Islamisten 30 Jahre Haft gefordert, weil er grünes Licht für den Anschlag mit 21 Todesopfern gegeben haben soll. Zudem wurden während des vierwöchigen Prozesses zahlreiche Indizien für Ganczarskis Mitgliedschaft im Führungszirkel von al-Qaida vorgelegt.
Der 42-Jährige war 2003 in Paris festgenommen worden und sitzt seit fünfeinhalb Jahren in Frankreich in Untersuchungshaft. Er sieht sich als Justizopfer. In einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel bat er um ihre Hilfe für einen fairen Prozess. Der Prozess fand in Frankreich statt, weil unter den Opfern von Djerba auch zwei Franzosen waren.
Ganczarski ist 1986 zum Islam konvertiert. Er bestritt bis zuletzt jegliche Mitwisserschaft. "Ich habe niemals von einem Attentat gewusst", sagte der Vater von fünf Kindern in seinem Schlusswort vor Gericht. Seine Afghanistan-Reisen hätten nichts mit irgendwelchen Anschlagsplanungen zu tun gehabt. "Ich habe mich bei den Opfern schon genug entschuldigt für eine Tat, die ich nicht begangen habe", sagte der Duisburger. "Ich bin gegen Selbstmordattentate. Vielleicht war es nicht die glücklichste Idee, nach Afghanistan zu gehen, aber das ist die Vergangenheit."
Die Pariser Staatsanwaltschaft stützt sich vor allem auf ein Telefonat, das Ganczarski am Morgen des Anschlags mit dem Attentäter Nizar Nawar führte. Es endet mit den Worten "Gottes Gnade und Segen sei mit Dir". Nicht alle Experten teilen die Auffassung der Anklage, damit habe Ganczarski Nawar seinen Segen für das Blutbad erteilt.
Neben Ganczarski wurde auch ein Bruder des tunesischen Attentäters verurteilt. Walid Nizar muss zwölf Jahre in Haft. Für ihn hatte die Anklage 15 Jahre verlangt, weil er Material für den Anschlag besorgt haben soll, darunter gefälschte Papiere und ein Satellitentelefon.
Bei dem Anschlag vom April 2002, zu dem sich das Terrornetzwerk al-Qaida bekannt hatte, waren 21 Menschen getötet worden. Unter ihnen waren 14 deutsche Touristen.
ffr/AFP/dpa/AP
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