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Die USA und Teherans Atomprogramm Präventive Kapitulation des Westens

2. Teil: Warum Iran so auf sein Atomprogramm fixiert ist

Eine vorübergehende Pause würde Irans langfristiges Vorhaben, eine "Nuklearschlag-Kapazität" aufzubauen, nicht wirklich behindern. Die Iraner blicken auf eine 3000 Jahre lange Geschichte zurück, sie kennen den Wert der Geduld. Und sie haben ja die Anreicherung schon einmal gestoppt, 2003. Heute wissen wir, dass sie dann eben an anderen Komponenten weitergearbeitet haben.

So könnte das Regime möglicherweise auch dieses Mal einer Unterbrechung zustimmen, sofern man ihnen auf anderem Gebiet entgegenkommt - und sie beispielsweise als Regionalmacht im Nahen Osten anerkennt. Ohne ein solches Zugeständnis wird die Islamische Republik sich nicht bewegen, eine Ausweitung ihres Einflussbereichs sollte es schon mindestens sein. Mahmud Ahmadinedschad hat das - wenn auch sehr verklausuliert - so schon angedeutet.

Seinen Vorgänger Mohammed Chatami hat er heftig kritisiert, weil dieser damals einem Stopp der Anreicherung zustimmte - ohne eine Gegenleistung dafür zu erreichen. Chatami hat seine Entscheidung damals so begründet: Es sei kurz nach dem Fall von Saddam Hussein gewesen, die Amerikaner hätten bereits im Irak gestanden, und er hätte befürchten müssen, dass sie abbiegen und gleich nach Teheran weitermarschieren. Anders gesagt: Es war die Angst vor einem Sturz des Regimes, die Teheran vor sechs Jahren einlenken ließ. Sobald abzusehen war, dass Bush und seine Politik im eigenen Land nichts mehr galten, haben sie ihre Anreicherung wieder angefahren - und zwar mit erhöhtem Tempo.

Warum Iran so auf das Atomprogramm fixiert ist? Der Komplex hat drei Ebenen:

  • den Machtkampf innerhalb der Führung in Teheran: Ahmadinedschad hat sein Macho-Image auf dieser Frage aufgebaut. Wenn er auch nur einen Schritt zurückweicht, ist er politisch tot.
  • das strategische Ziel Irans, zur Großmacht im Nahen Osten aufzusteigen: Die Islamische Republik braucht die "nukleare Parität", um sicherzustellen, dass sie nicht mit Atomwaffen angegriffen wird,
    • wenn sie die Amerikaner aus der Region drängen,
    • wenn sie Israels Existenzrecht in Frage stellen,
    • wenn sie den Arabern im Namen der muslimischen Einheit ihren Chomeinismus aufzwingen.
  • die Ambitionen Irans, wie sie Ahmadinedschad und andere vertreten: Sie wollen eine internationale Koalition schmieden und die von den USA dominierten globalen politischen und wirtschaftlichen Strukturen angreifen.

Mahmud Ahmadinedschad hat schon jetzt antiamerikanischen Regimes in Südamerika "volle Unterstützung und vollständigen Schutz" gegen den "großen Satan" in Washington zugesagt. Venezuela baut beispielsweise mit iranischer Hilfe eine einheimische Waffenindustrie auf. Und eine Atommacht Iran könnte eines Tages Nationen wie Venezuela, Nicaragua, Bolivien, Paraguay, Ecuador und - warum nicht - sogar Kuba unter ihren nuklearen Schutzschild nehmen. Die Islamische Republik führt nun seit 30 Jahren Krieg gegen die USA und das von ihnen geführte internationale politische System. Dieser Krieg ist nie offen geführt worden, weil die USA und ihre Verbündeten bisher immer vor einer Konfrontation zurückgeschreckt sind.

Die USA verfügt über große politische und militärische Macht, aber sie haben bis heute selten den Mut bewiesen, auch nur einen Bruchteil davon einzusetzen. Die Macht der Islamischen Republik ist hingegen "bescheiden", wie Barack Obama unlängst feststellte. Die Mullahs sind aber willens, ihre "bescheidenen" Mittel optimal einzusetzen. Die Frage ist deshalb nicht, wie sich ein Krieg mit Iran verhindern lässt, sondern wie man einen 30 Jahre währenden Krieg endlich wahrnimmt.

