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30.05.2009
 

Gewalt in Nordafghanistan

Gouverneur von Kunduz mit Sprengsatz angegriffen

Von Shoib Najafizada und Matthias Gebauer

Neue Gewalt im Einsatzgebiet der Bundeswehr: Am Morgen wurde der Gouverneur der Provinzhauptstadt Kunduz mit einer ferngezündeten Bombe angegriffen und leicht verletzt. Ob die Tat einen politischen oder kriminellen Hintergrund hat, ist noch unklar.

Kabul/Berlin - Der Anschlag ereignete sich gegen 8.45 Uhr. Der Gouverneur der Provinz Kunduz, Mohammed Omar, war gerade auf dem Weg von seiner Wohnung in Taloqan in Richtung Kunduz, als nahe der Ortschaft Khas Kappa neben seinem Wagen ein fern gezündeter Sprengsatz detonierte.

Omar hatte Glück: Er und sein Leibwächter wurden nur leicht verletzt - das Auto hingegen fast vollkommen zerstört, sagte der Chef der lokalen Polizei, General Ziauddin, SPIEGEL ONLINE nach dem Anschlag.

Omar befindet sich mittlerweile in ärztlicher Obhut, soll aber schon bald seinen Dienst wieder aufnehmen können. Wer hinter der Attacke auf den Politiker steckt, ist bisher unklar. Die Taliban, die sich gewöhnlich sehr schnell zu ihren Aktionen bekennen und die Ergebnisse ihrer Angriffe massiv übertreiben, kommentierten die Attacke auf Omar bisher nicht. Die lokale Abteilung des afghanischen Geheimdienstes NDS begann sofort mit ihren Ermittlungen, wollte sich aber zu keinen Verdachtsmomenten bezüglich des Täterkreises äußern.

Omar selbst sprach zurückhaltend über die möglichen Hintergründe. Sein Sprecher verurteilte den Angriff und bezeichnete die Täter als "die Feinde von Sicherheit und Frieden" - in Afghanistan ein Terminus, der meistens die Taliban meint.

Omar gilt in der Region und in der Bundesregierung als durchaus problematischer Gouverneur, wenn nicht sogar als Teil des Problems der Region Kunduz. Der BND hat ihn mehrfach dabei beobachtet, wie er lokalen Taliban-Größen vertrauliche Informationen auch über geplante Aktionen der deutschen Bundeswehr weitergab. Er soll außerdem tief in den Drogenhandel verstrickt sein. Innerhalb der Bundesregierung wird deshalb nicht ausgeschlossen, dass der aktuelle Anschlag eher einen kriminellen Hintergrund hat.

Die deutsche Regierung hatte in der Vergangenheit in Kabul massiv Druck gemacht, um Omar abzulösen. Mindestens zweimal sprachen hochrangige Vertreter aus Berlin in Afghanistan vor, um die Regierung von Hamid Karzai zu einem Austausch des Gouverneurs zu drängen. Vor einigen Wochen gab es aus dem Kabuler Präsidentenpalast dann Signale, dass Omar wohl noch diesen Sommer seinen Posten verlassen werde. Erwartet wird, dass der ehemalige Gouverneur der Provinz Badakshan dann die Provinz Kunduz übernimmt.

In Kunduz hat sich die Sicherheitslage in den vergangenen Monaten drastisch verschlechtert, die Bundeswehr registrierte einen Anstieg von Angriffen auf sie. Erst Ende April starb bei einem gut geplanten Hinterhalt der Taliban ein deutscher Soldat.

Die Bundeswehr ist mit 667 Mann in Kunduz vertreten. Zurzeit wird die Einheit jedoch durch die sogenannte Schnelle Eingreiftruppe der Nato verstärkt, die ebenfalls aus Deutschen besteht.

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