Von Sascha Zastiral, Colombo
Die Bewaffneten schreien die Mitarbeiter des Senders an, ihre Berichterstattung sei nicht patriotisch genug und prügeln auf manche von ihnen ein. Dann zerschießen sie alle Geräte, die sie in dem Gebäude finden. Den Übertragungsraum, das Herz des Senders, stecken sie in Brand. Dann fliehen sie, ohne dass sie irgendjemand aufhält.
Eine Woche später poltert Verteidigungsminister Gotabhaya Rajapakse, der Bruder des Präsidenten, der Sender habe den Angriff inszeniert, um das Versicherungsgeld einzustreichen. Senderchef Cheevan Daniel, ein Tamile, unterstütze die LTTE-Rebellen: "Er ist ein Terrorist!"
Der Minister ist außer sich vor Wut. Immer mehr ausländische Regierungen und Journalisten haben angefangen, unangenehme Fragen zu stellen. Senderchef Daniel setzt sich in die nächste Maschine und verlässt das Land, so schnell er kann.
Tatsächlich haben seine Sender nie zugunsten der LTTE Partei ergriffen. Doch sie berichteten, wie sehr die Zivilbevölkerung im Rebellengebiet unter den Angriffen der Regierungstruppen leidet. Die Nachrichtenredakteure weigerten sich mehrfach, vorgefertigte Erklärungen des Verteidigungsministeriums ohne weitere Recherche zu melden.
Die Wucht des Angriffs hängt noch immer in dem zerstörten, schallisolierten Übertragungsraum des Fernsehsenders. Die staubige Luft ist durchtränkt von dem Geruch nach verbranntem Plastik. Rechner, Mischpulte und Monitore sind bei dem Feuer in sich zusammengeschmolzen. Glasscherben liegen auf dem Boden. An einer Wand zeichnen sich weiße Punkte im Ruß ab: Es sind vermutlich Splitter einer Bombe oder Mine, die in dem Raum explodiert ist.
Markenzeichen der Todesschwadronen
Allein die Tatsache, dass auch hier die Angreifer in einem weißen Lieferwagen gekommen sind, ist eine unmissverständliche Warnung. Es war das Markenzeichen der Todesschwadronen von Polizei und Armee, die in den siebziger und achtziger Jahren Tausende Anhänger einer marxistisch-nationalistischen Partei verschleppt und ermordet haben.
Zweimal, 1971 und von 1987 bis 1989, kam es zu bewaffneten Aufständen durch Anhänger der "Volksbefreiungsfront" JVP. Ihre Kader töteten Tausende Menschen, ermordeten etliche Politiker und kontrollierten zeitweise große Teile im Süden und im Zentrum des Landes. Nur mit großer Mühe konnte die Regierung die Aufstände niederschlagen. Erst der internationale Aufschrei nach dem Mord an Richard de Zoysa im Februar 1990, einem bekannten Journalisten, stoppte damals den Staatsterror.
"Die Leute fragen mich oft, warum ich solch ein Risiko auf mich nehme und erzählen mir, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis ich umgelegt werde", schreibt Lasantha Wickrematunge, der ermordete "Sunday Leader"-Chefredakteur in seinem Nachruf. "Aber wenn wir jetzt nicht unsere Stimme erheben, wird niemand mehr übrig sein, um für jene die Stimme zu erheben, die es nicht können."
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