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Guantanamo-Häftlinge Militärtribunal-Pläne vergrätzen Obama-Fans

2. Teil: Obamas Deal mit dem Teufel

Dank dieser düsteren, aber nicht mehr rückgängig zu machenden Vorgeschichte müssen Obamas Juristen nun einen schwierigen Spagat bewerkstelligen: Sie sollen den Angeklagten größeren Rechtsschutz als bisher gewähren - aber keinen so großen Schutz, wie sie ihn vor einem zivilen Gericht bekämen. Nach Informationen der "New York Times" sucht Obama einen Mittelweg - für viele seiner Anhänger ein Deal mit dem Teufel.

Obamas Haltung habe sich geändert, nachdem sein Team etliche Guantanamo-Fälle näher geprüft hätten, berichtete die "Times". Dabei habe sich gezeigt, dass Tribunale oft wirklich die bessere Alternative seien - vor allem was jene fünf Häftlinge angehe, die im direkten Zusammenhang mit den 9/11-Anschlägen beschuldigt würden. "Je länger sie sich das anschauten", zitierte die "Times" einen Insider, "desto weniger sahen die Kommissionen so schlecht aus wie noch am 20. Januar".

Und so sei die zuständige, hochkarätige Task Force bei ihren Beratungen jetzt in eine "Sackgasse" geraten - unter ihnen sind Justizminister Eric Holder, Verteidigungsminister Robert Gates, Heimatschutzministerin Janet Napolitano und CIA-Chef Leon Panetta. Die Veröffentlichung der CIA-Foltermemos hätten das Risiko verdeutlicht, dass solche Verfahren wegen unzulässiger Beweise gut von einem Richter abgelehnt werden könnten.

Sowohl Gates wie auch Holder deuteten das schon vergangene Woche öffentlich an. Bei einer Anhörung vor dem Haushaltsausschuss des Senats sagte Gates auf die Frage, ob die Regierung das Tribunalsystem abschaffen wolle: "Keinesfalls. Die Kommissionen sind weiterhin eine Option." Er schlug Gesetzesänderungen vor für den Fall, "dass die Militärkommissionen beibehalten" würden.

Künftige Tribunale "würden anders aussehen als die gegenwärtigen", versicherte auch Holder. Es müsste "bedeutende Änderungen" geben. "Wir werden für diese Gruppe von Leuten individuelle Entscheidungen treffen, wer vor Gericht gestellt wird und wo", sagte er über die härtesten Fälle. "Es könnte schwierig sein, einige dieser 'high value detainees' vor ein normales Bundesgericht zu stellen."

"Nicht hier, nicht in meinem Staat"

Menschenrechtsaktivisten äußerten sofort schwere Kritik. "Ein fatal fehlerhaftes System wiederzubeleben, das speziell dazu entworfen wurde, Rechtsstaatsprinzipien zu umgehen, wäre ein schwerer Irrtum und ein großer Schritt zurück", erklärte Jameel Jaffer, ein Anwalt der Bürgerrechtsorganisation American Civil Liberties Union. Ihr Exekutivdirektor Anthony Romero warf Obama in der "New York Times" vor, ein Wahlversprechen zu brechen.

Die Republikaner dagegen sehen sich bestätigt. "Guantanamo zu schließen, ist keine gute Option, wenn keine sichere Alternative besteht", bekräftigte Mitch McConnell, der Oppositionsführer im Senat. Präsident Obama lerne jetzt, dass er im Wahlkampf "falsch lag", triumphierte der frühere Präsidentschaftskandidat Mitt Romney im konservativen TV-Kabelsender Fox News.

Eine weitere Frage: Wohin sollen jene Insassen geschickt werden, die zur Freilassung oder Auslieferung in andere Staaten bestimmt sind? Gates traf im Kongress auf den geschlossenen Widerstand der Senatoren. Keiner will einen Guantanamo-Häftling in seinem Bundesstaat sehen. "Bevor dies vorbei ist, erwarte ich 535 Gesetze mit dem Tenor: nicht in meinem Bezirk, nicht in meinem Staat", seufzte Gates.

Die USA baten unterdessen offiziell auch Deutschland, Guantanamo-Häftlinge aufzunehmen. Einen entsprechenden Bericht des SPIEGEL bestätigte das Bundesinnenministerium in Berlin. Nach SPIEGEL-Informationen soll es sich dabei um knapp 10 von rund 50 Insassen handeln, die im Falle einer Schließung des Lagers nicht in ihre Heimatländer zurück könnten und in den USA als ungefährlich gelten.

Hintergründe zu Guantanamo
Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 rief US-Präsident George W. Bush den Krieg gegen den Terror aus. Für Terrorverdächtige richtete seine Regierung auf dem US-Marinestützpunkt Guantanamo Bay im Süden Kubas ein Gefangenenlager ein. Seit Anfang 2002 werden dort vor allem mutmaßliche Taliban- und Qaida -Mitglieder festgehalten, denen die Rechte als Kriegsgefangene verwehrt blieben. Durch Berichte über Misshandlungen, Erniedrigungen und Folter von Häftlingen wurde Guantanamo zum Synonym für die willkürliche und unmenschliche Behandlung von Gefangenen.

