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Rot-Kreuz-Bericht Im Schattenreich der US-Folterknäste

2. Teil: "An den Rand des Todes und wieder zurück"

Im September 2006 räumte Bush die Existenz der CIA-Lager öffentlich ein - um im selben Atemzug ihre weitgehende Auflösung bekanntzugeben. Die 14 restlichen Häftlinge seien nach Guantanamo überstellt worden. Darunter der mutmaßliche 9/11-Chefplaner Chalid Scheich Mohammed und Abu Subeida.

Das ICRC entsandte daraufhin Beamte nach Guantanamo, um die Häftlinge über ihre Erlebnisse in den CIA-Lagern zu befragen. Daraus entstand der vertrauliche Bericht, den das ICRC im Februar 2007 dem CIA-Chefsyndikus John Rizzo übergab, der der Öffentlichkeit jedoch bis heute verschlossen geblieben ist. Rizzo reichte das Dokument nur an wenige Top-Leute im Weißen Haus weiter.

Allein das Inhaltsverzeichnis dokumentiert, wie die US-Regierung jegliche Kritik an ihren Verhörpraktiken methodisch ignorierte. Einige der Kapitelüberschriften: "Dauerhafte Einzelhaft", "Ersticken durch Wasser", "andauerndes Stress-Stehen", "Prügel", "Einsperren in einer Kiste", "Schlafentzug und Einsatz lauter Musik", "kalte Temperaturen/kaltes Wasser", "dauerhafter Einsatz von Handschellen und Fußketten", "Entzug von festen Nahrungsmitteln".

Details über diese "alternativen Prozeduren", wie Bush die Misshandlungen nannte, geistern schon länger durch die US-Medien - die Berichte Danners aber haben eine bisher unerreichte Prägnanz. Neu ist auch die Ausführlichkeit der Betroffenen-Berichte. Danner konzentriert sich auf die drei größten Fische: Chalid Scheich Mohammed, Abu Subeida und Walid Bin Attasch, der in die Terroranschläge auf zwei US-Botschaften in Afrika 1998 und auf den US-Zerstörer "USS Cole" in 2000 verwickelt und außerdem Osama bin Ladens Leibwächter gewesen sein soll.

So beschreibe Mohammed, wie er während eines Verhörs "zwei Stunden lang auf Zehenspitzen" habe stehen müssen. Neben Waterboarding habe er Prügel am ganzen Körper und im Gesicht erlitten. "Sie benutzen nie das Wort 'Folter'", heißt es. "Ich wurde nie mit dem Tod bedroht, vielmehr wurde mir gesagt, dass sie nicht erlauben würden, dass ich sterbe, sondern dass sie mich 'an den Rand des Todes und wieder zurück' bringen würden."

Subeida erzählt demnach, dass er bei einer der simulierten Ertränkungen schließlich "die Kontrolle über mein Urin" verloren habe und ihm das seitdem jedesmal passiere, wenn er nervös sei. Attasch, der eine Beinprothese trägt, wurde nach eigenen Worten mit Ketten an den Armen an der Decke aufgehängt. "Danach nahmen mir die Vernehmer manchmal absichtlich mein künstliches Bein ab, um der Position noch mehr Stress zu verleihen."

Viele der Aussagen decken sich, obwohl sich die Gefangenen nicht absprechen konnten. Übereinstimmend sind zum Beispiel die Berichte über Waterboarding, die Prügel, der Entzug fester Nahrung, die eiskalten Wasserduschen.

Dass die Debatte nicht einschläft, dafür sorgte am Wochenende auch Ex-Vizepräsident Dick Cheney. "Diese Programme waren absolut notwendig", beharrte er auf CNN. Doch viele Experten bezweifeln, dass sich mit Folter verlässliche Informationen erlangen lassen. Mohammed - Bushs Musterbeispiel - bestätigt das in seinen Interviews mit dem ICRC: "Ich habe viele falsche Informationen gegeben, nur um die Misshandlung zu stoppen."

An seinem ersten Amtstag beendete Obama den Einsatz aller Foltertechniken, inklusive Waterboarding. Die Demokraten im Kongress haben eine "Untersuchung der CIA-Haft- und Verhörprogramme" angekündigt, andere fordern eine "Wahrheitskommission". Die 43 Seiten des ICRC-Berichts wären dabei, um Obamas Worte zu benutzen, ein Schritt zurück - und zugleich ein großer Schritt nach vorne.

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