Von Daniel Steinvorth, Istanbul
Istanbul - Die Türkei wird den Besuch von Barack Obama in bester Erinnerung behalten: Der US-Präsident hielt eine bemerkenswerte Rede vor dem türkischen Parlament, verneigte sich vor dem Atatürk-Mausoleum in Ankara, ließ sich in Istanbul staunend durch die Hagia Sophia und die Blaue Moschee führen, und er hatte viele warme Worte übrig für das Land, das er einmal mehr als "Brücke zwischen der islamischen Welt und dem Westen" und als "starke säkulare Demokratie" lobte; für ein Land, das eigentlich überreif sei für die Mitgliedschaft in der Europäischen Union.
Obama in Istanbul: Ramponiertes Ansehen verbessert
Und damit dürfte dem US-Präsidenten ein Teil seiner Türkeimission bereits gelungen sein: Das ramponierte Ansehen der Großmacht zu verbessern - in einem Staat, der bis vor kurzem noch höhere Anti-Amerikanismuswerte hatte als der Iran.
Zwar haben auch in der Türkei die meisten die Wahl Obamas begrüßt. Seit Monaten wirbt hier eine der größten Privatbanken mit einem Konterfei des Präsidenten, im Stil von Andy Warhol. Doch für den Großteil der Türken blieb das Land Obamas jener arrogante Weltsoldat, der vor ihrer Haustür Kriege anzettelt.
Unvergessen ist das "Sackereignis" von 2003, als elf türkische Soldaten im Nordirak von US-Soldaten gefangen genommen und tagelang verhört wurden, mit einem Sack über dem Kopf - der Vorfall lieferte das Drehbuch für den Gewaltfilm "Tal der Wölfe".
Für viele Türken blieb Amerika auch einfach jene unheimliche Macht, die im Hintergrund alle Fäden zieht, die den Islamisten dabei helfe, die säkulare Republik zu stürzen. Sie verweisen auf die Worte der Bush-Administration, die die Türkei regelmäßig als "moderaten islamischen Staat" bezeichneten. Dass Obama nun ausschließlich von der "säkularen Demokratie" der Türkei sprach und noch vor seinem Treffen mit Staatspräsident Abdullah Gül das Grabmal von Atatürk besuchte, könnte geholfen haben, das Misstrauen vieler laizistischer Türken zu überwinden.
Doch natürlich konnte es Obama am Ende nicht allen recht machen. Seine Worte über die türkisch-armenischen Beziehungen lösten alte Reflexe aus. "Taktlos und untolerierbar" sei das gewesen, polterte anschließend der rechtsextreme Oppositionspolitiker Devlet Bahceli, 61. Dabei hatte Obama nicht mal das schlimme G-Wort benutzt. Er hatte den Genozid an den Armeniern nicht beim Namen genannt, obwohl er das im Wahlkampf der Armenierlobby in den USA versprochen hatte.
Stattdessen sprach er von den "schrecklichen Ereignissen von 1915". Und davon, dass er sich dem Annäherungsprozess der beiden Staaten nicht in den Weg stellen wolle. Das ist für türkische Nationalisten vom Schlage Bahcelis Provokation genug. Sie verbitten sich eine "Einmischung" in die türkische Politik und haben eine andere Lesart, Konflikte zu lösen.
Den Nationalisten dürfte auch nicht gefallen haben, dass der US-Präsident weiterhin Reformen anmahnte, auch für die kurdische Bevölkerung. Sieben Minuten lang sprach Obama mit dem Chef der größten Kurdenpartei DTP, Ahmet Türk. Er ließ sich von 17.000 ungeklärten Todesfällen im Südosten des Landes berichten und vom DTP-Projekt einer "demokratischen Autonomie" für die kurdischen Gebiete.
Es war der erste kurdischstämmige Politiker, mit dem sich Obama ausgetauscht hatte. Bei so viel öffentlicher Wertschätzung dürften die Überlebenschancen der DTP, die derzeit von einem Parteiverbot bedroht ist, gestiegen sein.
Letztendlich zeigte sich auch das mächtige Militär von der Präsenz des amerikanischen Staatsoberhauptes beeindruckt. 22 Monate lang hatten türkische Generäle das Parlament nicht betreten - aus Protest gegen die Anwesenheit der Kurdenpartei, der eine Nähe zur PKK vorgeworfen wird. Für den Obama-Besuch kamen die Generäle.
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