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13.04.2009
 

Notstand in Bangkok

Thailands Armee feuert auf Demonstranten

Tränengas, Schüsse, Dutzende Verletzte: In Thailands Hauptstadt Bangkok eskaliert die Lage. Laut Armee haben sich Demonstranten und Soldaten gegenseitig beschossen. Mehr als 40.000 Menschen versammelten sich zu Protesten, Beobachter schließen einen Putsch nicht mehr aus.

Bangkok - Thailands Regierung hat über die Hauptstadt Bangkok den Notstand verhängt, trotzdem ist die Lage eskaliert. In der Nacht zum Montag kam es zu schweren Zusammenstößen zwischen Armee und Demonstranten, Dutzende Menschen wurden verletzt.

Nach Armeeangaben schossen Demonstranten auf Soldaten, diese hätten daraufhin das Feuer erwidert. Die Soldaten hatten versucht, eine wichtige Straßenkreuzung zu räumen. Bei einer anderen Demonstration wurden Soldaten einem Augenzeugen zufolge aus der Menge mit Brandsätzen beworfen. Das medizinische Zentrum von Bangkok bezifferte die Zahl der Verletzten auf mindestens 77 - darunter auch Zivilisten mit Schusswunden.

Auch am Montagmorgen blieb die Lage angespannt. Bei weiteren Demonstrationen gab die Armee erneut Warnschüsse ab. Wie Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichteten, feuerten Soldaten in die Luft, als die Demonstranten versuchten, einen Bus in eine Reihe von Soldaten zu steuern. Etwa hundert Soldaten schossen sekundenlang mit Sturmgewehren in die Luft, als der Bus auf sie zufuhr. Auch Wasserwerfer setzten die Soldaten am Montagmorgen gegen Demonstranten ein.

Auslöser für die Unruhen war der Abbruch des Asien-Gipfels im thailändischen Pattaya. Dort hatten Demonstranten das Tagungshotel gestürmt und das Treffen asiatischer Spitzenpolitiker gesprengt. Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao und andere Regierungschefs mussten in einer Notaktion per Helikopter ausgeflogen werden.

Thailands Ministerpräsident Abhisit Vejjajiva hatte daraufhin am Sonntag den Notstand ausgerufen. Dies brachte die Massen aber umso mehr auf. In Bangkok kamen daraufhin mindestens 40.000 Menschen zu weiteren Protesten zusammen, zumeist Anhänger des früheren Regierungschefs Thaksin Shinawatra. Sie fordern den Sturz Abhisits.

Seit 1932 gab es in Thailand 18 Staatsstreiche. Beobachter schließen einen weiteren nicht aus, falls sich die Lage weiter zuspitzt. Thaksin hatte am Sonntag aus dem Exil heraus erklärt, jetzt sei die "goldene Zeit" des Aufstands gegen die Regierung angebrochen."Jetzt, da Panzer in den Straßen sind, ist es Zeit für das Volk, zu einer Revolution herauszukommen. Und wenn es nötig ist, werde ich ins Land zurückkehren." Thaksin hält sich zumeist in Dubai auf.

Die Armee nimmt viele Demonstranten fest

Ein Reporter der Nachrichtenagentur Reuters berichtete, dass Soldaten in Kampfausrüstung am frühen Montagmorgen damit begannen, eine wichtige Straßenkreuzung in Bangkok zu räumen. Schüsse waren zu hören. Hunderte Demonstranten flüchteten in Seitenstraßen und warfen Steine auf Soldaten. Die Armee erklärte kurz darauf, sie sei von Demonstranten mit Tränengas und Rauchbomben angegriffen worden.

Daraufhin hätten die Soldaten zunächst in die Luft gefeuert. Dann sei aus den Reihen der Demonstranten scharf geschossen worden und die Soldaten hätten das Feuer erwidert. Nach Angaben der Armee wurde eine "beträchtliche Zahl" Demonstranten festgenommen.

