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16.05.2009
 

Moskau vor dem Grand Prix

Polizei löst Schwulen-Demo gewaltsam auf

Es dauerte nur eine Minute, bis die Polizei einschritt: Sicherheitskräfte haben in Moskau eine nicht genehmigte Demonstration von Homosexuellen gewaltsam beendet. Rund 30 Teilnehmer wurden festgenommen.

Moskau - Russische Bereitschaftspolizei hat am Samstag eine Schwulen-Demonstration aufgelöst. Die Kundgebung wenige Stunden vor dem Finale des Eurovision Song Contests war von den städtischen Behörden nicht genehmigt worden. Polizisten zerrten die rund 30 teilnehmenden Aktivisten in bereitstehende Fahrzeuge.

Handfester Einsatz: Polizist bei der Schwulen-Demo in Moskau
DPA

Handfester Einsatz: Polizist bei der Schwulen-Demo in Moskau

Die Demonstranten, darunter der britische Aktivist Peter Tatchell, riefen Slogans wie: "Schwulenfeindlichkeit ist eine Schande für dieses Land!" und "Wir fordern gleiche Rechte!" Die Sicherheitskräfte hatten nach nur einer Minute damit begonnen, die Demonstranten zu ergreifen und in Busse zu zerren. Tatchell sprach gerade mit Journalisten, als ihn Polizisten wegrissen. "Das zeigt, dass das russische Volk nicht frei ist", sagte er.

Auch der russische Führer der Homosexuellen-Bewegung, Nicolai Alexejew, und die Aktivistin Ksenia Prilebskaja wurden festgenommen. Polizisten zerrissen Prilebskajas Bluse und BH, als sie sie grob in den Bus stießen.

Mit der Demonstration "Slavic Pride" wollten die Demonstranten ein Zeichen gegen die offen feindselige Haltung vieler Politiker in Russland setzen. Der Moskauer Bürgermeister Juri Luschkow nannte Homosexualität "teuflisch". An einer Demonstration von Gegnern der Homosexuellen-Bewegung nahmen 50 Personen teil; ein Teilnehmer wurde festgenommen, als er die Machthaber im Kreml als schwul bezeichnete.

Der Grünen-Politiker Volker Beck bezeichnete die Vorgänge in Moskau als Skandal. Er forderte in Berlin die Bundesregierung auf, sich unverzüglich für die Freilassung der festgenommenen Demonstranten einzusetzen. Die Eurovisionsteilnehmer und die übertragenden Fernsehanstalten rief Beck auf, gegen das Vorgehen der russischen Behörden zu protestieren. "Man kann nicht einfach weggucken und zur Tagesordnung übergehen", sagte er in einer Pressemitteilung. "Nun ist Zivilcourage gefragt."

Das Finale des Song Contests wird am Abend ausgetragen; viele Millionen Menschen in Europa werden es im Fernsehen verfolgen. Die Musikveranstaltung hatte bereits im Vorfeld ein Schlaglicht auf die Lage Homosexueller in Russland geworfen: Einige Künstler haben einen Auftrittsboykott angedroht, sollte die nun am Samstag aufgelöste Kundgebung nicht stattfinden.

phw/AP

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