Von Gregor Peter Schmitz, Washington
Das Weiße Haus bemüht sich, mögliche Verstimmungen über den bevorstehenden Deutschland-Blitzbesuch von Barack Obama zu zerstreuen. Auf die Frage, wieso der US-Präsident in der kommenden Woche Dresden und Buchenwald besuchen wolle und nicht Berlin, sagte Top-Berater Denis McDonough in der Nacht zu Samstag: "Der Präsident hat offensichtlich viel Respekt für Bundeskanzlerin Merkel. Bei ihren bisherigen Treffen war er beeindruckt von den Schilderungen ihrer Zeit in der ehemaligen DDR." Obama sehe daher seinen Besuch als Gelegenheit, den Wandel in dieser Region direkt zu erfahren.
Obama vor der Siegessäule 2008: Ist er noch verärgert über Merkels Weigerung, ihn damals vor dem Brandenburger Tor auftreten zu lassen?
Wieso Buchenwald ausgewählt wurde, dazu sagte der Berater: "Der Präsident wird das Konzentrationslager besuchen, um die schreckliche und unleugbare Tragödie des Holocaust zu unterstreichen - und um an die Anstrengungen so vieler zu erinnern, diese zu beenden. Darunter sein eigener Onkel." Obamas Großonkel Charles Payne hatte als junger US-Soldat bei der Befreiung des Buchenwald-Unterlagers Ohrdruf geholfen.
Nach SPIEGEL-Informationen löst die Reiseplanung des US-Präsidenten unter deutschen Politikern Verwunderung aus. Regierungsbeamte in Berlin haben den Eindruck, Obama lege in Deutschland nur einen Zwischenstopp zwischen seiner politisch brisanten Nahost-Rede am 4. Juni in Kairo und dem Besuch in Frankreich am 6. Juni ein. Dort empfängt Präsident Nicolas Sarkozy den Amerikaner sowohl in Paris als auch bei der Gedenkfeier zur Landung der Alliierten in der Normandie 1944. Dafür verlängerte das Weiße Haus entgegen der ersten Planung gar Obamas Reise um eine Nacht in der französischen Hauptstadt. Für Merkels Termintortur hat der Franzose nur Spott übrig. "Merkel kann den US-Präsidenten nicht einmal in der Hauptstadt empfangen", wird der Präsident zitiert.
Offenbar blockte das Weiße Haus auch die bisherigen Wünsche der Bundesregierung ab, Obama möge sich an den Besuchsorten Dresden und Weimar öffentlichkeitswirksam an der Seite der Kanzlerin und der örtlichen Honoratioren zeigen - etwa bei Besuchen des Dresdner Zwingers oder der Weimarer Anna-Amalia-Bibliothek und einem Bad in der Menge. Obamas Protokollbeamte lehnten diese Ideen bei einer Vorausreise vor Pfingsten ab. Der Präsident wolle sich auf die Besuche in Buchenwald und dem US-Militärstützpunkt Landstuhl in Rheinland-Pfalz konzentrieren.
Obama hat jedoch ein Arbeitstreffen mit Merkel am 5. Juni in Dresden eingeplant. "Wir möchten bilaterale Themen mit unserem wichtigen Verbündeten Deutschland besprechen", sagte McDonough dazu. Denkbare Diskussionspunkte seien Afghanistan, die Vorbereitung des G-8-Treffens im Juli in Italien sowie die Nichtweiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen.
Weshalb der US-Präsident während seiner Deutschland-Reise - im Gegensatz zu Frankreich - keinen Besuch in der Hauptstadt abstattet, ist Gegenstand heftiger Spekulationen. Manche US-Beobachter vermuten, er wolle sich kurz vor dem Beginn des deutschen Bundestagswahlkampfs einfach mit einem Staatsbesuch in Berlin zurückhalten. Andere vermuten, im Weißen Haus wirke die Verärgerung über Kanzlerin Merkels Widerstand gegen Obamas Auftritt als Präsidentschaftskandidat am Brandenburger Tor im Sommer 2008 nach.
Unbestritten ist jedoch, dass Obamas Rede an die muslimische Welt in Kairo am 4. Juni meistbeachteter Auftritt bei der Reise sein wird. Die Ansprache soll in einer Universität der ägyptischen Hauptstadt stattfinden und sich auch um den Nahost-Friedensprozess drehen. "Diese Rede ist ein wichtiger Teil der Bemühungen des Präsidenten um eine neue Beziehung mit der muslimischen Welt", sagte McDonough.
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