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Der Konflikt in der westsudanesischen Region
Darfur
entwickelte sich aus dem Gegensatz zwischen dort sesshaften schwarzafrikanischen Stämmen und arabischen Nomaden. Die Auseinandersetzung eskalierte Anfang 2003: Die schwarzafrikanischen Rebellenbewegungen
Sudanesische Befreiungsarmee (SLA)
und die
Bewegung für Gerechtigkeit und Gleichheit (JEM)
forderten die Gleichberechtigung der nicht-arabischen Stämme und sagten der arabisch-dominierten Zentralregierung in der Hauptstadt
Khartum
den Kampf an. Die Militärregierung unter
Umar al-Baschir
schlug mit äußerster Härte zurück: Sie bewaffnete Reitermilizen, die
Dschandschawid
, die auch "Geisterreiter" genannten werden. Mit Luftangriffen gingen sie gegen die Aufständischen vor und bombardierten vornehmlich zivile Ziele. Armee und Dschandschawid-Reiter zogen durch die Region und vergewaltigten und mordeten Zivilisten. Hunderte Dörfer wurden geplündert und niedergebrannt. 2,7 Millionen Menschen wurden aus ihren Orten vertrieben, das ist jeder zweite Bewohner von Darfur. Mindestens 200.000 Menschen flüchteten in den benachbarten
Tschad
. Die Verbrechen der Dschandschawid werden von vielen Beobachtern als
ethnische Säuberungen
und
Völkermord
eingestuft.
Der
Uno-Sicherheitsrat
forderte in mehreren Resolutionen die Entwaffnung der Milizen. Seit 2004 gilt ein Waffenstillstand, der von
Unamid
-Friedenstruppen überwacht wird, allerdings von allen Seiten wiederholt gebrochen wurde. Die sudanesische Regierung geht immer wieder gegen Rebellen vor, die sich in viele Gruppen zersplittert haben. Viele Banden beider Seiten betreiben den Krieg inzwischen als Privatgeschäft.
Im September 2004 drohte der Sicherheitsrat Khartum mit Sanktionen gegen die lukrative Ölindustrie des
Sudan
. Allerdings blockieren China und Russland handfeste Strafmaßnahmen.
Umar al-Baschir
, 1944 geboren, kam 1989 durch einen unblutigen Militärputsch gegen Regierungschef
Sadek al-Mahdi
im
Sudan
an die Macht. Er ernannte sich zugleich zum Staatsoberhaupt, Regierungschef, Verteidigungsminister und Oberkommandierenden der Streitkräfte. Seit 1993 ist er auch formell Präsident des Landes. In Wahlen 1996 und 2000, die die Opposition boykottierte, wurde er im Amt bestätigt. Sein Regime wurde zunehmend repressiver und orientierte sich immer stärker am
islamischen Fundamentalismus
. Er verbot politische Parteien und etablierte im ganzen Land ein islamistisches Rechtssystem, das sich an der
Scharia
orientiert.
Der überzeugte arabische Nationalist al-Baschir hatte an der Militärakademie in Kairo studiert und als Offizier in der ägyptischen Armee schnell Karriere gemacht. 1973 nahm er am arabisch-israelischen
Jom-Kippur-Krieg
teil.
Das im 16. Jahrhundert gegründete Königreich
Darfur
("Land der Fur") wurde 1916 dem
Sudan
angegliedert. Es ist etwa so groß wie Frankreich. Vor Vertreibungen und Massakern lebten in dem Gebiet an der Grenze zum
Tschad
etwa drei Millionen Menschen. Nach erfolgreichen Bohrungen im Süden Darfurs wird der
Darfur-Konflikt
durch Erdölinteressen angeheizt.
Die internationale Friedenstruppe für
Darfur
,
Unamid
, ist eine gemeinsame Mission der
Vereinten Nationen (Uno)
und der
Afrikanischen Union (AU)
, die der
Uno-Sicherheitsrat
2007 beschlossen hat. Sie soll vor allem die Zivilbevölkerung in der Krisenregion schützen und die Einhaltung des Friedensvertrags überwachen. Unamid gilt als größte Friedensmission in der Geschichte der Vereinten Nationen: Geplant war die Entsendung von 26.000 Soldaten, Polizisten und Zivilpersonal, die die 7000 Mann umfassende Truppe der AU ergänzen sollte. Allerdings sind bisher erst 60 Prozent der
Blauhelme
in Darfur eingetroffen.
Marodierende Banden beider Seiten bedrohen nicht nur Hilfsorganisationen, sondern auch die bewaffneten Unamid-Einheiten: Bei gewaltsamen Überfällen erbeuten sie Wagen und Ausrüstung der Unamid. Die steigende Kriminalitätsrate engt den Aktionsradius der Blauhelmsoldaten so stark ein, dass sie den Frieden nicht hinreichend schützen können.