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23.04.2009
 

Kriegstraumata

Was die Schlächter von Uganda übrig ließen

Aus Gulu berichten Friederike Freiburg und Horand Knaup

20 Jahre wütete der Bürgerkrieg im Norden Ugandas - seine Auswirkungen vergiften auch das Leben im Frieden. Wie soll aus Kindersoldaten, Vergewaltigten, Waisen und Greisinnen eine Gesellschaft wachsen? Viele fühlen sich trotz einer Armada von Hilfsorganisationen im Stich gelassen.

Gulu - Michaels falsches Leben endet im November 2008 am rostroten Eisentor einer Auffangstation in der Stadt Gulu im Norden Ugandas. Darin ist ein Türchen eingelassen, und wer durch will, muss sich bücken. Michael ist ein großer schmächtiger Kerl, der rechte Arm hängt leblos an seinem Körper herab. Er ist 22. Sein Gesicht wirkt alt.

Michael war zehn, als ihn Rebellen der Lord's Resistance Army (LRA) entführten, in den Busch verschleppten und ihn das Töten lehrten. "Ich habe Menschen umgebracht, unschuldige Zivilisten", sagt er knapp, "andere Kinder entführt, Dörfer niedergebrannt." Er steht aufrecht in militärischer Haltung, die Hände hinter dem Rücken verschränkt, er trägt ein gutes Hemd und eine gebügelte Hose. Viel mehr will er nicht sagen.

Sein rechter Arm wurde bei einem Gefecht von Kugeln durchsiebt. Die Geschosse stecken noch immer in Michaels Fleisch, manchmal hat er Schmerzen. Die erinnern ihn daran, sagt er, dass er einer war aus der Schlächtertruppe des LRA-Anführers Joseph Kony. Doch das ist das falsche Leben. Nun will er sein richtiges zurück, das alte aus Kindertagen. In der Auffangstation in Gulu hat Michael gelernt, wie er zu seinem früheren Leben zurückfindet. Und wie ihn seine Familie irgendwann wieder akzeptieren kann. Trotz allem.

Kannibalismus, Folter, Mord, Vergewaltigungen

Das systematische Verrohen und das Herausreißen aus allen Bindungen gehören zu den Methoden der LRA, die seit Ende der achtziger Jahre ihr Unwesen in Norduganda treibt und als eine der berüchtigtsten Rebellenarmeen Afrikas gilt. Überlebende, die flüchten konnten, berichten in Interviews von Kannibalismus, von Folter, Mord und Vergewaltigungen. Schwerbewaffnete Trupps fallen über Dörfer her, erschießen wahllos Menschen und brennen die Hütten nieder. Frauen müssen ihre Männer mit Macheten erschlagen, um das Leben ihrer Kinder zu retten. Lästige Zeugen oder vermeintliche Verräter werden verstümmelt, Ohren und Lippen abgeschnitten.

An der Spitze der LRA, der "Widerstandsarmee des Herrn", steht Joseph Kony, ein selbsternannter Prophet. Seine krude Ideologie: Der Volksstamm der in Norduganda lebenden Acholi müsse von der Unterdrückung befreit, Staatspräsident Yoweri Museveni aus dem Amt gedrängt und ein Staat auf Grundlage der Zehn Gebote errichtet werden. Dass die meisten von Konys Opfern Acholi sind, ficht ihn nicht an. Dass "Du sollst nicht töten" eins der Zehn Gebote ist, offensichtlich auch nicht.

Seit einem Jahr gibt es einen fragilen Waffenstillstand zwischen der LRA und der ugandischen Armee. Zu einem Friedensabkommen kam es nicht, weil Joseph Kony im letzten Moment einen Rückzieher machte. Er hält sich vermutlich derzeit mit seiner Armee im Kongo auf. Die blutigen Überfälle, die zuvor die Menschen in Norduganda in Angst versetzten, spielen sich nun jenseits der Grenze ab.

"Wir konnten nicht mehr für die Sicherheit garantieren"

Schätzungen zufolge hat die LRA in Uganda im Laufe der Jahre mehr als 65.000 Kinder und Jugendliche entführt, nach Uno-Angaben mussten rund 1,8 Millionen Menschen in der Region vor den Überfällen in Sammellager flüchten. "Wir konnten, ehrlich gesagt, einfach nicht mehr für die Sicherheit jeder einzelnen Siedlung garantieren", sagt dazu Ronald Kakurungu, Sprecher der ugandischen Armee.

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Der Bürgerkrieg im Norden Ugandas ist nun vorbei - das jedenfalls sagen die Behörden. Doch noch immer leben die Menschen in Angst und kehren nur zögerlich aus den Sammellagern zurück in ihre alten Dörfer. Die ursprünglichen Strukturen sind zerrüttet, Hütten zerstört, das Vieh gestohlen, Anbauflächen überwuchert.

Auch in Lukodi sieht es heute so aus, einem Dörfchen nördlich von Gulu. Das Datum, an dem alles anders wurde, ist auf einem Gedenkstein eingraviert: der 19. Mai 2004, ein Mittwoch. "Es war abends gegen 17 Uhr", berichtet Calvin Ocora. Calvin war damals 38 Jahre alt, lebte wie die meisten in Lukodi von seinem Gärtchen, er hatte eine Kuh und ein paar Ziegen. Es war ein schöner Tag, und Calvin wollte das Vieh nach Hause bringen, als die Kuh plötzlich unruhig wurde. Es lag etwas in der Luft.

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Die neuesten Beiträge:
02.12.2010 von sitiwati: Kultur ist,

wen sich ein paar Leutchen treffen, dei hochgeistige Gespräche führen und dabei das Sektglas in den Fingern halten, zum Nachtisch gibts dann nen Streifen Koks! mehr...

02.12.2010 von forumgehts?:

Könnte man Kultur etwa so definieren: Kultur ist alles, was nur die richtig geniessen können, die nicht (mehr) dafür bezahlen (Geld, Leben, usw) müssen? ;) mehr...

01.12.2010 von Spinnosa:

Als in den 70er Jahren politisch sozialisierter Mensch müßte ich jetzt natürlich sagen: "Du, da müssen wir aber jetzt erstmal die Begriffe klären..." Scherz beiseite. Einerseits bin ich durchaus der Meinung, daß [...] mehr...

01.12.2010 von elandy:

In Polen gibts doch eh nix zu holen. Das war schon vor 70 Jahren nicht anders..;) Aber keine Angst, Ihnen schicke ich keine PM. Wäre auch vergebens. mehr...

01.12.2010 von elandy:

Danke für ihr Statement und absolute Zustimmung. Dieselbe Erfahrung mit Forist FXF habe ich schon vor einigen Monaten gemacht. Was die spanische Eroberung der Karibik und Mittelamerikas angeht: der Rassismus der meisten [...] mehr...

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