Washington - Die Besorgnis wächst: Der Vormarsch der radikal-islamischen Taliban in Pakistan beschäftigt nun auch die US-Regierung. "Die Nachrichten der vergangenen Tage waren sehr beunruhigend", sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Robert Gibbs. Präsident Barack Obama setze sich intensiv mit diesem Thema auseinander.
Wie die "Washington Post" am Freitag berichtete, hatte Verteidigungsminister Robert Gates zuvor eine scharfe Warnung an die Regierung in Islamabad gerichtet. Die Stabilität des Landes sei entscheidend für die Beziehungen der USA zu der Regierung in Pakistan, warnte der Minister laut der Zeitung bei einem Truppenbesuch am Donnerstag. "Einige" pakistanische Politiker hätten dies erkannt, es sei aber auch wichtig, angemessene Schritte zu unternehmen.
Außenministerin Hillary Clinton hatte der Führung in Islamabad in einer Kongressanhörung vorgeworfen, praktisch vor den Taliban zu kapitulieren. Sie sprach von einer "existentiellen Bedrohung".
Nun reagiert die Regierung der Nordwestprovinz: Inzwischen haben paramilitärische Truppen Stellung in mehreren Polizeirevieren in Buner bezogen. Die zunächst mehr als hundert Paramilitärs sollten dazu beitragen, Angriffe der Taliban zu verhindern, teilte ein Polizeioffizier des Buner-Distrikts am Freitag mit.
Ein pakistanischer Taliban-Kommandeur hat inzwischen bereits den Rückzug von rund 100 Kämpfern aus Buner angeordnet. Ob andere seinem Beispiel folgen und wie viele Taliban sich noch in dem Bezirk aufhalten, ist unklar.
Ungeachtet eines Friedensabkommens mit der pakistanischen Regierung waren islamistische Kämpfer aus dem Swat-Tal in den vergangenen Tagen in den Nachbardistrikt Buner eingedrungen und hatten dort teilweise die Kontrolle übernommen. Nach Polizeiangaben töteten mutmaßliche Taliban am Donnerstag einen Polizisten und verletzten einen weiteren. Buner liegt nur rund hundert Kilometer von der Hauptstadt Islamabad entfernt.
Der pakistanische Präsident Asif Ali Zardari hatte vergangene Woche einem Abkommen zugestimmt, das die Provinzregierung des Swat-Tals im Februar mit den dort agierenden Taliban-Rebellen ausgehandelt hatte. Es sieht vor, dass im Distrikt Malakand, der das Swat-Tal und Buner umfasst, das islamische Scharia-Recht eingeführt wird. Die pakistanische Regierung verbindet damit die Hoffnung, dass sich die angespannte Lage in der Grenzregion zu Afghanistan beruhigt. Die Taliban verpflichteten sich im Gegenzug zur Einstellung ihrer Kämpfe. Eine Entwaffnung lehnten sie jedoch ab.
ffr/dpa/AFP/Reuters
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