Bern - Die Zahl der Feindseligkeiten gegen Deutsche nimmt in der Schweiz zu. Das berichtet die Eidgenössische Kommission gegen Rassismus (EKR).
EKR-Präsident Georg Kreis sagte: "Die sich in der Wirtschaftskrise verschärfenden Verteilkämpfe fördern die Bereitschaft, in den Deutschen unerwünschte Konkurrenten zu sehen." Dies bleibe nicht ohne negative Folgen für das Alltagsverhalten, sei es am Arbeitsplatz, am Wohnort, an der Ladenkasse, in öffentlichen Verkehrsmitteln oder in Restaurants. Printmedien nährten zugleich die Meinung, dass es in der Schweiz eine "Deutschenfrage" gebe, so Kreis. Die Kommission betonte am Freitag vor dem Hintergrund der Eskalationen im Steuerstreit, dass die Deutschen ein Anrecht darauf hätten, nicht mit der NS-Zeit in Verbindung gebracht zu werden.
Steuerzwist mit der Schweiz: Bild vom "hässlichen Deutschen"
Solche kollektiven Ablehnungen verletzen laut Kreis die in der Schweiz lebenden Menschen und belasten den gesellschaftlichen Frieden. "Deutsche der heute lebenden Generationen haben ein Anrecht darauf, nicht mit dem Nazitum in Verbindung gebracht zu werden", sagte Kreis.
Hintergrund des Konflikts ist der Vorwurf von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück an die Schweiz, sie lade "Ausländer dazu ein, gegen Gesetze in ihren Heimatländern zu verstoßen." Dies verstoße gegen Regeln der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Die Schweiz hatte kürzlich auf internationalen Druck hin ihr Bankgeheimnis gelockert.
Der Schweizer Abgeordnete Thomas Müller von der christdemokratischen Volkspartei CVP hatte empfindlich auf die Vorwürfe reagiert und Steinbrück mit den Nazis verglichen. Auch nach zahlreichen Protesten blieb er bei seinem Vergleich.
jar/AP
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