Islamabad - Pakistans Präsident wollte mit den Taliban Frieden schließen und sie besänftigen. Als Entgegenkommen hat er den militanten Islamisten die Kontrolle über das Swat-Tal überlassen. Doch jetzt versuchen die Taliban offenbar, ihren Einfluss weiter auszudehnen.
Der ehemalige Premierminister Nawaz Sharif sagte der amerikanischen Zeitung "USA Today", die Taliban drohten damit, weitere Gebiete außerhalb des Swat-Tals unter ihre Kontrolle zu bringen.
Nach Aussage von Istiqbal Khan, Parlamentsabgeordneter im Swat-Nachbardistrikt Buner, haben die Taliban damit jedoch bereits begonnen. Khan sagte am Mittwoch, bewaffnete Taliban hätten Kontrollposten in der Region errichtet. Es handele sich um eine "große Zahl" der militanten Islamisten. Buner liegt nur 100 Kilometer von der pakistanischen Hauptstadt Islamabad entfernt.
Ein Behördenvertreter aus der Region sagte, mehrere Regierungsbüros in Buner seien von Aufständischen verwüstet worden, die zudem Dienstwagen erbeutet hätten. Die Taliban hätten Musik in Fahrzeugen verboten und hätten die Bewohner der Region dazu aufgefordert, "gemeinsam mit ihnen die islamische Scharia einzuführen". Eine Miliz aus Stammesangehörigen hatte sich zunächst gegen den wachsenden Einfluss der Taliban in Buner gewehrt, den Widerstand angesichts der Übermacht der Aufständischen und der Untätigkeit der Regierungstruppen dann aber aufgegeben.
"Stammesälteste und geistliche Führer verhandeln mit ihnen, um die Sache durch Verhandlungen zu lösen", sagte der Beamte. Präsident Asif Ali Zardari hatte vergangene Woche ein Friedensabkommen mit den Taliban im Swat-Tal unterzeichnet, das diesen erlaubt, in dem einstigen Touristenparadies das islamische Recht einzuführen.
Die Taliban haben der dortigen Provinzregierung im Gegenzug einen Waffenstillstand angeboten.
Islamabad erhofft sich davon eine Beruhigung der Lage in der strategisch wichtigen Grenzregion zu Afghanistan. Doch das Gegenteil ist der Fall: Nach Zeugenaussagen gewinnen die Taliban im Nachbarbezirk schnell an Gelände. Swat und Buner gehören beide zum Verwaltungsgebiet Malakand, das acht Distrikte umfasst und für das das Abkommen zwischen der Regierung und den Taliban gilt. In Buner waren die Taliban bislang kaum aktiv.
beb/dpa/AP/AFP
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