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insgesamt 843 Beiträge
capu65 04.05.2009
Ablehnend! Sind es wirkliche Terroristen oder nur nach Ansicht der Bushkrieger? Wie soll die deutsche Justiz das beurteilen? Es dürfte schwer sein, die einzelnen Fälle zu beurteilen. Die eventuellen Beweise sind mittlerweile [...]
Zitat von sysopDie Bitte der US-Regierung an Deutschland, Häftlinge aus Guantanamo aufzunehmen, spaltet die Große Koalition. Wie soll mit der Bitte umgegangen werden?
Ablehnend! Sind es wirkliche Terroristen oder nur nach Ansicht der Bushkrieger? Wie soll die deutsche Justiz das beurteilen? Es dürfte schwer sein, die einzelnen Fälle zu beurteilen. Die eventuellen Beweise sind mittlerweile einige Jahre alt.
Orix 04.05.2009
Mich würde interessieren, wenn die ehemaligen Häftlinge unschuldig eingesperrt worden sind, welche Entschädigung bekommen sie. Es sollen Uriguren sein, denen hat man doch die Wurzeln gekappt und würde sie in eine vollkommene [...]
Zitat von sysopDie Bitte der US-Regierung an Deutschland, Häftlinge aus Guantanamo aufzunehmen, spaltet die Große Koalition. Wie soll mit der Bitte umgegangen werden?
Mich würde interessieren, wenn die ehemaligen Häftlinge unschuldig eingesperrt worden sind, welche Entschädigung bekommen sie. Es sollen Uriguren sein, denen hat man doch die Wurzeln gekappt und würde sie in eine vollkommene andere Welt aussetzen, wäre das nicht auch wieder eine Strafe für den Rest ihres Lebens. Wie sollen die hier Fuss fassen, können die ihre Familien nach holen und wenn wie viele Mitglieder der Familie? Bekommen sie dann Sprachunterricht und eine Ausbildung damit sie sich hier eine Existenz auf bauen können ? Ich verstehe nicht, wenn die USA den Mist eingerührt hat weshalb sie dann nicht dafür gerade stehen soll.
fx33 04.05.2009
Sie meinen, der deutsche Staat dürfe ohne Beweise einfach vorverurteilen? Darf er nicht. Die entlassenen Guantanamohäftlinge haben als unschuldig zu gelten. Eine andere Frage ist, ob Deutschland juristisch verpflichtet ist, [...]
Zitat von capu65Ablehnend! Sind es wirkliche Terroristen oder nur nach Ansicht der Bushkrieger? Wie soll die deutsche Justiz das beurteilen? Es dürfte schwer sein, die einzelnen Fälle zu beurteilen. Die eventuellen Beweise sind mittlerweile einige Jahre alt.
Sie meinen, der deutsche Staat dürfe ohne Beweise einfach vorverurteilen? Darf er nicht. Die entlassenen Guantanamohäftlinge haben als unschuldig zu gelten. Eine andere Frage ist, ob Deutschland juristisch verpflichtet ist, oder ob es sich um ein moralisches Thema handelt. Ich denke, daß Deutschland durchaus einige der Häftlinge aufnehmen kann, insbesondere solche, die durch die illegale Inhaftierung durch die USA in eine Lage versetzt wurden, die die Rückkehr in die Heimat unmöglich macht (eben weil dort von Staats wegen vorverurteilt wird).
Chromlatte 04.05.2009
Bei aller Ablehnung von Guantanamo, wieso sollte IRGENDWER diese Menschen aufnehmen sollen ausser den USA. Die Amerikaner haben sie entführt und unrechtmäßig festgehalten, dann können sie sie jetzt auch angemessen entschädigen [...]
Bei aller Ablehnung von Guantanamo, wieso sollte IRGENDWER diese Menschen aufnehmen sollen ausser den USA. Die Amerikaner haben sie entführt und unrechtmäßig festgehalten, dann können sie sie jetzt auch angemessen entschädigen sowie ihnen Bleiberecht in ihrem Land verschaffen.
Mittelfeldmotor 04.05.2009
Natürlich sollten wir keine Häftlinge aufnehmen. Die Amis -speziell die neue Obama-Regierung- sollte jetzt erstmal anfangen herauszufiltern, wer wirklich ein "echter" Terrorist ist oder nur wegen seiner [...]
Zitat von sysopDie Bitte der US-Regierung an Deutschland, Häftlinge aus Guantanamo aufzunehmen, spaltet die Große Koalition. Wie soll mit der Bitte umgegangen werden?
Natürlich sollten wir keine Häftlinge aufnehmen. Die Amis -speziell die neue Obama-Regierung- sollte jetzt erstmal anfangen herauszufiltern, wer wirklich ein "echter" Terrorist ist oder nur wegen seiner Haut-u.Haarfarbe oder Nationalität oder was auch immer nach Guantanamo gebracht wurde. Ich gehe mal davon aus, wenn all das geschehen ist, wird sich die berühmte Spreu vom Weizen trennen und in Ami-Land ist dann genügend Platz in Knästen, in die man diese "echten" Terroristen dann sperren kann. Was hat die Bundesrepublik Deutschland auch mit solchen Dingen zu tun? Wir haben uns offiziell(!) nie(?) am Irak-Krieg beteiligt, sondern haben den Amis "nur" unsere "uneingeschränkte Solidarität" bekundet. Nicht mehr, aber auch nicht weniger!
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