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29.04.2009
 

Treffen mit Karzai

Steinmeier stattet Afghanistan Blitzbesuch ab

Von Matthias Gebauer

Überraschende Reise nach Afghanistan: Außenminister Frank-Walter Steinmeier ist in Kabul, um den afghanischen Präsidenten Karzai zu treffen. Dabei wird er wohl auch das umstrittene neue Ehegesetz zur Sprache bringen.

Berlin - Es ist bereits die vierte Afghanistan-Reise von Außenminister Frank-Walter Steinmeier - und sie kommt zu einer Zeit, in der die Sicherheitslage in Afghanistan angespannt ist wie nie. Auch deshalb wurde der Besuch und das Programm weitgehend geheim gehalten. Im Tross des Außenministers ist der Sonderbeauftragte für die Region, der deutsche Top-Diplomat Bernd Mützelburg. Er war in den vergangenen Wochen immer wieder in Afghanistan und Pakistan, daneben traf er sich immer wieder mit Sonderbeauftragten anderer Partnerländer, die sich in Afghanistan engagieren.

Auf dem Programm stehen in Kabul vor allem politische Gespräche mit der afghanischen Führung, allen voran mit dem immer angeschlagener wirkenden Präsidenten Hamid Karzai, der im Herbst bei den zweiten Wahlen in Afghanistan nach dem Sturz der Taliban um sein Amt fürchten muss. Karzai war in den vergangenen Wochen vor allem durch die USA kritisiert worden, da seine Regierung nicht intensiv genug gegen Korruption in den eigenen Reihen vorgeht und im Land außerhalb von Kabul faktisch die Kontrolle verloren hat.

Kritische Nachfragen von Steinmeier wird sich Karzai auch zu einem neuen Ehegesetz für schiitische Frauen in Afghanistan anhören müssen. Das Gesetz, das die Rechte von Frauen massiv einschränkt und ihren Ehemänner weitgehende Kontrolle über sie einräumt, wurde vor allem auf dem Nato-Gipfel im April dieses Jahres massiv kritisiert. Außer Ankündigungen des Präsidenten, das Gesetz noch einmal überprüfen zu wollen, ist seitdem jedoch nichts passiert. Erst diese Woche hatte Karzai erneut Änderungen des Gesetzes angekündigt - jedoch nur abstrakt.

Taliban-Kämpfer rücken vor

Deutschland will bei seiner von Beginn an sehr kritischen Haltung zu dem Gesetz bleiben und es auch nicht erlauben, dass Karzai die Causa aussitzt. Das radikale Gesetz wird von Beobachtern als Versuch des Präsidenten bewertet, fundamentalistische Strömungen im Land für sich als Wähler zu gewinnen. Führende Mullahs, vor allem der einflussreichste schiitische Geistliche in Kabul, lehnten in den vergangenen Wochen jegliche Änderungen des Gesetzes ab. Karzai steckt also wieder einmal in der Klemme.

Die Sicherheitslage im Land ist mehr als bedrohlich. Faktisch kämpfen US-Truppen mit den Afghanen momentan in der Provinz Wardak, keine Autostunde von Karzais Amtssitz entfernt, einen blutigen Kampf, um das Vorrücken von Taliban-Truppen in Richtung Hauptstadt zu bremsen. Erst diese Woche musste eine Gedenkfeier am Jahrestag der Befreiung Afghanistans aus Furcht vor Anschlägen abgesagt werden. Vergangenes Jahr war Karzai bei der Gedenkfeier fast von Attentätern getötet worden.

Die USA stocken derzeit ihre Truppen im Land massiv auf, bis zum Sommer rücken bis zu 20.000 Soldaten zusätzlich ein. Außerdem hat der Westen seine Hilfen für den schleppenden Aufbau der afghanischen Sicherheitskräfte in den vergangenen Monaten massiv ausgebaut, auch Deutschland hat zusätzliche Hilfen in zweistelliger Millionenhöhe versprochen. Das Ziel bleibt, den Afghanen irgendwann die Sicherheitsverantwortung für das Land am Hindukusch zu übergeben, doch es erscheint weiter entfernt denn je.

Die Durchführung der Wahlen ist durch die erodierende Sicherheitslage massiv gefährdet. Schon jetzt ist fraglich, ob der Urnengang in weiten Teilen des Landes überhaupt organisiert werden kann. Vor allem im Süden drohen die Taliban jedem Teilnehmer der Wahl mit dem Tod. Allein die Vorbereitungen sind für alle Beteiligten lebensgefährlich. Bei der Wahl muss Karzai gegen prominente Gegenkandidaten antreten. Ob es ihm gelingt, die Mehrheit des Volkes hinter sich zu bringen, wird immer fraglicher.

Erst vor drei Wochen war Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Afghanistan. Merkel besuchte die deutschen Truppen im Norden des Landes. Auf Gespräche mit der Regierung in Kabul verzichtete sie. Derzeit sind in Afghanistan etwa 3800 deutsche Soldaten stationiert. Die Zahl soll in den nächsten Monaten auf etwa 4400 erhöht werden.

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