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18.05.2009
 

Posten-Poker

Ex-Banker soll US-Botschafter in Berlin werden

Von Gregor Peter Schmitz und Gabor Steingart, Washington

Er sammelte im Wahlkampf Millionen Dollar für die Demokraten Clinton, Gore und Obama - jetzt ist Phil Murphy Favorit für einen der begehrtesten Posten in Europa, den die US-Regierung zu vergeben hat. Der ehemalige Goldman-Sachs-Banker könnte neuer Botschafter in Berlin werden.

Der Poker um die begehrten US-Botschaften in Europa geht in seine entscheidende Phase. Monatelang haben Außenministerium und Weißes Haus Kandidaten gesichtet und vertrauliche Gespräche geführt. Das Ergebnis mit Blick auf die Berliner Botschaft der Amerikaner: Phil Murphy führt.

US-Botschaft am Pariser Platz in Berlin: Einer der besten Jobs, die Obama in Europa zu vergeben hat
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DPA

US-Botschaft am Pariser Platz in Berlin: Einer der besten Jobs, die Obama in Europa zu vergeben hat

Der Ex-Spitzenmann der New Yorker Investmentbank Goldman Sachs und spätere Finanzchef der US-Demokraten hat beste Chancen, in die imposante US-Botschaft am Pariser Platz einzuziehen.

Im April sagte er zwei Reden in Deutschland ab, deren Einladung bereits verschickt waren. Seine Begründung gegenüber dem Veranstalter: "Man hat mir dringend geraten, Amerika jetzt nicht zu verlassen." Da liefen die Nominierungen auf Hochtouren.

US-Präsident Barack Obama würde am liebsten noch vor seinen Besuchen in Deutschland und Frankreich, die für den 5. und 6. Juni geplant sind, die Besetzung der vier europäischen Spitzenbotschaften bekanntgeben. "Das Weiße Haus arbeitet an einer Paketlösung und möchte die Posten in Brüssel, London, Paris und Berlin an einem Tag veröffentlichen, auch aus symbolischen Gründen", sagt ein mit der Angelegenheit vertrautes Mitglied der deutschen Seite.

Offenbar wird nun mit gezielten Indiskretionen die Akzeptanz des Namens Murphy in Deutschland getestet. Außenminister Frank-Walter Steinmeier erhielt von einem seiner Spitzenbeamten die entsprechende Information. "Murphy wird es", berichtete der Beamte nach Abschluss mehrtägiger Gespräche in Washington, die Ende April stattfanden.

Auch der Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, ist im Bilde. Der Leiter der Alfred Herrhausen-Gesellschaft, Wolfgang Nowak, setzte ihn vor einer Woche in Kenntnis, dass Murphy innerhalb der US-Regierung derzeit als Favorit gehandelt wird. Nowak war einst Strategieberater von Gerhard Schröder und Mitorganisator des Schröder/Blair-Papiers. Er verfügt in Washington über ausgezeichnete Regierungskontakte.

Murphy verwaltete die Millionen der Demokratischen Partei

Phil Murphy, 52, ist in der transatlantischen Szene kein Unbekannter. Der Geldexperte hat mehr als zwei Jahrzehnte bei Goldman Sachs in führenden Positionen gewirkt, zuletzt als weltweiter Co-Chef der Investment Management-Abteilung. In den neunziger Jahren war er mitverantwortlich für die Geschäfte der Bank in Deutschland und an etlichen Geschäftsabschlüssen mit der Treuhandanstalt beteiligt. Er wohnte in der Zeit in Frankfurt. Vor allem damals engagierte er sich auch in der Atlantik-Brücke, einer Organisation, die sich der deutsch-amerikanischen Freundschaft verschrieben hat. Er zählt zu den Mitbegründern des International Advisor Council der Atlantik-Brücke.

Nach seinem Abschied von Goldman Sachs 2006 wurde Murphy Finanzchef der Demokratischen Partei. In dieser Funktion hatte er nicht staatliche Zuschüsse zu verwalten, sondern Millionen privater Spendengelder einzutreiben. Der Finanzchef einer Partei ist in den USA in erster Linie Geldeintreiber und erst dann Geldverwalter. Er muss Politik kennen und verkaufen können.

Murphy kann das. Der Wahlkampf von Barack Obama war auch dank seiner Mithilfe einer der am besten finanzierten Wahlkämpfe der US-Geschichte.

Der Kandidat für den Botschafterposten gilt in der US-Bankenwelt seit Jahrzehnten als Mann mit politischer Leidenschaft. Er ist ein enger Vertrauter von Ex-Finanzminister und Wall-Street-Veteran Robert Rubin, der grauen Eminenz der US-Demokraten in Finanzfragen. Über ihn fand Murphy den Einstieg in das Geldsammelgeschäft für die Partei.

Diplomatischer Seiteneinsteiger

In den neunziger Jahren hat er bereits viel Geld für die Wahlkämpfe von Bill Clinton und Ex-Vizepräsident Al Gore gespendet und gesammelt. Anschließend erwog Murphy sogar selbst eine Kandidatur als Gouverneur von New Jersey, seinem heutigen Wohnort. Ein anderer Kollege von Goldman Sachs bekleidet mittlerweile diesen Posten.

Im vergangenen Präsidentschaftswahlkampf organisierte Murphy zunächst Spenden für die Demokratische Partei und nach dem Nominierungsparteitag in Denver für den Kandidaten Obama. Er veranstaltete für und mit Obama mehrere Abendessen, auch bei sich zu Hause. Als Weihnachtspostkarte verschickte er im vergangenen Jahr ein Foto, das Obama auf den Treppenstufen seines Hauses in New Jersey zeigt - umringt von den vier Murphy-Kindern.

Diplomatische Erfahrung bringt der Vater von vier Kindern nicht mit. Aber das muss kein Makel sein. In den USA werden Botschafter - anders als in Deutschland - nicht automatisch aus dem Mitarbeiterstab des Auswärtigen Amtes besetzt. Sie sind oft engagierte Privatleute oder wichtige Spendensammler, keine Karrierediplomaten. Ein US-Botschafter untersteht immer zuerst dem Regierungschef und muss daher dessen Politik loyal vertreten.

Murphy genießt unter jenen, die ihn kennen, hohen Respekt. David Kamenetzky, einst sein Kollege bei Goldman Sachs und heute Bereichsvorstand beim US-Nahrungsmittelkonzern Mars, sagt im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE: "Phil Murphy ist smart, charmant und weltgewandt. Er spricht Deutsch und kennt Deutschland und Europa sehr gut. Er ist der Richtige, um Obamas Amerika im Ausland zu vertreten."

Auch John Kornblum, Botschafter der Clinton-Regierung in Deutschland und bis heute für viele in Berlin der Prototyp eines weltgewandten US-Diplomaten, ist voll des Lobes: "Murphy war lange Jahre in den deutsch-amerikanischen Beziehungen engagiert. Eine gute Wahl."

Die Atlantik-Brücke in Berlin wartet sehnsüchtig auf Murphys Ernennung: "Ein erstklassiger Mann - mit Zugang zum Präsidenten. Genau der richtige für Berlin", sagt Beate Lindemann, Geschäftsführerin der Atlantik-Brücke.

Anders als die beiden von George W. Bush entsandten Botschafter, Dan Coats und William Timken, gilt Murphy zudem als gesellig. Zu seinen Freunden zählen Allianz-Vorstand Paul Achleitner und Bandmitglieder der Rockgruppe Guns N' Roses.

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