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11.03.2009
 

Russland

Video nährt Zweifel an Urteil im Mordfall Politkowskaja

Von Uwe Klussmann, Moskau

Neue Details im Mordfall Politkowskaja: Eine Moskauer Zeitung ist in Besitz eines Videos, das die Unabhängigkeit der Ermittler in Frage stellt. Als Beleg für Politkowskajas vermeintliche Illoyalität galt der russischen Justiz offenbar ihr US-Pass und ein deutscher Ehrenpreis - den es gar nicht gibt.

Moskau - Es sind pikante Details, die die Moskauer Tageszeitung "Moskowskij Komsomolez" über die staatlichen Ermittlungen wegen des Mordes an der Journalistin Anna Politkowskaja veröffentlicht hat: Dem Reporter Wadim Retschkalow fiel ein von Ermittlern erstelltes Video über die im Oktober 2006 ermordete Journalistin in die Hände. Die Aufnahmen waren während des Verfahrens, das mit einem Freispruch für die Angeklagten endete, angeblich "verloren gegangen".

Blumen am Tatort: Entwarfen die Ermittler ein Zerrbild?
DPA

Blumen am Tatort: Entwarfen die Ermittler ein Zerrbild?

Das vom "Moskowskij Komsomolez" präsentierte Material verdeutlicht, dass die Ermittler politisch äußerst voreingenommen ein diffamierendes Bild des Mordopfers zeichneten. So zeigt das Video einen US-amerikanischen Pass Politkowskajas, die als Tochter eines sowjetischen Diplomaten in New York geboren wurde. Besitzer eines solchen "Büchleins", so der Vorwurf der Ermittler, müssten "den USA die Treue schwören" und sich von jeder Loyalität gegenüber einem anderen Staat lossagen. Politkowskaja war Doppelstaatsbürgerin, sie besaß auch die russische Staatsbürgerschaft. Die amerikanische erhielt sie in den neunziger Jahren, "noch unter Jelzin", wie es in dem Ermittler-Text abfällig heißt.

Die Polemik liegt auf einer Linie mit dem früheren Präsidenten und jetzigen Premierminister Wladimir Putin, der das Mordopfer einmal beiläufig als "amerikanische Journalistin" bezeichnet hatte. Das staatliche Ermittlungskomittee wird von Alexander Bastrykin geleitet, einem Studienfreund Putins. Bastrykin gilt selbst unter Experten der russischen Sicherheitsdienste als überfordert. Ihm wird vorgeworfen, er ersetze Professionalität durch politische Loyalität.

Zu dem Videomaterial der Ermittler gehört auch eine tendenziöse Auflistung von westlichen Journalistenpreisen, die Politkowskaja vor allem für ihre Tschetschenien-Berichterstattung erhielt. Es fehlen in der Liste russische Auszeichnungen, unter anderem vom Journalistenverband. Die Beamten, so der "Moskowskij Komsomolez", hätten offenkundig ein Zerrbild einer vom Westen bezahlten Publizistin entwerfen wollen.

Wie sehr die Ermittler dabei gepfuscht haben, zeigt ihre Behauptung, Politkowskaja sei in Deutschland der "Walter-Gamjus-Preis" zuerkannt worden - eine Auszeichnung, die es gar nicht gibt. Aus Sicht der Fahnder, vermutet der "Moskowskij Komsomolez", sei die Ermordete "ein uns fremder Mensch gewesen, der Russland schadet und sagenhaft reich ist".

Autor Wadim Retschkalow, ein erfahrener Kenner Tschetscheniens und seiner jetzigen Machthaber, zieht nach Auswertung der Ermittler-Desinformation das vorsichtige Fazit: "Der Mord an Politkowskaja war ein politischer. Der Auftraggeber dieses Mordes ist für die russische Gerichtsbarkeit nicht zu greifen".

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