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09.03.2009
 

Geiselnahme als Geschäft

Entführungen in Afghanistan nehmen dramatisch zu

Am Hindukusch hat sich eine regelrechte Entführungsindustrie entwickelt. Bei den Kidnappern handelt es sich nicht etwa um Mitglieder der radikalislamischen Taliban, sondern um kriminelle Banden ohne politischen Hintergrund. Ihnen geht es allein ums Geld.

Kabul - Die Anzahl der Entführungen in Afghanistan hat dramatisch zugenommen. Nach vertraulichen Statistiken des Innenministeriums in Kabul, die der Deutschen Presse-Agentur dpa vorliegen, ist die Zahl der Geiselnahmen rapide gestiegen: von 96 im ersten Halbjahr 2007 auf über 175 im gleichen Zeitraum 2008. Experten vermuten, dass die Dunkelziffer weitaus höher ist. Denn aus Angst um das Leben der Entführten, aus Furcht vor den Folgen - und weil sie der Polizei nicht trauen -werden viele Geiselnahmen verschwiegen.

Entführungsopfer Wahadsch: Anzahl der Geiselnahmen hat dramatisch zugenommen
DPA

Entführungsopfer Wahadsch: Anzahl der Geiselnahmen hat dramatisch zugenommen

Bei den Opfern handelt es sich um wohlhabende Afghanen und solche, die wohlhabend scheinen. In Videobotschaften, mit denen die brutalen Kidnapper nicht selten ihren Forderungen Nachdruck verleihen, müssen die Verschleppten ihre Angehörigen um die Zahlung des Lösegelds anflehen. Krankenhausdirektor Mohammed Haschim Wahadsch, der im Herbst 2007 verschleppt wurde, berichtet von Todesangst und Folter, von Schlägen mit Kabeln und Stöcken. Seinen Peinigern entkam der Familienvater nach 21 Tagen Geiselhaft, weil seine Brüder mehr als 200.000 Dollar Lösegeld zahlten. Sie hätten all ihren Besitz verkauft und Kredite aufgenommen, um sein Leben zu retten.

Hilfe von der Polizei hat Wahadsch nach eigenen Angaben keine bekommen. Die wenigsten Fälle werden verhindert oder aufgeklärt. Viele Afghanen vermuten deshalb, dass die Geiselnehmer von korrupten Behördenvertretern gedeckt werden - und wünschen sich vermehrt das 2001 gestürzte Regime der Taliban zurück. Damals habe Sicherheit geherrscht, bekräftigt Wahadsch.

Die internationale Gemeinschaft nimmt die wachsende Zahl von Entführungen indes nur am Rande wahr. Mit bitteren Folgen: Aus Angst vor Verschleppung verlassen immer mehr Investoren und gut Ausgebildete Afghanen das Land am Hindukusch - genau jene Menschen, die das vom Krieg zerstörte Afghanistan so dringend braucht.

abe/dpa

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