Berlin - Das Video, in dem "Abu Hamza, der Deutsche" auftritt, ist fast anderthalb Stunden lang. Doch der junge Mann, der im Kreise ebenfalls vermummter Kämpfer gezeigt wird, ist nur für ganze zehn Sekunden zu hören. "An die Europäische Union und alle ihre Verbündeten, die die Amerikaner unterstützen", richtet er seine Worte. "Die Mudschahidin sind unterwegs zu euch und wir werden euch alle vernichten. Und an erster Stelle natürlich Dänemark und Holland, die unseren Propheten beschimpfen."
Außer seinem Kampfnamen werden keinerlei Details über "Abu Hamza, den Deutschen" präsentiert. Deutsch scheint nicht seine Muttersprache zu sein, trotzdem spricht er es flüssig.
Der Film, in den die Drohungen gegen die EU eingebettet sind, stammt bereits vom 13. März 2009 - es ist ein längliches Propagandavideo aus der Medienabteilung al-Qaidas, "al-Sahab". Vom Stil her handelt es sich um einer Art dschihadistischen Dokumentarfilm. Er heißt "Wie eine Wiederholung des Gaza-Holocaust verhindert werden kann" und liegt SPIEGEL ONLINE vor.
Wie ein Moderator führt der aus den USA stammende Qaida-Kader Adam Gadahn auf englisch durch das Video. Er versucht, unter Zuhilfenahme von Ausschnitten aus Nachrichtensendungen, Videos von Osama Bin Laden, Aiman al-Sawahiri und anderen Qaida-Größen, Anschlagsvideos von verschiedenen Dschihad-Schauplätzen und sogar US-amerikanischen Buchveröffentlichungen die Sicht al-Qaidas auf das Weltgeschehen für einen nicht-arabischsprachigen Markt darzulegen.
Die Szene, in der "Abu Hamza, der Deutsche" gezeigt wird, ist nur eine unter mehreren, in denen Rekruten des militanten Dschihad kurze Statements abgeben dürfen.
Trotzdem ist die Szene von einer gewissen Brisanz. Denn "Abu Hamza" könnte bereits der zweite aus Deutschland stammende Gotteskrieger sein, der es bis in die Reihen al-Qaidas gebracht hat. Der erste bekannte Fall ist der aus Bonn stammende Bekkay Harrach, der bereits in mehreren al-Sahab-Produktionen präsentiert wurde. Allerdings war er jeweils der alleinige Hauptdarsteller - hatte also eine wesentlich herausgehobenere Stellung als "Abu Hamza" in diesem Video.
Gewiss ist derweil, dass weitere aus Deutschland stammende Radikalislamisten sich anderen militanten Gruppen in Pakistan oder Afghanistan angeschlossen haben, namentlich der "Islamischen Dschihad-Union (IJU)", die auch hinter den mutmaßlichen Anschlagsplanungen der so genannten "Sauerland-Gruppe" in Deutschland gestanden haben soll, und deren Ursprungsorganisation, der "Islamischen Bewegung Usbekistan". Seitdem steigt die Zahl der deutschsprachigen Terror-Videos rasant an.
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