Islamabad - Die pakistanische Armee hat nach eigenen Angaben in schweren Kämpfen die radikalislamischen Taliban aus dem Umland der Hauptstadt Islamabad gedrängt. Die Soldaten hätten mit dem Ort Sultanwas das Hauptbollwerk der Taliban rund 60 Kilometer vor Islamabad eingenommen, sagte ein Militärsprecher am Mittwoch. Damit sei der Bezirk Buner fast befreit.
Die Kämpfe in den Distrikten Buner und Dir sowie dem Swat-Tal haben eine riesige Flüchtlingswelle ausgelöst. Rund 1,5 Millionen Menschen versuchen, sich in Sicherheit zu bringen. Schon bei früheren Kämpfen wurden 550.000 Menschen vertrieben. Die Soldaten haben nach Armee-Angaben in den Bergen um das Swat-Tal Stützpunkte und Depots der Taliban ausgehoben. Die Kämpfe hätten sich nun in die Städte verlagert. Dort sollen auch viele tausend Zivilisten ausharren.
Es wird befürchtet, dass die bislang breite Unterstützung der Bevölkerung für das Vorgehen gegen die Taliban schwinden könnte, wenn die Zahl ziviler Opfer steigt oder die vielen Flüchtlinge im Elend leben. Die Vereinten Nationen haben bereits vor einer langanhaltenden humanitären Krise gewarnt.
Ausgelöst wurden die Gefechte durch den Einfall der Taliban in den Bezirk Buner Anfang April. Die Milizionäre kamen aus dem Swat-Tal, wo die pakistanische Regierung ein Friedensabkommen mit den Taliban abgeschlossen hatte. Ende April ging die Armee zum Gegenangriff in Buner und Dir über, Anfang Mai folgte eine Offensive im Swat-Tal. Nach Armee-Angaben sind in den Kämpfen bislang tausend Milizionäre und 50 Soldaten gefallen. Demnach sollen sich 15.000 Armeeangehörige und bis zu 5000 Taliban gegenüberstehen. Eine Bestätigung von unabhängiger Stelle für diese Zahlen gab es jedoch nicht.
Vor allem die USA hatten die pakistanische Regierung gedrängt, entschieden gegen die Taliban vorzugehen. Der zeitweilige Friedensschluss mit den radikalislamischen Milizionären im Swat-Tal war auf entschiedene Kritik gestoßen. Die USA wollen, dass die pakistanische Armee auch gegen die Islamisten im Grenzgebiet zu Afghanistan im Nordwesten vorgehen. Aus Sicht der US-Militärs ist dies unabdingbar für die Stabilität Afghanistans. Das Grenzgebiet zu Afghanistan gilt als Rückzugsgebiet der Gegner der afghanischen Zentralregierung und ihrer westlichen Verbündeten.
Nach den USA, die mit 100 Millionen Dollar den Flüchtlingen helfen wollen, hat auch das Auswärtige Amt mitgeteilt, die Hilfen für die Vertriebenen um eine Million Euro zu erhöhen. Die Bundesregierung zeigte sich besorgt über die Lage der Flüchtlinge in den pakistanischen Kampfgebieten. "Das Vorgehen gegen religiöse Fanatiker ist notwendig, es darf aber nicht auf dem Rücken unschuldiger Zivilisten ausgetragen werden", erklärte Außenminister Frank-Walter Steinmeier.
ore/Reuters/AP
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