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30.04.2009
 

Angriff auf Bundeswehr-Patrouille

Deutscher Soldat in Afghanistan getötet

Von Markus Feldenkirchen, Matthias Gebauer und Shoib Najafizada

Neuer Angriff auf die Bundeswehr in Afghanistan: In der Nähe von Kunduz ist bei einer Attacke auf eine Patrouille ein deutscher Soldat getötet worden. Vier Soldaten wurden verletzt. Es ist bereits der zweite Anschlag während des Besuchs von Außenminister Steinmeier am Hindukusch.

Der Überraschungsbesuch von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) in Afghanistan ist am Mittwoch von zwei schweren Anschlägen auf die Bundeswehr überschattet worden. Dabei kam ein Soldat ums Leben, insgesamt neun wurden verletzt.

Eine Patrouille geriet am Abend in der Nähe des deutschen Feldlagers Kunduz in einen Hinterhalt, wie das Verteidigungsministerium am Mittwochabend in Berlin mitteilte. Die Soldaten wurden demnach bei dem Angriff gegen 19 Uhr Ortszeit mit Handfeuerwaffen und Granaten angegriffen. "Nach derzeit vorliegenden Informationen ist bei diesem Feuergefecht ein deutscher Soldat gefallen, vier weitere deutsche Soldaten wurden leicht verletzt", hieß es in einer Erklärung des Ministeriums. Wegen der einbrechenden Dunkelheit waren weitere Ermittlungen schwierig. Nähere Details lagen zunächst nicht vor.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier verurteilte den Anschlag. "Die Ereignisse erfüllen mich mit Trauer", sagte er nach Informationen von SPIEGEL ONLINE. "Wir verurteilen diesen Anschlag auf das Schärfste. Es ist ein feiger, heimtückischer Anschlag, der zeigt, dass die Feinde Afghanistans auch vor so einer gemeinen Aktion nicht zurückschrecken. Für mich gilt: Auch solche Anschläge dürfen uns nicht davon abhalten, diesem geschundenen Volk zur Seite zu stehen."

Die Taliban bekannten sich am späten Mittwochabend zu dem tödlichen Anschlag. Per Satellitentelefon sagte ein Taliban-Sprecher zu SPIEGEL ONLINE, Kämpfer der Islamisten hätten am Abend einen "Konvoi der Feinde" nordwestlich von Kunduz angegriffen. Dabei hätten die Kämpfer die Fahrzeuge mit Maschinengewehren beschossen und Raketen auf die Soldaten geschossen.

Am Mittwoch war Steinmeier überraschend nach Afghanistan gereist. Bereits kurz nach seiner Ankunft gab es einen ersten Anschlag auf die Bundeswehr, bei dem fünf Soldaten leicht verletzt wurden.

Die Taliban unterrichteten SPIEGEL ONLINE nur eine halbe Stunde nach der Tat telefonisch von dem Angriff. Wie bereits bei früheren Angriffen brüsteten sie sich mit der Attacke und übertrieben den Schaden, den sie angerichtet hatten.

Bemerkenswert an dem Anschlag und der Propagandaaktion war aber das Timing der Taliban. So teilte der Sprecher mit, der Anschlag stehe im direkten Zusammenhang mit Steinmeiers Besuch. "Wir wussten von der Visite", so der Sprecher, "und der Anschlag ist ein Zeichen für den deutschen Außenminister."

Das Verteidigungsministerium erklärte dagegen, es gebe keine Erkenntnisse, dass ein Zusammenhang zwischen dem Anschlag und dem Besuch Steinmeiers bestehe. Diese Position vertritt auch der Außenminister.

Steinmeier setzte trotz der beiden Anschläge seinen Besuch am Donnerstag fort. Er verstehe dies als Signal, vor der Gewalt nicht zu kapitulieren, sagte er.

In Masar-i-Scharif wollte der Außenminister einen renovierten Flugplatz eröffnen. Dort sagte Steinmeier in einer Ansprache vor deutschen Soldaten in einem Hangar: "Ich bin zu ihnen gekommen, um Ihnen meinen Respekt zu erweisen. Mein Mitgefühl gilt den Angehörigen und Ihnen, den Kameraden des Verstorben." Wenn man über den Aufbau in Afghanistan spreche, dürfe man "nie vergessen, dass viele dafür Gefahren für Leib und Leben auf sich nehmen. Die Anschlägwe haben gewzeigt: Die Täter schrecken aiuch vor kaltblütigem Mord nicht zurück."

"Nie wieder" dürfe Afghanistan zu einem "Hort für weltweit operierenden Terrorismus werden", sagte Steinmeier. "Deshalb müssen wir bei aller Trauer auch nach vorne sehen. Der Auftrag bleibt. Wir stehen nicht alleine, auch nicht mit diesem Verlust. Auch nicht an diesem Tag der Trauer.

Deutschland hat die Wiederherstellung des Airports mitfinanziert. Dies ist nach Ansicht Steinmeiers ein "Leuchtturmprojekt" für die Entwicklung der Infrastruktur in Afghanistan. Das Auswärtige Amt und der Abu Dhabi Entwicklungsfonds investieren zusammen 35 Millionen Euro in den Bau eines neuen Kontrollturms und neuer Hangars.

Der Außenminister wollte mit seinem zweitägigen Besuch eigentlich das Signal geben, dass es aufwärts gehe mit Afghanistan. Am Mittwochnachmittag besuchte er den Babur-Garten im Zentrum der Hauptstadt Kabul, eines der wichtigsten Naherholungsziele der Bevölkerung, dessen Wiederherstellung Deutschland mitfinanziert hat.

Danach besuchte er die Deutsche Botschaft in Kabul, die am 17. Januar dieses Jahres von einer 100 Kilogramm schweren Sprengstoffbombe stark beschädigt wurde. Den Mitarbeitern der Botschaft dankte er bei einem Empfang auf der Terrasse der Residenz dafür, "dass sie mutig ausgehalten haben". Man dürfe sich von den hinterhältigen Anschlägen nicht entmutigen lassen. "Nach vier Jahren der intensiven Beschäftigung mit diesem Land spüre ich neben allen Rückschlägen auch die Verbesserungen", sagte Steinmeier.

Zuvor hatte Steinmeier bereits Afghanistans Präsident Hamid Karzai getroffen. Dieser rief den Außenminister nach dem zweiten Anschlag an und sprach Deutschland sein Mitgefühl aus.

Die zuvor nicht öffentlich angekündigte Reise ist der vierte Besuch des Außenministers in Afghanistan. Zuletzt war er im Juli vergangenen Jahres an den Hindukusch gereist.

Nach Angaben des Ministeriums sind seit Beginn des Bundeswehreinsatzes am Hindukusch 32 deutsche Soldaten ums Leben gekommen. In Afghanistan sind mehr als 3800 deutsche Soldaten stationiert.

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Mit Material von dpa und AP

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