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30.04.2009
 

Pakistan

Viele Tote bei Unruhen in Karatschi

Opfer wurden auf der Straße aus nächster Nähe erschossen, Menschen brachen in Panik aus, Autos wurden angezündet: Bei Randale in der pakistanischen Hafenstadt Karatschi gab es mindestens 20 Tote. Die Regierung macht kriminelle Banden verantwortlich. Sie versuchten, ethnische Spannungen zu schüren.

Islamabad - Panik in Karatschi: Bei Unruhen in der Hafenstadt im Süden des Landes sind am Mittwoch bis zu 25 Menschen ums Leben gekommen. Wie der pakistanische Internet-Dienst "Dawn" in der Nacht zum Donnerstag unter Berufung auf Krankenhausangaben berichtete, wurden mehr als 40 Menschen bei den Auseinandersetzungen verletzt.

Brennende Fahrzeuge in Karatschi: Unruhen in der Finanzmetropole
AP

Brennende Fahrzeuge in Karatschi: Unruhen in der Finanzmetropole

In mehreren Stadtteilen hätten Bewaffnete ihre Opfer auf der Straße aus nächster Nähe niedergeschossen. Über 20 Autos seien angezündet worden. Ein Polizeisprecher bestätigte "Dawn", dass 20 Menschen im ganzen Stadtgebiet getötet worden seien, "darunter 16 Paschtunen und drei Urdu sprechende Bewohner". Die Unruhen seien bereits am Morgen ausgebrochen, nachdem Unbekannte eine Hüttensiedlung im Norden der 13-Millionen-Metropole beschossen hätten. Als Sicherheitskräfte eintrafen, seien auch sie beschossen worden. Dabei habe es mehrere Verletzte gegeben. Anschließend hätten sich die Unruhen auf andere Teile der Finanzmetropole ausgeweitet.

Der Jugendminister der südpakistanischen Provinz Sindh, Faisal Subzwari, vermutete kriminelle Banden hinter den "gezielten Tötungen". Diese versuchten, ethnische Gewalt in Karatschi zu schüren, sagte er der Nachrichtenagentur AFP.

In jüngster Zeit kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen der Urdu sprechenden Bewegung MQM, einem Koalitionspartner der Volkspartei von Präsident Asif Ali Zardari, und Paschtunen aus der Grenzprovinz zu Afghanistan, die sich auf der Suche nach Arbeit in Karatschi niedergelassen haben. Laut MQM-Mitglied Subzwari gehörten die Opfer seiner Bewegung an. Ein Sprecher des Präsidenten sagte, Zardari werde die Auseinandersetzungen nicht dulden. Das Land könne sich keine Gewalt in Karatschi leisten, während es gegen den Vormarsch der Taliban-Rebellen im Norden kämpfen müsse.

Bei ähnlichen Auseinandersetzungen waren bereits im Dezember 24 Menschen getötet und mehr als 200 verletzt worden. Für die Gewalt verantwortlich gemacht wurden damals Aktivisten der MQM und der nationalistischen paschtunischen Awami National Party (ANP). Die Führer beider Parteien wiesen die Vorwürfe damals vehement zurück.

Die US-Regierung will weitere 400 Millionen Dollar (301 Millionen Euro) für den Anti-Terror-Kampf in Pakistan zur Verfügung stellen. Das Verteidigungsministerium richtete am Mittwoch ein entsprechendes Gesuch an den Streitkräfte-Ausschuss des Repräsentantenhauses. Es handelt sich dabei um die erste Tranche von rund drei Milliarden Dollar, die die USA der Regierung in Islamabad über die kommenden fünf Jahre hinweg zur Verfügung stellen wollen.

Begründet wurde das Vorhaben mit der kritischen Lage im pakistanischen Grenzgebiet zu Afghanistan. Man müsse die pakistanische Regierung dabei unterstützen, den dortigen Vormarsch der Taliban aufzuhalten, hieß es. Laut einem Bericht des Außenministeriums, der am Donnerstag in Washington veröffentlicht werden sollte, hat sich die Zahl der Terroranschläge in Pakistan zwischen 2006 und 2008 vervierfacht. Auch in Afghanistan hätten die Anschläge deutlich zugenommen.

als/Reuters/AFP/dpa

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