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03.06.2009
 

Zivile Opfer

US-Militär kritisiert Fehler bei Luftangriffen in Afghanistan

Attacken mit verheerenden Folgen: Nach dem Tod zahlreicher Zivilisten bei Gefechten in Afghanistan müht sich das US-Militär um Aufklärung. Ein Report der Streitkräfte nennt laut einem Zeitungsbericht Gründe für die vielen Opfer. Der künftige Kommandeur McChrystal kündigt eine neue Strategie an.

Washington - Es war ein stundenlanges Gefecht von US-Soldaten und Taliban-Kämpfern in der Provinz Farah im Südwesten Afghanistans: Bei der Attacke am 4. Mai bombardierten die amerikanischen Streitkräfte auch aus der Luft - am Ende Tages waren mehrere Gebäude zerstört und zahlreiche Menschen getötet: Afghanische Politiker sprachen von mehr als hundert zivilen Opfern, das US-Militär zählte bis zu 30 tote Zivilisten und mehr als 60 getötete Taliban.

US-Einsatz in der Provinz Farah: Verstöße gegen die Einsatzregeln
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REUTERS

US-Einsatz in der Provinz Farah: Verstöße gegen die Einsatzregeln

Jetzt haben die US-Streitkräfte die Luftangriffe untersucht. Ein ranghoher Militär berichtete der "New York Times" von den Ergebnissen. Danach wären möglicherweise weniger Zivilisten gestorben, wenn Luftwaffe und Bodentruppen sich an ihre Einsatzregeln gehalten hätten.

Der Bericht habe festgestellt, dass von den Zielen der Luftangriffe zwar tatsächlich eine Bedrohung für amerikanische oder afghanische Truppen ausgegangen sei - weil sich in den Dörfern Taliban-Kämpfer versteckt hätten. In mehreren Fällen sei der Einsatz von Bomben aus der Luft aber nicht die angemessene Reaktion gewesen, wenn man die Gefahren für die Zivilbevölkerung berücksichtigt.

Außerdem hätten die Soldaten in einigen Fällen nicht die taktischen Anweisungen beachtet, die für solche Angriffe gelten. Ein Beispiel: Ein Flugzeug hatte die Freigabe für die Bombardierung von Taliban-Kämpfern, musste dann aber noch einmal abdrehen. Als es zurückkam, warf es die Bomben gleich ab - eigentlich hätte die Besatzung noch einmal nachfragen müssen, ob die Taliban vielleicht schon geflohen sind oder sich in der Zwischenzeit Zivilisten genähert haben.

Der Bericht enthält aber auch Vorwürfe gegen die Taliban: Demnach wussten sie, dass sich Zivilisten an den Orten aufhalten, von denen aus sie auf die US-Truppen schossen. Möglicherweise hätten die Taliban sogar gewollt, dass durch die amerikanische Gegenwehr Zivilisten getötet werden.

Das untersuchte Feuergefecht in der Provinz Farah habe begonnen, als afghanische Soldaten und Polizisten in mehrere Dörfer eingerückt seien, um Berichte über getötete Regierungsbeamte zu überprüfen. Die Polizei sei schnell überfordert gewesen und habe amerikanische Unterstützung angefordert.

In Afghanistan gibt es schon lange Kritik an den Luftangriffen der US-Militärs, bei denen es oft zivile Opfer gibt. Der als neuer Kommandeur für die US-Truppen in Afghanistan nominierte General Stanley A. McChrystal, sagte am Dienstag, es sei "entscheidend für die Glaubwürdigkeit", dass die Zahl der getöteten Zivilisten reduziert werde. Bei einer Anhörung im Streitkräfteausschuss des Senats erklärte er, ein amerikanischer Sieg sei "hohl und nicht nachhaltig", wenn er zu weit verbreiteter Ablehnung bei der afghanischen Bevölkerung führe.

McChrystal kündigte eine neue Strategie für Afghanistan an. Ziel sei es, das Leben von Zivilisten besser zu schützen. Der Erfolg werde nicht an der Zahl der getöteten Feinde gemessen, sondern daran, wie viele Zivilisten vor Gewalt geschützt werden konnten.

Um dieses Ziel zu erreichen, werde er alle Einsatzregeln überprüfen, Luftangriffe begrenzen und verstärkt kleine Kampfeinheiten am Boden einsetzen, sagte McChrystal laut "Washington Post"."Ich erwarte harte Gefechte." Es werde zunächst mehr Gewalt und Kämpfe geben, je weiter US-Soldaten in Taliban-Gebiete vordringen, erklärte er.

Der Experte für Spezialoperationen soll nach dem Willen von US-Präsident Barack Obama dem glücklosen Kommandeur David McKiernan als Chef der internationalen Schutztruppe Isaf nachfolgen.

sac

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