Reporter der Nachrichtenagentur AP beobachteten, dass die meisten Schüsse offenbar über die Köpfe der Demonstranten hinweg abgegeben wurden. Die Regierungsgegner hätten ihrerseits mindestens eine Brandbombe auf die Sicherheitskräfte geschleudert.

Die Verletzten litten überwiegend an den Folgen des Einsatzes von Tränengas, zwei Soldaten und zwei Zivilpersonen wiesen nach Angaben des Koordinationszentrums Schusswunden auf. Ein Sprecher der Streitkräfte sagte, auch die Demonstranten hätten Tränengas eingesetzt.

Warnungen vor Reisen nach Thailand

Mehrere Länder wie Singapur, Australien und Kanada warnten vor Reisen in das südostasiatische Land. Das Auswärtige Amt in Berlin teilte auf seiner Internet-Seite mit, für Touristen bestehe keine besondere Gefahr, solange sie Menschenansammlungen und Demonstrationen fernblieben.

Die thailändische Regierung versuchte, ausländische Einwohner und Touristen mit einer auf Englisch verlesenen Erklärung im Fernsehen zu beruhigen. Die Armee sei dabei, strategische Einrichtungen und die Flughäfen zu sichern. Die Proteste überschatten das thailändische Neujahrsfest an diesem Montag.

Abhisit selbst war Ende 2008 nach Massenprotesten seiner Anhänger gegen die Regierung der Partei Thaksins an die Macht gekommen. Abhisits Anhänger hatten unter anderem Bangkoks Flughafen besetzt, um den Rücktritt des damaligen Regierungschefs Somchai Wongsawat - Thaksins Schwager - zu erzwingen. Hunderttausende Touristen saßen damals in Thailand fest.

Die aktuellen Massenproteste begannen vor einer Woche. Die Konfrontation der vergangenen Nacht ist allerdings die erste, bei der es zu massiver Gewalt kam. Seit Verhängung des Notstands sind Medienberichte, die als Bedrohung der öffentlichen Ordnung eingestuft werden, verboten. Das gleiche gilt für Versammlungen von mehr als fünf Menschen. Die Polizei nahm den Anführer der Proteste beim Asien-Gipfel in Pattaya fest.

"Was wollen sie tun? Uns alle töten?"

Die Demonstranten zeigten sich ebenfalls entschlossen. "Wir bewegen uns keinen Schritt", sagte der 33-jährige Steinmetz Chaiya Chaiwichayakul. "Was wollen sie tun? Uns alle töten?" Einer der Anführer, Jakrapob Penkair, sagte der BBC: "Wir werden uns dem Militär entgegenstellen."

Auf den Straßen waren Dutzende Soldaten mit Gewehren zu sehen. Sie bewegten sich langsam auf die Umgebung des Regierungsviertels zu. Kurzzeitig legte sich ein Demonstrant vor einen gepanzerten Truppentransporter auf die Straße.

Mehrere Protestierer hielten ein blutiges T-Shirt in die Luft, das einem der verwundeten Demonstranten gehören sollte. Ein Armeesprecher erklärte, auf Anweisung der Regierung wolle man Todesopfer vermeiden.

Als Ministerpräsident Abhisit am Sonntag nach einer Fernsehansprache das Innenministerium verließ, attackierten die Demonstranten mit Stöcken und Gehwegplatten ein Fahrzeug, in dem sie den Ministerpräsidenten vermuteten. Ein Demonstrant schnappte sich nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP die Waffe eines Sicherheitsbeamten und feuerte in die Luft. Nach Angaben der in Singapur erscheinenden "Straits Times" ist die Lage allerdings unklar, der Schuss sei möglicherweise auch vom Bodyguard selbst abgegeben worden oder habe sich in einem Handgemenge gelöst. Die Oppositionellen stürmten das Ministerium und besetzten den Innenhof.

Abhisit sagte einem Reporter später telefonisch, ihm gehe es gut, aber einer seiner Mitarbeiter werde festgehalten. Es ist bereits das dritte Mal in acht Monaten, dass in Bangkok der Notstand ausgerufen wurde. Bislang war die Armee jedoch nicht eingeschritten.

wal/Reuters/dpa/AP/AFP

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