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Genozid in Ruanda Mein Nachbar, ein Massenmörder

2. Teil: Wieso ein Hutu-Kommandeur in Mannheim leben darf

Die Ruander haben ihre Lehren aus dem Genozid gezogen: Das Vertrauen in ausländische Mächte und die Uno scheint verschwunden. Auch gegenüber Deutschland schlägt die ruandische Regierung harsche Töne an. Denn einige der Personen, die auf Ngogas Liste stehen, halten sich in Deutschland auf. Beispiel: Nummer 74 auf der alphabetisch sortierten Liste: Vénuste Nyombayire, ehemaliger Bürgermeister in Ruanda. Ngoga schüttelt den Kopf: Dass sowas in Deutschland geschehe, sei erschreckend, sagt er.

Die Spuren der Staatsanwaltschaft führen nach Deutschland

Eine weitere wichtige Spur Ngogas führt nach Mannheim. Dort lebt Ignace Murwanashyaka. Der Ruander ist der "Präsident" der Rebellengruppe FDLR (Demokratische Kräfte für die Befreiung Ruandas). Er befiehlt bis heute Tausende Hutu-Kämpfer, die vom Ostkongo aus immer wieder Attacken gegen die Tutsi-Regierung in Ruanda planen. Unter ihnen tummeln sich zahlreiche Drahtzieher des Genozids. Ein Slogan wie "Wir sind alle Ruander" widerspricht allem, wofür sie kämpfen.

Diese bewaffnete Bande, die im Kongo ein Gebiet größer als Ruanda kontrolliert, ist der Grund, warum die ruandische Armee im Januar in den Ostkongo einmarschiert war. Immerhin, mehr als 400 müde Kämpfer haben sich seitdem ergeben oder wurden festgenommen, wie Edmond Ngarambe. Er ist Murwanashyakas Schwager und dessen politisches Sprachrohr in der Befehlskette.

Solange die Befehlshaber im Ausland, vor allem aber in Deutschland, nicht dingfest gemacht sind, kann die FDLR ihren Krieg im Kongo fortführen, so Harald Hinkel. Er ist Entwaffnungsexperte und Berater der Uno im Kongo. Es liegt also an Deutschland, einen Teil zum Frieden im Kongo und zur Gerechtigkeit in Ruanda beizutragen. Bis dahin genießen die Hauptverantwortlichen des Genozids ihre Ruhe in westlichen Ländern, fern ab von der Trauerarbeit, fern ab vom Ringen um eine neue, friedlichen Alltag in Ruanda.

