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23.04.2009
 

Wahlen in Südafrika

Umstrittener ANC-Chef Zuma liegt klar in Führung

Die Korruptionsvorwürfe konnten ihm nichts anhaben: Bei den Wahlen in Südafrika steuert der Vorsitzende des regierenden ANC, Jacob Zuma, auf eine Zwei-Drittel-Mehrheit zu. Nur in der wohlhabenden West-Kap-Region zeichnet sich eine Niederlage des ANC ab.

Johannesburg - Alle Zeichen deuten auf einen unangefochtenen Wahlsieg des Afrikanischen Nationalkongresses (ANC) hin. Südafrikas Regierungspartei liegt nach Auszählung von mehr als zwei Drittel der Wahllokale klar in Führung. Die Partei des umstrittenen Vorsitzenden Jacob Zuma erreicht derzeit 66,6 Prozent der Stimmen. Der ANC würde somit knapp seine Zweidrittelmehrheit behaupten können. Bei der Abstimmung im Jahr 2004 war der ANC auf einen Anteil von 69,9 Prozent gekommen.

Die Wahl Zumas zum neuen Präsidenten durch das Parlament gilt damit als sicher. Zuma sah sich zuletzt unter anderem Korruptionsvorwürfen ausgesetzt.

Der ANC profitierte bei vielen Wählern noch immer von seinem hohen Ansehen, das er im Kampf gegen die Apartheid - also der Rassentrennung in Südafrika - gewonnen hat. Dieser Bonus überwiegt auch den Frust der Bürger über die anhaltend hohe Armut, die Kriminalität und die Verbreitung von Aids.

Überraschend gut schnitt die Demokratische Allianz (DA) der deutschstämmigen Kapstädter Bürgermeisterin Helen Zille ab: Ihre Partei kam auf 16,4 Prozent der Stimmen. Zille hatte bisher vorrangig Zulauf aus der weißen Bevölkerung, konnte diesmal aber zunehmend auch Schwarze hinter sich bringen. Der vor einem halben Jahr von enttäuschten ANC-Abweichlern gegründete Volkskongress (Cope) kam nach dieser Auszählung dagegen nur auf acht Prozent der Stimmen. In Prognosen war erwartet worden, dass sich diese Neugründung mit zweistelligen Prozentzahlen als drittstärkste Kraft hinter der DA etablieren würde. Cope machte die angebliche Einschüchterung seiner Anhänger für das schwache Ergebnis in einigen Bezirken verantwortlich und vermutete politische Motive hinter dem Mord an einen Cope-Mitglied in Butterworth am Wahlabend.

Der ANC würde nach den bisherigen Teilergebnissen die reiche Westkap-Provinz an die liberal-konservative DA verlieren, die bisher mit zwölf Prozent landesweit stärkste Oppositionspartei war. Nach 60 Prozent der Auszählung aller Wahlbüros in der Westkap-Provinz kam sie dort auf eine Mehrheit von 52 Prozent. Starke Erfolge erzielte sie auch in der Gauteng-Provinz, dem Ballungszentrum um Johannesburg und Pretoria. Zille betonte, sie hätte bei der Wahl nur mit 15 Prozent gerechnet.

Die letzten der 19.000 Wahllokale hatten erst Donnerstagmorgen geschlossen. Die als richtungsweisend angesehene vierte demokratische Wahl Südafrikas war am Vortag von großem Wählerandrang in Afrikas bedeutendster Industrienation geprägt.

Phasenweise waren die Stimmzettel ausgegangen. Insgesamt waren 23 Millionen Wähler registriert. Die Teilergebnisse sind noch vorläufig und können sich ändern, wenn die großen Townships ausgezählt werden. Das offizielle Ergebnis wird frühestens am Freitagabend erwartet. Die hohe Beteiligung an der Wahl werteten Politiker aller Parteien als Beleg für das Funktionieren der jungen Demokratie am Kap.

Beb/dpa/Reuters

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