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27.05.2009
 

Atomprogramm-Streit

Nordkorea droht dem Süden mit Militärschlag

Die Drohungen aus Nordkorea werden immer schriller: Das Regime um Kim Jong Il warnt Südkorea vor einem "harten Militärschlag" und erklärt den Waffenstillstand von 1953 für ungültig. Zugleich testet Pjöngjang eine weitere Rakete - und nimmt eine Atomanlage wieder in Betrieb, die Plutonium herstellt.

Pjöngjang/New York - Nordkorea heizt den Konflikt um sein Atomprogramm weiter an. Nachdem der Atomtest am Montag die Welt aufgeschreckt hatte, reißen die bedrohlichen Nachrichten nicht ab. Das Regime von Kim Jong Il droht mit martialischen Worten und schafft weitere Fakten:

Nordkorea bezeichnete die Beteiligung Südkoreas an einer internationalen Initiative zur Verhinderung der Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen als Kriegserklärung. Jeder "feindliche Akt gegen unsere Republik" werde einen "starken Militärschlag" nach sich ziehen, heißt es in der von der amtlichen Nachrichtenagentur KCNA verbreiteten Erklärung.

Das nordkoreanische Militär warnte, es fühle sich nicht mehr an den Waffenstillstand von 1953 gebunden, der den Krieg zwischen den beiden koreanischen Staaten beendet hatte. Nordkorea könne nicht mehr für die Sicherheit der Schifffahrt vor seiner Westküste garantieren.

Die 2003 gegründete US-Initiative wurde ins Leben gerufen, um Staaten wie Nordkorea oder Iran am Handel mit Raketen oder Nukleartechnologie zu hindern. Es erlaubt unter anderem die Durchsuchung verdächtiger Schiffe. Südkorea hatte bisher nur Beobachter-Status. Nordkorea hatte wiederholt gewarnt, es würde eine aktive Beteiligung Seouls als Kriegserklärung auffassen.

Einem südkoreanischen Zeitungsbericht zufolge hat Nordkorea die Wiederaufarbeitungsanlage für atomare Brennstäbe in Yongbyon wieder in Betrieb genommen, mit deren Hilfe sich waffenfähiges Plutonium erzeugen lässt. Auf jüngsten Aufnahmen von US-Spionagesatelliten sei zu sehen, wie aus der Anlage Dampf austrete, meldeten die südkoreanische Zeitung "Chosun Ilbo" und die Nachrichtenagentur Yonhap am Mittwoch. Das Verteidigungsministerium in Seoul und der Geheimdienst des Landes bestätigten die Meldung bislang nicht.

Neben Plutonium eignet sich auch Uran-235 zum Bau von Atombomben. Es muss mit hoch präzise arbeitenden Zentrifugen aus natürlich vorkommendem Uran gewonnen werden, das überwiegend aus Uran-238 besteht. Es gilt als erwiesen, dass Nordkorea genau dies versucht hat. Das Know-how zur Urananreicherung stammt aus Pakistan.

Den Reaktor von Yongbyon und weitere Atomanlagen hatte Nordkorea im Rahmen eines internationalen Abrüstungsabkommens stillgelegt. Nach der scharfen Reaktion des Uno-Sicherheitsrats gegen den Test einer nordkoreanischen Langstreckenrakete im April kündigte Pjöngjang jedoch an, die Anlagen wieder in Betrieb zu nehmen. Gleichzeitig verließ es die Sechs-Nationen-Gespräche über ein Ende seiner Atompolitik. Laut "Chosun Ilbo" hatten die Experten allerdings damit gerechnet, dass es zwei bis vier Monate dauern würde, bis die Wiederaufarbeitungsanlage wieder funktionsfähig ist.

Atomwaffen: Welche Staaten über welches Arsenal verfügen
Land strategische Sprengsätze nicht-strategisch gesamt
China 130-200 120 250-320
Frankreich 350 0 350
Indien 50 unbekannt 50+x
Israel 100-200 unbekannt 100-200
Nordkorea 5-12 0 5-12**
Pakistan 40-70 unbekannt 40-70
Russland 3300-3400 3000-8000 7200*
Großbritannien 180-200 5 180-200
USA 5236 500 5736*
Quelle: Center for Defense Information, Schätzungen, Stand Juli 2008
*Ohne eingelagerte oder in Reserve gehaltene Sprengsätze
**geschätzt anhand der angenommenen Menge von vorhandenem atomwaffenfähigen Plutonium
Laut einem Bericht der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap hat Nordkorea erneut eine Kurzstreckenrakete getestet. Sie sei am Dienstagabend an der Ostküste des Landes abgefeuert worden, meldete die Agentur am Mittwoch unter Berufung auf südkoreanische Regierungskreise. Es habe sich um eine Bodenschiffsrakete gehandelt. Weitere Tests wurden nicht ausgeschlossen: Nordkorea forderte Schiffe dazu auf, sich am Mittwoch von den Gewässern vor seiner Westküste fernzuhalten.

In New York begann der Uno-Sicherheitsrat mit Beratungen über eine neue Resolution gegen Nordkorea wegen des Atomwaffentests vom Montag. Die amerikanische Uno-Botschafterin Susan Rice sprach nach einem Treffen der fünf ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats mit Japan und Südkorea von einem sehr guten Beginn, machte aber zugleich deutlich, dass die Erarbeitung einer Resolution einige Zeit in Anspruch nehmen werde.

Russland plant nach Worten seines Uno-Botschafters Witalij Tschurkin, eine harte Resolution gegen Nordkorea wegen dessen zweiten Atomtests mitzutragen. Tschurkin wollte jedoch nicht sagen, ob die Möglichkeit zusätzlicher Sanktionen gegen das kommunistische Regime in Pjöngjang diskutiert worden sei. "Wir prüfen verschiedene Gesichtspunkte und viele Vorschlagsvarianten, jedoch ist es noch zu früh, über sie zu sprechen." Tschurkin, der augenblicklich den Vorsitz des Uno-Sicherheitsrats innehat, betonte, die Mitglieder des Gremium seien bereit, "so intensiv wie möglich" an einem Resolutionsentwurf zu arbeiten. Der Sicherheitsrat hat den Atomwaffentest bereits einstimmig verurteilt.

Nordkoreas Atomprogramm

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Nordkoreas Atomprogramm

Anfänge

Genfer Rahmenabkommen 1994

Sechs-Parteien-Gespräche ab 2003

Atombomben- und Raketentests

sac/dpa/AP/AFP

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