Wie alle Konflikte, lässt sich auch dieser auf drei Wegen beenden: mit einer Kapitulation, mit Verhandlungen oder mit einem militärischen Sieg.

Die Gespräche Teherans mit der 5+1-Gruppe mögen zu einer Zwischenlösung führen, einer Art Waffenstillstand, der die unausweichliche Entscheidung noch einmal verschiebt. Was nur die Hoffnung lässt, dass Iran im Laufe dieser Zeitspanne entweder sein Regime wechselt - oder wenigstens sein Verhalten.

Übersetzung: Olaf Kanter

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insgesamt 55 Beiträge
Fritz Katzfuß 17.04.2009
ist angebracht und verantwortbar, der Iran ist auch nicht schlimmer als Pakistan und Indien.
ist angebracht und verantwortbar, der Iran ist auch nicht schlimmer als Pakistan und Indien.
HollySausB 17.04.2009
a) Der grundsaetzliche Trend sollte eine weltweite Nuklearwaffenreduktion sein. b) Wie koennen Sie einem antidemokratischen, religionsdominierten, entwicklungsbeduerftigen Staat mit einem radikalen, holocaustleudenden [...]
Zitat von Fritz Katzfußist angebracht und verantwortbar, der Iran ist auch nicht schlimmer als Pakistan und Indien.
a) Der grundsaetzliche Trend sollte eine weltweite Nuklearwaffenreduktion sein. b) Wie koennen Sie einem antidemokratischen, religionsdominierten, entwicklungsbeduerftigen Staat mit einem radikalen, holocaustleudenden Staatsoberhaupt ueberhaupt Massenvernichtungswaffen zubilligen? c) Wenn der Iran Atomwaffen besitzten will, dann sollte Deutschland ebenfalls welche haben.
-Csk- 17.04.2009
In Deutschland lagern Atomwaffen, der Zugriff dadrauf sollte in Ernstfällen möglich sein.
Zitat von HollySausBc) Wenn der Iran Atomwaffen besitzten will, dann sollte Deutschland ebenfalls welche haben.
In Deutschland lagern Atomwaffen, der Zugriff dadrauf sollte in Ernstfällen möglich sein.
bittrich 17.04.2009
Ist mein Freund, denken sich die schlauen Perser insgeheim. Die USA haben ihnen den Erzfeind nebena vom Halse geschafft. Sie werden dafür sorgen, dass durch einen starken Iran diejenige Ordnung in die Region zurückkehrt, die mit [...]
Ist mein Freund, denken sich die schlauen Perser insgeheim. Die USA haben ihnen den Erzfeind nebena vom Halse geschafft. Sie werden dafür sorgen, dass durch einen starken Iran diejenige Ordnung in die Region zurückkehrt, die mit Saddam aufgeknüpft wurde. Die Amerikaner machen wohl erneut den immer wieder gleichen Fehler, sie setzen auf Schurken und wundern sich anschließend, dass sie hinterrücks angegriffen werden. Nur was will man von Schurken erwarten?
systemfeind 17.04.2009
sobald der Iran die Atombombe einsatzbereit meldet werden sich Zwergstaaten in der Region Naher Osten zurückhaltender geben . Ich begrüße diese Entwicklung , insbesonders die wahabistischen und korrupten Saudis werden sich mit [...]
Zitat von sysopDie USA wollen auf Teheran zugehen und Zugeständnisse machen beim Nuklearprogramm. Präsident Ahmadinedschad wird zwar schwören, keine Atomwaffen bauen zu wollen. Doch das Versprechen ist wenig wert, denn langfristig will Iran Großmacht werden - und dazu braucht es die Bombe. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,619241,00.html
sobald der Iran die Atombombe einsatzbereit meldet werden sich Zwergstaaten in der Region Naher Osten zurückhaltender geben . Ich begrüße diese Entwicklung , insbesonders die wahabistischen und korrupten Saudis werden sich mit der neuen Lage schnell anfreunden und ihre amerikanischen Freunde verabschieden ( China kann in der Sache sicherlich vermitteln ) . In der Folge werden sich neue und ganz spannende Allianzen herauskristallisieren ; erhebliche Mittel der us Steuerzahler können dann für friedliche Zwecke eingesetzt werden .
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