Ein Essay von Amir Taheri
Eine vorübergehende Pause würde Irans langfristiges Vorhaben, eine "Nuklearschlag-Kapazität" aufzubauen, nicht wirklich behindern. Die Iraner blicken auf eine 3000 Jahre lange Geschichte zurück, sie kennen den Wert der Geduld. Und sie haben ja die Anreicherung schon einmal gestoppt, 2003. Heute wissen wir, dass sie dann eben an anderen Komponenten weitergearbeitet haben.
So könnte das Regime möglicherweise auch dieses Mal einer Unterbrechung zustimmen, sofern man ihnen auf anderem Gebiet entgegenkommt - und sie beispielsweise als Regionalmacht im Nahen Osten anerkennt. Ohne ein solches Zugeständnis wird die Islamische Republik sich nicht bewegen, eine Ausweitung ihres Einflussbereichs sollte es schon mindestens sein. Mahmud Ahmadinedschad hat das - wenn auch sehr verklausuliert - so schon angedeutet.
Seinen Vorgänger Mohammed Chatami hat er heftig kritisiert, weil dieser damals einem Stopp der Anreicherung zustimmte - ohne eine Gegenleistung dafür zu erreichen. Chatami hat seine Entscheidung damals so begründet: Es sei kurz nach dem Fall von Saddam Hussein gewesen, die Amerikaner hätten bereits im Irak gestanden, und er hätte befürchten müssen, dass sie abbiegen und gleich nach Teheran weitermarschieren. Anders gesagt: Es war die Angst vor einem Sturz des Regimes, die Teheran vor sechs Jahren einlenken ließ. Sobald abzusehen war, dass Bush und seine Politik im eigenen Land nichts mehr galten, haben sie ihre Anreicherung wieder angefahren - und zwar mit erhöhtem Tempo.
Warum Iran so auf das Atomprogramm fixiert ist? Der Komplex hat drei Ebenen:
Mahmud Ahmadinedschad hat schon jetzt antiamerikanischen Regimes in Südamerika "volle Unterstützung und vollständigen Schutz" gegen den "großen Satan" in Washington zugesagt. Venezuela baut beispielsweise mit iranischer Hilfe eine einheimische Waffenindustrie auf. Und eine Atommacht Iran könnte eines Tages Nationen wie Venezuela, Nicaragua, Bolivien, Paraguay, Ecuador und - warum nicht - sogar Kuba unter ihren nuklearen Schutzschild nehmen. Die Islamische Republik führt nun seit 30 Jahren Krieg gegen die USA und das von ihnen geführte internationale politische System. Dieser Krieg ist nie offen geführt worden, weil die USA und ihre Verbündeten bisher immer vor einer Konfrontation zurückgeschreckt sind.
Die USA verfügt über große politische und militärische Macht, aber sie haben bis heute selten den Mut bewiesen, auch nur einen Bruchteil davon einzusetzen. Die Macht der Islamischen Republik ist hingegen "bescheiden", wie Barack Obama unlängst feststellte. Die Mullahs sind aber willens, ihre "bescheidenen" Mittel optimal einzusetzen. Die Frage ist deshalb nicht, wie sich ein Krieg mit Iran verhindern lässt, sondern wie man einen 30 Jahre währenden Krieg endlich wahrnimmt.
Wie alle Konflikte, lässt sich auch dieser auf drei Wegen beenden: mit einer Kapitulation, mit Verhandlungen oder mit einem militärischen Sieg.
Die Gespräche Teherans mit der 5+1-Gruppe mögen zu einer Zwischenlösung führen, einer Art Waffenstillstand, der die unausweichliche Entscheidung noch einmal verschiebt. Was nur die Hoffnung lässt, dass Iran im Laufe dieser Zeitspanne entweder sein Regime wechselt - oder wenigstens sein Verhalten.
Übersetzung: Olaf Kanter
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