Islamabad - Die pakistanischen Streitkräfte haben ihre Präsenz im Nordwesten des Landes verstärkt und eine neue Offensive gegen die Taliban gestartet. Das Friedensabkommen, mit dem im Swat-Tal die Scharia eingeführt wurde, steht damit wieder in Frage. Bei neuen Kämpfen kamen mindestens 30 Aufständische und ein Mitglied der Regierungstruppen ums Leben, wie das Militärkommando am Montag mitteilte.
Taliban (beim Rückzug aus dem Distrikt Buner): Friedenspakt am Ende?
Die Offensive galt den Angaben zufolge Taliban-Kämpfern im Bezirk Dir. Diese würden verdächtigt, einen Bürgermeister und mehrere Polizisten getötet zu haben, hieß es aus dem regionalen Informationsministerium.
Zur Zukunft des Friedensabkommens gab es widersprüchliche Stellungnahmen. Ein Sprecher des pakistanischen Präsidenten Asif Ali Zardari erklärte zwar, die Vereinbarungen hätten weiterhin volle Gültigkeit. Aus dem Innenministerium verlautete hingegen, die mangelnde Bereitschaft der Taliban zur Entwaffnung habe das Abkommen nichtig gemacht.
Auch ein Sprecher der Taliban sagte, die Abmachung sei nach den jüngsten Entwicklungen wertlos. "Der politischen Führung Pakistans geht es doch nur darum, den Amerikanern zu gefallen", sagte der Sprecher. Man warte nun auf eine Entscheidung der Taliban-Führung und eines Vermittlers, ob das Abkommen weiterbestehen solle oder nicht. Der oberste Regionalrat der Taliban und Taliban-nahen Gruppierungen im Swat-Tal habe die Aussetzung der Gespräche bis zum Ende der Offensive in dem Gebiet beschlossen, sagte der Sprecher.
Am Wochenende hatten sich die Aufständischen aus dem Bezirk Buner zurückgezogen. Eine vollständige Entwaffnung lehnten die Taliban jedoch ab. Sie waren bis auf hundert Kilometer an die Hauptstadt Islamabad herangerückt, was internationale Besorgnis ausgelöst hatte.
Um das Atomwaffenarsenal macht sich zumindest Präsident Zardari keine Sorgen. "Ich will auch dem Rest der Welt versichern, dass Pakistans Atomwaffen sicher sind", sagte er. Dass die Sprengköpfe in die Hände der Taliban fallen könnten, hält er für ausgeschlossen.
Taliban überrennen Distrikt in Nordafghanistan
Auch in Afghanistan sind die Taliban auf dem Vormarsch: Sie haben am Montag zum ersten Mal erstmals einen ganzen Distrikt vorübergehend in ihre Gewalt gebracht. Nach offiziellen Angaben wurde bei dem Angriff im Norden des Landes ein Polizist getötet, neun weitere wurden verschleppt.
Der Polizeisprecher der Provinz Baghlan, Jawed Bascharat, sagte, Dutzende mit Maschinengewehren und Panzerfäusten bewaffnete Aufständische hätten das Verwaltungszentrum des Distrikts Borka gestürmt. Sie hätten Regierungsgebäude, die Polizeistation sowie einen Polizeiwagen in Brand gesteckt und sich dann zurückgezogen. Polizisten suchten nach den Angreifern und den Verschleppten.
ffr/AP/AFP/Reuters/dpa
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