Deutschland-Besuch
Obama-Team blockt Wünsche des Kanzleramts ab
Neue Spannungen zwischen Berlin und Washington: Die US-Regierung widersetzt sich nach SPIEGEL-Informationen beim Deutschland-Besuch von Barack Obama den Wünschen des Kanzleramts - und verweigert Kanzlerin Merkel bisher die gewünschten Fototermine mit dem US-Präsidenten.
Berlin - Der Kurzbesuch des US-Präsidenten in Deutschland Ende kommender Woche führt erneut zu Spannungen zwischen Barack Obama und Kanzlerin Angela Merkel (CDU).
REUTERS
Barack Obama (2008 in Berlin): Diplomatisches Gezerre um seinen Besuch in Deutschland
Im vergangenen Jahr hatte die Kanzlerin dem damaligen Präsidentschaftskandidaten einen prestigeträchtigen Auftritt vor dem Brandenburger Tor verwehrt. Dieses Mal blockt das Weiße Haus die bisherigen Wünsche der Bundesregierung ab, Obama möge sich an den Besuchsorten Dresden und Weimar öffentlichkeitswirksam an der Seite der Kanzlerin und der örtlichen Honoratioren zeigen.
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Mit Unterstützung des Kanzleramts hatten die wahlkämpfenden CDU-Ministerpräsidenten von Thüringen und Sachsen, Dieter Althaus und Stanislaw Tillich, vorgeschlagen, Obama möge etwa den Dresdner Zwinger und die Weimarer Anna-Amalia-Bibliothek besuchen sowie in beiden Städten ein Bad in der Menge nehmen. Obamas Protokollbeamte lehnten diese Ideen bei einer Vorausreise vor Pfingsten ab. Der Präsident wolle sich auf die Besuche des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald und der US-amerikanischen Militärstützpunkte Ramstein und Landstuhl konzentrieren.
Vorgesehen ist immerhin ein Gespräch mit der Kanzlerin in Dresden, wo Obama am Donnerstag übernachtet. Regierungsbeamte in Berlin hoffen noch auf Verbesserungen des Programms, haben jedoch bisher den Eindruck, Obama lege in Deutschland nur einen "Zwischenstopp" zwischen seiner politisch brisanten Nahost-Rede am 4. Juni in Kairo und dem Besuch in Frankreich am 6. Juni ein. Dort empfängt Präsident Nicolas Sarkozy den Amerikaner sowohl in Paris als auch bei der Gedenkfeier zur Landung der Alliierten in der Normandie 1944.
Für Merkels Termintortur hat der Franzose nur Spott übrig. "Merkel kann den US-Präsidenten nicht einmal in der Hauptstadt empfangen", wird der Präsident zitiert, "ich kann ihn in der Normandie treffen und in Paris."