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Wahl in Südafrika "Der Befreier kann schnell zum Henker werden"

2. Teil: "Wählt nicht Zuma, wählt Cope!"

Nombulelo ist eine von denen, die die Hoffnung auf einen Wechsel dennoch nicht aufgegeben haben. Sie steht vom frühen Morgen an mit einem Plakat "Vote Cope" vor der Wallaceden-Halle im ländlichen Kapstädter Vorort Kraaifontain. Auch hier sind die Armut und die Hoffnungslosigkeit sichtbar. Mini-Busse mit Zuma-Porträts fahren laut hupend durch die staubigen, mit Müll übersäten Straßen.

"Seit 1994 habe ich ANC gewählt", sagt Nombulelo. "Unseren Vater Mandela, aber auch Thabo Mbeki." Aber Zuma kann sie nicht vertrauen. "Er ist korrupt", sagt sie. Immer wieder redete sie auf die ein, die in langer Schlange vor dem Wahllokal warten: "Wählt nicht Zuma, wählt Cope!" Viel Erfolg hat sie nicht: Dieser Wahlbezirk ist eine ANC-Hochburg. "Lass uns in Ruhe mit deiner Propaganda", fährt sie ein alter Mann aus der Schlange vor dem Wahllokal wütend an, die auch am Mittag noch nicht kleiner geworden ist.

Vor der NG Kerk in Goodwood qualmt der Grill. Es gibt Boerewors, eine Art fetter Bratwurst. Auch hier kamen die ersten Wähler schon vor Öffnung der Wahllokale. "Alles läuft ruhig und friedlich", sagt die lokale Wahlleiterin. Dank der guten Organisation ist die Wartezeit kurz: Rund zehn Minuten dauert es, bis ein Wähler registriert ist, seinen Wahlzettel erhalten hat, auf dem rechten Daumen zur Verhinderung von Mehrfachabstimmungen einen unabwaschbaren schwarzen Strich bekommen hat und endlich seine beiden Stimmzettel einwerfen kann: Einen in die Urne für die landesweite Wahl, mit dem anderen stimmt er über die politische Zukunft des Westkaps ab.

Goodwood ist durch eine lange, verkehrsreiche Straße gleichsam geteilt: In dem einen Viertel wohnen überwiegend Weiße, in dem anderen Farbige. Hier macht sich offenbar auch eine der Splitterparteien Hoffnungen: Nirgends sonst sind so viele Plakate vom "Peace and Justice Congress" aufgehängt worden. Aufschrift "Stoppt die Kriminalität, führt die Todesstrafe wieder ein". Vor der Kirche steht ein Werbeplakat der afrikaans-sprachigen Zeitung "Die Burger". Schlagzeile: "Cope könnte eine Überraschung bringen."

"Wir haben die Hoffnung aufgegeben"

Doch Mark Gevisser, Mbeki-Biograph, Autor zahlreicher politischer Analysen und kritischer Beobachter der südafrikanischen Szene ist skeptisch, ob Cope wirklich eine Lösung ist: "Der Congress of the People hat sich interessierter daran gezeigt, das Erbe Mbekis zu verteidigen, als Südafrika politisch wirklich weiterzubringen." Aber auch an Zilles DA findet Gevisser keinen Gefallen: "Die Demokratische Allianz bleibt das schrille Bollwerk weißer und farbiger Minderheitsinteressen." Seiner alten Partei ANC mag der strenge Kritiker aber genauso wenig seine Stimme geben: "Als Anführer eines de facto Ein-Parteien-Staates erhebt er einen unzulässigen Besitzanspruch über Südafrikas Schicksal, und er hat einen Hang entwickelt, Staat und Partei miteinander zu vermischen." Fazit Gevissers, mit dem er vielen Südafrikanern aus der Seele spricht: "1994 hatte die Stimmabgabe etwas Befreiendes. In diesem Jahr ist sie eher eine belastende Verantwortung."

Die Entwurzelten von der Symphony Street in Delft empfinden ähnlich wie der Intellektuelle Gevisser. Für sie ist die Entscheidung allerdings einfacher: Aus Protest gegen alle Parteien haben sie beschlossen, nicht zur Wahl zu gehen. "Uns hilft sowieso niemand", sagt Kareemah Linneveldt. "Wir haben die Hoffnung aufgegeben." Sie und ihre Mitstreiter leben unter Plastikplanen oder selbst zusammengebauten Notbehausungen. Kurzzeitig hatten sie neue Einfachhäuser in ihrem Township besetzt. Aber dort sind sie wieder vertrieben worden, verjagt auf die Straßen von Delft.

Von einem Leben wie die Bürger von Sea Point können diese Menschen nicht einmal träumen - egal, wer nach diesem für Südafrika historischen Mittwoch regiert.

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