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10.03.2009
 

Grafschaft Armagh

Mord an nordirischem Polizisten schürt neue Terrorangst

Erst am Wochenende starben zwei Soldaten, nun wird Nordirland von einem weiteren Gewaltakt erschüttert: In der Stadt Craigavon wurde in der Nacht ein Polizeibeamter erschossen - er war in einem katholischen Viertel unterwegs. "Wir starren in einen Abgrund", warnt eine Politikerin.

Belfast - Der Polizist wurde im katholischen Viertel von Craigavon in der Grafschaft Armagh von einer Kugel in den Kopf getroffen. Die Polizei sprach von einem Feuerüberfall. Der Beamte war demnach mit Kollegen auf Streife in der konfessionell geteilten Ortschaft südwestlich von Belfast unterwegs. Bislang bekannte sich niemand zu dem Überfall.

Die sozialdemokratische Politikerin Dolores Kelly sprach von einem Mord und drückte der Familie des Opfers ihr Mitgefühl aus. Kelly ist Parlamentsabgeordnete und Mitglied des Polizeirates der Provinz - einem gemeinsam aus Katholiken und Protestanten besetzten Gremium, das die Polizei kontrolliert. "Wir starren heute Nacht in einen Abgrund", sagte sie, und warnte vor einer neuen Gewaltspirale.

Am Samstag waren beim schwersten Anschlag seit dem Friedensabkommen für Nordirland von 1998 zwei Soldaten getötet worden. Sie waren vor dem Tor ihrer Kaserne bei Antrim aus einem Auto heraus erschossen worden, als sie eine Pizzalieferung in Empfang nahmen.

Zu dem Anschlag bekannte sich die "Wahre IRA", eine Abspaltung der Irisch-Republikanischen Armee (IRA). Die 1997 gegründete Gruppe kämpft gewaltsam für ein Ende der britischen Herrschaft und ein vereinigtes Irland.

Großbritanniens Premierminister Gordon Brown erklärte, der Anschlag vom Wochenende könne und werde den Friedensprozess nicht erschüttern. Der Chef der pro-irischen Sinn-Fein-Partei, Gerry Adams, rief zur Ruhe auf. Es dürfe weder Unterstützung für die Attentäter noch für Pläne geben, die Präsenz britischer Sicherheitskräfte zu verstärken.

Die "Wahre IRA" zeichnete verantwortlich für den tödlichsten Terroranschlag in Nordirland überhaupt. Dabei kamen im August 1998 in Omagh 29 Menschen ums Leben, überwiegend Frauen und Kinder.

Sicherheitsexperten zweifelten die Fähigkeit der auf etwa hundert Aktivisten geschätzten Gruppe an, eine große Gewaltwelle zu starten. Es wurden jedoch Befürchtungen laut, dass der Anschlag gewaltsame Reaktionen pro-britischer protestantischer Gruppen hervorrufen könnte. So kursierten in der protestantischen Gemeinde Lisburn Flugblätter, auf denen zum neuerlichen Kampf gegen die pro-irischen Katholiken aufgerufen wurde.

sac/afp/ap/Reuters

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