Dharamsala - Der Dalai Lama hat eine dramatische Anklage gegen die chinesische Regierung erhoben. Er warf der Volksrepublik eine "brutale Unterdrückung" in Tibet vor. Die tibetische Kultur und Identität stünden kurz vor der Auslöschung, sagte das geistliche Oberhaupt der Tibeter am Dienstag in einer Rede zum 50. Jahrestag des Tibet-Aufstands.
Der Dalai Lama, geistliches Oberhaupt der Tibeter: "Die Hölle auf Erden durchlebt"
"Die Tibeter haben im wahrsten Sinne des Wortes die Hölle auf Erde durchlebt", sagte der Dalai Lama. Dabei strebten die Tibeter nach nichts anderem als nach einem Arrangement, wie sie innerhalb der Volksrepublik leben könnten. "Ich habe keinen Zweifel, dass sich die gerechte Sache Tibets letztlich durchsetzen wird", sagte der 73-Jährige.
Die Gerechtigkeit in Tibet werde siegen, wenn "wir weiter den Pfad der Wahrheit und Gewaltfreiheit beschreiten". Rund 2000 Zuhörer waren zu der Rede nach Dharamsala gekommen, darunter buddhistische Mönche, tibetische Schulkinder und einige Anhänger aus dem Ausland.
Zusammenstöße mit der Polizei
Die chinesischen Behörden verschärften ihre Sicherheitsvorkehrungen in allen Regionen mit tibetischen Minderheiten zum Jahrestag immens: Ausländer wurden zum Verlassen dieser Gebiete aufgerufen. Bewohner und Geschäftsleute in der tibetischen Hauptstadt berichteten von verstärkten Straßenpatrouillen bewaffneter Polizisten. Die chinesische Polizei verwies drei Reporter der Nachrichtenagentur AFP am Dienstag aus einem tibetischen Kloster.
Vor dem Weißen Haus in Washington schwenkten Aktivisten in der Nacht zum Dienstag Fahnen und Transparente, bevor sie zwei Schweigeminuten zum Gedenken an den Aufstand und die anschließende Flucht des Dalai Lama nach Indien einhielten. Bei einer Kundgebung in Australien gab es Zusammenstöße mit der Polizei, als Demonstranten versuchten, zur chinesischen Botschaft vorzudringen. Vier Aktivisten wurden nach Polizeiangaben festgenommen.
Am heutigen Dienstag jährt sich der Aufstand der Tibeter gegen die chinesische Herrschaft zum 50. Mal. Nach dessen Niederschlagung ging der Dalai Lama ins Exil nach Indien. Der Jahrestag war in Tibet immer ein kritischer Zeitpunkt. Im vergangenen Jahr kam es zu wochenlangen Unruhen, denen nach offiziellen Angaben aus Peking 22 Menschen zum Opfer fielen.
Exil-Tibeter sprechen allerdings von rund zehnmal so vielen Todesopfern. Sie verweisen auch darauf, dass sich mehr als 600 der damals festgenommenen Personen noch heute in Haft befänden. Die Internationale Kampagne für Tibet (ICT) legte anlässlich des Jahrestags eine Namensliste der Betroffenen vor und forderte deren sofortige Freilassung.
amz/dpa/AFP/AP
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