Von Carsten Volkery, London
Nachdem Downing Street am Karfreitag zunächst versucht hatte, die Mails als "kindisch" und "unangemessen" abzutun, setzte über das lange Wochenende ein Umdenken ein. Die Tories verlangten eine Entschuldigung des Premierministers, und Brown sah sich gezwungen, aktiv zu werden. Am Dienstag schickte er persönliche Briefe an alle betroffenen Tories, in denen er sein "großes Bedauern" ausdrückte und versprach, alles zu tun, damit sich so etwas nicht wiederhole. Die Briefe waren handgeschrieben, doch das Wort "Sorry" enthielten sie nicht.
Das gab den Konservativen die Gelegenheit, den Druck weiter zu erhöhen. Es sei keine richtige Entschuldigung, bemängelte die Abgeordnete Nadine Dorries, über die ebenfalls Sexgerüchte gestreut werden sollten. Tory-Chef Cameron forderte eine "Änderung der Kultur" in der Downing Street, die wohl nur durch einen Machtwechsel zu erreichen sei.
"Enormes Propagandageschenk"
Die Konservativen lechzen nach mehr, sie wollen den Schaden für die Labour-Regierung maximieren. Nach McBride soll auch Tom Watson fallen, einer von Browns Staatssekretären, der die Skandal-Mails in Kopie erhalten hatte. Watson habe in einem kleinen Büro mit McBride zusammengesessen, schreibt Blogger Dale. Unmöglich, dass er nichts von den Sexgerüchten gewusst haben soll. Der frühere stellvertretende Premierminister Michael Heseltine erklärte in der BBC hinterlistig, dass nach seiner Erfahrung der Premierminister in der Regel eingeweiht sei, was in seinem Büro passiere.
In Labour-Kreisen herrscht hingegen tiefer Frust über das Eigentor. Die "Clowns" McBride und Draper sollten verschwinden, heißt es auf der "Labourhome"-Website. Die beiden hätten sich selbst ins Knie geschossen, resümierte der Generalsekretär der Fabian Society, Sunder Katwala. Es sei ein "enormes Propagandageschenk" für die Tories, klagte der Labour-Abgeordnete Tom Harris.
Die Regierung verteidigt sich damit, dass mit McBride der Schuldige nun gefeuert und die Sache damit erledigt sei. Doch wird Brown so schnell nicht aus der Verantwortung entlassen. Der 34-Jährige McBride wird als Schlüsselfigur im System Brown dargestellt, als Mann fürs Grobe, der den eigenen Chef schützen und den politischen Gegner unterminieren sollte. McBride sei kein Einzelkämpfer, kommentierte die "Times". Vielmehr sei der Premier von Leuten umgeben, die eher auf Zerstörung des Gegners setzten als auf eigene Pläne.
Das Verdikt der Medien fällt einhellig vernichtend aus. "McBride's E-Mails werfen die Frage nach Browns Urteilskraft auf", kommentiert der "Independent". Die Geschichte sei keine Osterloch-Geschichte, sondern werde weitreichende Folgen für den Wahlkampf haben. Und die "Times" kommt zu dem Schluss: "Politische Parteien verfallen auf Negativ-Kampagnen, wenn sie nichts Positives zu sagen haben".
Blogger Staines reibt sich die Hände. Nach dem Rücktritt McBrides am Samstag reagierte er mit nur zwei Worten: "Mission erfüllt".
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