Sonntag, 22. November 2009

Politik



  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
  • Merken
11.05.2009
 

Israel-Besuch

Papst ruft zum Kampf gegen Antisemitismus auf

Die Visite ist heikel, jede Geste wird genau beobachtet: Zu Beginn seines Besuchs in Israel hat Benedikt XVI. den Antisemitismus in klaren Worten als "inakzeptabel" und "abscheuerregend" verurteilt. Die wichtigste Station seiner Reise führt den Papst in die zentrale Holocaust-Gedenkstätte.

Jerusalem - Am Cockpit flatterten die Flaggen von Israel und dem Vatikan: Um kurz nach zehn am Montagmorgen ist Papst Benedikt XVI. in einer "Royal Jordanian"-Maschine auf dem Flughafen von Tel Aviv gelandet. Der Papst war ganz in weiß gekleidet und trug ein großes goldenes Kreuz auf der Brust. Fanfaren spielten als der israelische Präsident Schimon Peres und Ministerpräsident Benjamin Netanjahu Benedikt mit einem "Willkommen im Heiligen Land" und militärischen Ehren empfingen. "Ich sehe Ihren Besuch im Heiligen Land als eine wichtige spirituelle Reise in höchstem Auftrag: Eine Reise im Dienst des Friedens", sagte Peres. Diese solle dazu dienen, die Saat der Toleranz zu streuen und den Fanatismus samt seiner Wurzeln auszureißen. Peres erinnerte daran, dass Israel Frieden mit seinen arabischen Nachbarn Ägypten und Jordanien geschlossen habe und sich um eine umfassende regionale Friedenslösung bemühe.

Seinen fünftägigen Besuch in Israel und den palästinensischen Gebieten begann der Papst mit einer Rede noch auf dem Flughafen. Gleich bei seiner Ankunft erinnerte er an die sechs Millionen Opfer des Holocaust und erteilte dem Antisemitismus eine Absage. Tragischerweise habe das jüdische Volk die entsetzlichen Folgen von Ideologien erlebt, die die elementare Würde jedes Menschen leugnen, sagte der Papst am Vormittag. Es sei richtig und angebracht, dass er während seines Aufenthalts in Israel die Gelegenheit haben werde, das Gedenken an die sechs Millionen jüdischen Opfer der Shoah zu ehren und zu beten, dass die Menschheit nie wieder Zeuge eines Verbrechens solchen Ausmaßes werde.

Der Papst beklagte, dass es in vielen Teilen der Welt weiter Antisemitismus gebe. "Traurigerweise erhebt der Antisemitismus in weiten Teilen der Welt weiterhin sein hässliches Haupt. Das ist absolut inakzeptabel", betonte Benedikt XVI. Es müsse jede Anstrengung unternommen werden, den Antisemitismus zu bekämpfen und den Respekt und die Achtung für die Angehörigen jedes Volkes und jeder Nation zu fördern.

Benedikt sagte, er komme besonders, um für den Frieden zu beten - Frieden im Heiligen Land und überall in der Welt. Staatspräsident Peres würdigte die Reise des Papstes als "Mission des Friedens". Er zeigte sich überzeugt, dass dadurch der Dialog von Judentum und Christenheit gefördert werde.

Anschließend flog Benedikt mit einem Hubschrauber der israelischen Luftwaffe nach Jerusalem. Ein für Israel bislang einmaliges Aufgebot von 80.000 Polizisten und Sicherheitskräften soll den Papst in den kommenden fünf Tagen schützen. Zuletzt hatte Benedikts Vorgänger Johannes Paul II. Israel im März 2000 besucht.

Am Nachmittag steht in Jerusalem der Besuch von Jad Vaschem auf dem Programm, der zentralen Gedenkstätte für die im "Dritten Reich" ermordeten Juden. Dieser Besuch zählt zu den heiklen Höhepunkten seiner einwöchigen Reise ins Heilige Land. Im historischen Museum der Gedenkstätte, die Benedikt nicht besuchen wird, wird sein Vorgänger Pius XII. (Papst von 1939 bis 1958) als Oberhirte dargestellt, der nicht genügend gegen die Judenverfolgung getan habe. Anfang des Jahres hatte es zudem Spannungen zwischen dem Vatikan und den Juden gegeben, weil Benedikt die Exkommunikation des Pius-Bruders und Holocaust-Leugners Richard Williamson aufgehoben hatte. Die israelischen Medien sprechen von einem historischen Versöhnungsbesuch des Papstes.

In den Folgetagen besucht der Papst in Jerusalem den Felsendom und die Klagemauer und reist ins Westjordanland nach Betlehem, wo er neben der Geburtskirche auch ein palästinensisches Flüchtlingslager besuchen will. Am Donnerstag ist er in Nazaret, der biblischen Heimatstadt Jesu, bevor er am Freitag nach Rom zurückkehrt.

Der Papst reiste aus Jordanien nach Israel. Dort hatte er auf die Gemeinsamkeiten von Juden, Muslimen und Christen hingewiesen. Der jordanische König Abdullah II. hatte während einer Abschiedszeremonie auf dem internationalen Flughafen von Amman eine Zwei-Staaten-Lösung zwischen Israel und den Palästinensern angemahnt. Die Palästinenser hätten ein Recht auf Freiheit und auf einen eigenen Staat, so wie Israel das Recht auf Frieden und Sicherheit habe.

ler/AP/ddp/dpa

Social Networks

  • Twitter
  • Facebook
  • MySpace
  • deli.cio.us
  • Digg
  • Folkd
  • Google Bookmarks
  • Linkarena
  • Mister Wong
  • Newsvine
  • reddit
  • StumbleUpon
  • Windows Live
  • Yahoo! Bookmarks
  • Yigg

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




FORUM

Hat der Papst die Kraft zum Ausgleich? Diskutieren Sie mit anderen Lesern!








Service von SPIEGEL-ONLINE-Partnern