Pattaya - Es war ein turbulenter Tag im thailändischen Badeort Pattaya: Die südostasiatische Staatengemeinschaft Asean hatte zum Gipfeltreffen geladen, 630 offizielle Gäste waren gekommen, um über die Weltwirtschaftskrise zu debattieren. Doch daraus wurde nichts.
Massive Demonstrationen zwangen die Veranstalter, das Spitzentreffen abzubrechen. Protestierer stürmten das Tagungsgebäude, das noble Royal Cliff Hotel. Hochkarätige Politiker mussten in einer Notaktion per Hubschrauber ausgeflogen werden, darunter Chinas Premierminister Wen Jiabao.
Das Galadinner fand jedoch trotz der Absage der Konferenz statt: Statt ranghohen Regierungsvertretern und Delegierten aus 16 Ländern genossen Journalisten, Soldaten, Mechaniker und Beamte das noble Viergängemenü. Bedienungen in farbenfrohen traditionellen thailändischen Kostümen bedienten in dem 700 Sitze fassenden Ballraum in Pattaya Soldaten. Begleitet von leiser Klaviermusik wurden unter anderem Shrimp Saté, Hummer und Hühnchen mit Cashew-Nüssen serviert, dazu gabe es exzellenten Rot- und Weißwein. Zur Begründung des ungewöhnlichen Galadinners hieß es, das Essen müsse dem Hotel ohnehin bezahlt werden.
Schon zuvor war die Demonstration der Gipfelgegner in eine Mischung aus Randale und Party ausgeartet. Zunächst waren Freudenschreie zu hören, dann bahnte sich die Menge ihren Weg durch die Lobby des Tagungshotels. Tür um Tür wurde geöffnet auf der Suche nach dem thailändischen Regierungschef Abhisit Vejjajiva. "Wir wollen Abhisit selbst sagen, dass dieses Treffen nicht weitergehen kann", sagte einer der Anführer der Demonstranten.
Manche Aktivisten zerpflückten den Blumenschmuck, andere bedienten sich am Getränkebuffet. Sie machten es sich auf Sofas gemütlich oder fuhren mit den Aufzügen hoch und runter. Junge Männer mit Skimasken und Schutzbrillen fanden sich Seite an Seite mit älteren Frauen, die thailändische Fahnen schwenkten.
Die Eindringlinge sind Anhänger des früheren Ministerpräsidenten Thaksin Shinawatra, der 2006 bei einem Militärputsch gestürzt worden war. Dem seit vier Monaten amtierenden Abhisit werfen sie vor, nicht vom Volk gewählt zu sein.
Für Gastgeber Thailand ist das überstürzte Ende des Asean-Gipfels eine peinliche Blamage. Vorübergehend verhängte die Regierung wegen der Proteste sogar den Notstand über die Region. Am Abend wurde er wieder aufgehoben, die Lage hat sich wieder normalisiert. Die Zusammenkunft der aus 16 Staaten bestehenden Asean-Gruppe wurde auf unbestimmte Zeit verschoben.
wal/AFP/AP/dpa
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