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insgesamt 52 Beiträge
descartes101 06.04.2009
Klar. Bis zum nächsten Mal, wenn einer meint, sein Nachbar vom anderen Stamm hätte eine Ziege mehr als er selbst. Dann geht das ganze Machetenhackdrama von vorne los. Es ist geradezu erschütternd dumm, wie einige unser [...]
Zitat von sysopIn den vergangenen Jahren sind durch Erlasse des Präsidenten Paul Kagame 60.000 Täter des Genozids in Ruanda aus den überfüllten Gefängnissen entlassen worden. Die Justiz will - auch aufgrund der Überlastung - auf Versöhnung anstatt auf Vergeltung setzen. Was denken Sie - kann Ruanda so zur Ruhe kommen?
Klar. Bis zum nächsten Mal, wenn einer meint, sein Nachbar vom anderen Stamm hätte eine Ziege mehr als er selbst. Dann geht das ganze Machetenhackdrama von vorne los. Es ist geradezu erschütternd dumm, wie einige unser kuschelweiches Verständnis von Schuld und Sühne auf eine Welt übertragen wollen, die in jedem einzelnen Punkt diametral von unserer entfernt ist. Ein übler Fehler übrigens, den schon die ersten und alle folgenden Missionare gemacht haben, in deren Gefolge die Kolonialmächte kamen. Jeder weitere Massenmord in Afrika ist beider alleinige Schuld.
digitext 06.04.2009
Die Bundesregierung sollte die ruandischen Maßnahmen voll unterstützen und auch mögliche Täter ausliefern (z.B. inkl. Rechtsbeistand). In Ruanda wurde mehr und besseres Vollbracht als es jemals - insbesondere in Europa - für [...]
Zitat von sysopIn den vergangenen Jahren sind durch Erlasse des Präsidenten Paul Kagame 60.000 Täter des Genozids in Ruanda aus den überfüllten Gefängnissen entlassen worden. Die Justiz will - auch aufgrund der Überlastung - auf Versöhnung anstatt auf Vergeltung setzen. Was denken Sie - kann Ruanda so zur Ruhe kommen?
Die Bundesregierung sollte die ruandischen Maßnahmen voll unterstützen und auch mögliche Täter ausliefern (z.B. inkl. Rechtsbeistand). In Ruanda wurde mehr und besseres Vollbracht als es jemals - insbesondere in Europa - für möglich gehalten wurde. Die Bundesrepublik hatte die hiesigen großen wie kleinen Despoten und Schlächter des Nazi-Wahnsinns weitestgehend integriert. Und dies geschah obwohl es eine "ordentliche" Rechtsprechung gab und sicher mehr möglich gewesen wäre. Was spricht vor diesem Hintergrund dagegen, die dortige Versöhnungskampagne und die Arbeit der Dorfgerichte als wertvoll anzuerkennen - zumal es an geeigneteren Alternativen mangelt.
Vincent_Vega 06.04.2009
Netter Vorsatz der Regiereung, nur, wie lange soll das gutgehen? Im übrigen: Wen interessierts? Laufen doch genug Verbrecher ungestraft in dieser Welt herum und freuen sich ihrs Lebens - egal ob einfache Leute oder ehem. [...]
Zitat von sysopIn den vergangenen Jahren sind durch Erlasse des Präsidenten Paul Kagame 60.000 Täter des Genozids in Ruanda aus den überfüllten Gefängnissen entlassen worden. Die Justiz will - auch aufgrund der Überlastung - auf Versöhnung anstatt auf Vergeltung setzen. Was denken Sie - kann Ruanda so zur Ruhe kommen?
Netter Vorsatz der Regiereung, nur, wie lange soll das gutgehen? Im übrigen: Wen interessierts? Laufen doch genug Verbrecher ungestraft in dieser Welt herum und freuen sich ihrs Lebens - egal ob einfache Leute oder ehem. Staatoberhäupter und deren Schergen. Die Welt hat jahrelang weggeschaut als es in Ruanda zum Völkermord kam, nach dem Motto: wenn die da unten mit sich selbst beschäftigt sind, kommen sie nicht auf die Idee, irgendetwas von uns zu wollen. Wer sich jetzt darüber empört, soll mal kürzer treten und sich fragen, wie weit wir an der Entwicklung mitschuldig sind?
MonaM 06.04.2009
Die Justiz kann generell dadurch Versöhnung ermöglichen, dass sie ihre primäre Aufgabe erfüllt, nämlich für Gerechtigkeit zu sorgen (versöhnen kommt übrigens von sühnen). Gerechtigkeit ist die Voraussetzung für alles Folgende, [...]
Zitat von sysopDie Justiz will - auch aufgrund der Überlastung - auf Versöhnung anstatt auf Vergeltung setzen. Was denken Sie - kann Ruanda so zur Ruhe kommen?
Die Justiz kann generell dadurch Versöhnung ermöglichen, dass sie ihre primäre Aufgabe erfüllt, nämlich für Gerechtigkeit zu sorgen (versöhnen kommt übrigens von sühnen). Gerechtigkeit ist die Voraussetzung für alles Folgende, die Schuldanerkenntnis durch den Täter, die (unverzichtbare) Wiedergutmachung und - im Idealfall - die Aussöhnung zwischen den Opfern und Tätern. Ich kann nicht beurteilen, ob die massenhafte Entlassung von Gefangenen, welche sich möglicherweise schwerster Verbrechen schuldig gemacht haben, bei den Opfern bzw. den Angehörigen der Opfer das Gefühl erzeugt, es sei Gerechtigkeit geschehen. Falls nicht, kann Versöhnung nicht gelingen.
squashie 06.04.2009
"As we forgive" ist ein Bericht darueber wie Moerder und Genozid-Ueberlebende kooperieren um Ruanda wieder aufzubauen. http://www.poptech.org/popcasts/popcasts.aspx?lang=&viewcastid=242
"As we forgive" ist ein Bericht darueber wie Moerder und Genozid-Ueberlebende kooperieren um Ruanda wieder aufzubauen. http://www.poptech.org/popcasts/popcasts.aspx?lang=&viewcastid=242
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Völkermord in Ruanda
Der Völkermord in Ruanda entstand aus dem Jahrzehnte schwelenden Konflikt zwischen den Volksgruppen der Hutu und Tutsi . Als Auslöser für den Genozid an der Tutsi-Minderheit gilt das Attentat auf den Hutu-Präsidenten Juvenal Habyarimana , dessen Flugzeug am 6. April 1994 beim Landeanflug auf Kigali von einer Rakete abgeschossen wurde. Radikale Hutu-Milizen lasteten den Mord der Tutsi-Minderheit an und riefen zu Vergeltung auf. Sie töteten mindestens 800.000 Tutsi und gemäßigte Hutu. Viele Opfer wurden mit Macheten in Stücke gehackt, andere bei lebendigem Leib in Kirchen verbrannt, in denen sie Zuflucht gesucht hatten.
Der damalige Völkermord war nach drei Monaten beendet worden, nachdem die Patriotische Front (RPF) des heutigen ruandischen Präsidenten Paul Kagame , ein Tutsi, von Uganda aus einmarschiert war und die Hutu-Milizen verjagt hatte.
Nach Angaben von Menschenrechtlern und Helfern war der Völkermord geplant. Ziel der Gräueltaten sei die Ausrottung der Tutsi gewesen, die etwa elf Prozent der ruandischen Bevölkerung ausmachten.





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