Belfast - Der britische Premierminister Gordon Brown hat den Polizistenmord in Nordirland scharf verurteilt. Er glaube fest daran, dass der Friedensprozesses weitergehen werde. "Es wird kein Zurück zu den alten Zeiten geben", sagte Brown. "Das sind Mörder, die den politischen Prozess in Nordirland, der den Menschen dient, unterbrechen und zerstören wollen." Brown zeigte sich überzeugt, dass die Menschen in der ehemaligen britischen Krisenprovinz nicht wieder "Waffen in den Straßen sehen wollen". Die Regierung werde es den Attentätern nicht erlauben, den politischen Prozess in Nordirland zu zerstören.
Polizisten sichern den Ort des Anschlags in Nordirland: Angst vor neuer Gewaltspirale
Die Hintergründe des Anschlags auf einen nordirischen Polizisten in der Nacht sind noch ungeklärt.
Zu dem tödlichen Anschlag bekannte sich eine Splittergruppe der katholischen Untergrundorganisation Irisch-Republikanische Armee (IRA). "So lange es britische Einmischung in Irland gibt, werden diese Angriffe weiter gehen", erklärte die Continuity IRA (Fortdauernde IRA) nach Angaben der Nachrichtenagentur PA am Dienstag in einem verschlüsselten Bekennerschreiben .
Der Polizeichef von Nordirland, Hugh Orde, sagte im "Guardian", bei den Tätern handele sich um eine kleine Gruppe, die "den großen politischen Fortschritt in Irland" zerstören wolle.
Auch die Sinn-Fein-Partei, lange Zeit der politische Arm der IRA, verurteilte den Mord scharf. "Das ist ein Anschlag auf den Friedensprozess. Das ist falsch, es ist kontraproduktiv und ich möchte der Familie des Toten mein Beileid aussprechen", sagte der regionale Sinn-Fein-Abgeordnete, John O'Dowd. Der Sinn-Fein-Abgeordnete Gerry Kelly, der früher für die IRA Autobombenanschläge in London ausführte, erklärte, viele in seiner Partei sähen die Notwendigkeit, mit der Polizei zu kooperieren. Aber "tief in der republikanischen Seele sträubt sich alles dagegen", erklärte er. Er versprach, die Sinn-Fein-Führung werde alles tun, damit die Aktivisten der "Wahren IRA" zumindest isoliert würden.
Bei der Polizei war in der Nacht ein Notruf einer Frau eingegangen, daraufhin fuhren zwei Einsatzwagen ins katholische Viertel von Craigavon in der Grafschaft Armagh südwestlich von Belfast. Dort kam es zu dem Überfall: Ein Polizist wurde erschossen, er starb durch einen Kopfschuss. Der "Guardian" berichtete, der Polizist sei möglicherweise aus großer Distanz getroffen worden.
In dem Wohngebiet hatte es in der Vergangenheit bereits mehrfach Konflikte mit Separatisten gegeben. Britische Zeitungen spekulieren, dass die Beamten gezielt in einen Hinterhalt gelockt wurden.
Die Politikerin Dolores Kelly von der gemäßigt nationalistischen SDLP sprach von einem "Mord" und drückte der Familie des Opfers ihr Mitgefühl aus. Kelly ist Parlamentsabgeordnete und Mitglied des Polizeirates der Provinz - einem gemeinsam aus Katholiken und Protestanten besetzten Gremium, das die Polizei kontrolliert. "Wir starren heute Nacht in einen Abgrund", sagte sie noch am Montag, und warnte zugleich vor einer neuen Gewaltspirale.
Auch Gegner einer Vereinigung mit der Republik Irland riefen ihre Anhänger zu Besonnenheit und einem Verzicht von Vergeltungsaktionen auf. Dawn Purvis, Chef der Progressive Unionists Party (PUP) sagte, "wir werden den Tätern nicht erlauben, den Friedensprozess zu beschädigen".
Am Samstag waren beim schwersten Anschlag seit dem Friedensabkommen für Nordirland von 1998 zwei Soldaten getötet worden. Sie wurden vor dem Tor ihrer Kaserne bei Antrim aus einem Auto heraus erschossen, als sie eine Pizzalieferung in Empfang nahmen. Zu dem Anschlag bekannte sich die "Wahre IRA", eine Abspaltung der IRA. Die 1997 gegründete Gruppe kämpft gewaltsam für ein Ende der britischen Herrschaft und ein vereinigtes Irland.
Die "Wahre IRA" war auch in der Vergangenheit für den schwersten Terroranschlag in Nordirland überhaupt verantwortlich. Dabei kamen im August 1998 in Omagh 29 Menschen ums Leben, überwiegend Frauen und Kinder.
Sicherheitsexperten zweifelten die Fähigkeit der auf etwa hundert Aktivisten geschätzten Gruppe an, eine große Gewaltwelle zu starten. Es wurden jedoch Befürchtungen laut, dass der Anschlag gewaltsame Reaktionen pro-britischer protestantischer Gruppen hervorrufen könnte. So kursierten in der protestantischen Gemeinde Lisburn Flugblätter, auf denen zum neuerlichen Kampf gegen die pro-irischen Katholiken aufgerufen wurde.
beb/dpa/AFP/AP
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