Pseudo-Spionageprozess in Nordkorea
Kim pokert mit Ling und Lee
Von Marc Pitzke, New York
Nordkorea macht zwei Journalistinnen aus Kalifornien den Prozess - wegen angeblicher Spionage. Tatsächlich sind die Frauen, die auf ungeklärte Weise ins Land gelangten, wohl vor allem ein Faustpfand für Kim Jong Il: Ihr Schicksal soll die US-Regierung zu Verhandlungen zwingen. Die aber sperrt sich.
Das letzte Lebenszeichen von Laura Ling und Euna Lee in Freiheit stammt vom 14. März. "China/NKorea border", schrieb Ling, 32, in ihrem letzten Twitter-Update beim Zwischenstopp in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul. "Ich hoffe, mein Kimchi-Atem wendet jede Gefahr ab" - das koreanische Gemüsegericht Kimchi wird traditionell mit viel Knoblauch zubereitet.
DPA
Euna Lee und Laura Ling: Seit März in nordkoreanischer Gefangenschaft
Die beiden TV-Reporterinnen aus Kalifornien waren auf dem Weg zur Grenze zwischen China und Nordkorea. Überläufer aus Kim Jong Ils stalinistischem Reich wollten sie dort treffen, um mit ihnen darüber zu sprechen, was sie erlebt haben.
Doch irgendetwas lief schief.
Was genau passierte, wissen nur die Beteiligten. Fest steht, dass sie drei Tage später in Nordkorea in Haft saßen. Und dass an diesem Donnerstag ein Prozess gegen sie eröffnet wurde - denn sie seien Agentinnen der USA, behaupten Kims Ankläger.
"Mutmaßliche feindliche Aktivitäten"
"Die illegale Einreise der US-Reporter in die DPRK(Demokratische Volksrepublik Korea - d.Red.) und ihre mutmaßlichen feindlichen Aktivitäten wurden von Beweisen und ihren Aussagen bestätigt": So berichtete Nordkoreas staatliche Nachrichtenagentur KCNA über den Prozess, der angeblich vor einem der höchsten Gerichte Pjöngjangs stattfand.
Ausländische Beobachter waren laut US-Außenministerium nicht zugelassen - was den Verdacht nährt, dass die beiden Frauen vor allem eines sind: Objekte eines Schauprozesses, ein Faustpfand im Atomstreit mit den USA.
Sowohl dezente Diplomatie als auch eine große Kampagne, die ihre Familien in der Heimat in den vergangenen Tagen organisierten, haben nicht geholfen, diese Eskalation des Verfahrens zu verhindern. Den beiden Frauen drohen zehn Jahre Arbeitslager. Und dies sorgt in den USA für Aufsehen.
Die beiden Frauen arbeiten für Current TV, den alternativen Kabel- und Internet-Fernsehkanal des früheren Vizepräsidenten Al Gore. Laura Lings Schwester Lisa ist in den USA eine hochprominente Reporterin, bekannt unter anderem als Sonderkorrespondentin für CNN, den National Geographic Channel und die Show von Talk-Queen Oprah Winfrey.
Laura Ling, die chinesische Vorfahren hat, hat gewagte Aufträge nie gescheut. Für die Dokumentarserie "Vanguard" auf Current TV drehte sie unter anderem Reportagen über Mexikos Drogenkrieg, die berüchtigten Slums von Port-au-Prince in Haiti und den Amazonas-Regenwald. Über ihre koreanischstämmige Kollegin Euna Lee ist weniger bekannt. Ihrer Website zufolge berichtete die Redakteurin über die US-Vorwahlen Anfang 2008; sie hat eine vierjährige Tochter.
"Ich riet ihnen davon ab, an die Grenze zu gehen"
Klar ist, dass die beiden Reporterinnen ihre brisante Reise an Nordkoreas Grenze gezielt vorbereitet hatten. Der Aktivist Chun Ki Won half ihnen, Interviews vorab zu arrangieren - aber "ich riet ihnen sehr deutlich, nicht an die Grenze zu gehen, weil das gefährlich ist", sagte er der Nachrichtenagentur AP. Zum letzten Mal habe er am Morgen des 17. März mit ihnen telefoniert. Da hätten sie sich noch in der chinesischen Stadt Yanji befunden, nahe des Grenzflusses Tumen.
Am selben Tag gerieten die Frauen in Gefangenschaft.
Südkoreanische Medien berichteten damals, zwei US-Bürger seien am Grenzfluss Tumen verhaftet worden. Der Grund: Sie hätten Befehle ignoriert, das Filmen zu unterlassen. Die KCNA bestätigte, die Reporterinnen hätten das Land "illegal" betreten und "feindliche Handlungen" begangen. Ein koreanisch-chinesischer Führer und ein US-Kameramann, ebenfalls von Current TV, seien entkommen.
"Intensive Verhöre" in Gefangenschaft
Es vergingen fünf Tage, bis die südkoreanische Zeitung "Joong Ang Ilbo" meldete, die beiden Frauen würden in der Nähe von Pjöngjang "intensiven Verhören" unterzogen. Eine weitere Woche später durfte Mats Foyer, Schwedens Botschafter in Nordkorea, die Reporterinnen besuchen. Er vertritt die Interessen der USA in dem Land, weil diese keine direkten diplomatischen Verbindungen unterhalten, und durfte die beiden später noch einmal sehen - hat sich allerdings zu den Umständen der Haft bisher nicht geäußert.
Lings Familie berichtete, die Journalistin leide an einem Magengeschwür, gegen das sie Medikamente bekomme. Im Mai durfte sie außerdem einen Brief nach Hause nach Kalifornien schicken. "Als ich hierherkam, habe ich anfangs so viel geweint", schrieb sie. "Jetzt weine ich weniger." Sie versuche, die Hoffnung zu bewahren, doch jeder weitere Tag sei "schwerer und schwerer zu ertragen".
Nordkoreas Atomprogramm
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Nordkoreas Atomprogramm
sorgt seit Jahren für Spannungen. Mit Hilfe von weitreichenden
Langstreckenraketen
ist das kommunistische Land unter dem "lieben Führer"
Kim Jong Il
offenbar fähig, zumindest seine Nachbarstaaten mit Nuklearwaffen zu erreichen. Das Land behauptet, genug
Plutonium
für sechs
Atombomben
zu besitzen.
Nordkorea
hatte sich zwar bei Unterzeichnung des
Atomwaffensperrvertrags
1985 verpflichtet, nukleare Anlagen nur zivil zu nutzen, im Geheimen aber waffenfähiges Uran angereichert. Als das Ende der neunziger Jahre bekannt wurde, wurde Nordkorea scharf kritisiert. Die USA stoppten die Hilfs- und Energielieferungen an das verarmte Land. Daraufhin kündigte Pjöngjang um die Jahreswende 2002/03 seine Mitgliedschaft im Atomwaffensperrvertrag und seine Zusammenarbeit mit der
Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
. Die Uno-Inspektoren mussten das Land verlassen, alle Überwachungskameras wurden abmontiert.
Das
Atomprogramm Nordkoreas
hat seinen Anfang in den sechziger Jahren, als der "große Bruder"
Sowjetunion
dem kommunistischen
Nordkorea
ein Atomforschungszentrum mit dem Forschungsreaktor
Yongbyon
baute, der 1965 seinen Betrieb aufnahm. Auf Druck der UdSSR verpflichtete sich Nordkorea 1985 als Mitunterzeichner des
Atomwaffensperrvertrags
, die Kernkraft ausschließlich zivil zu nutzen. 1992 schloss es mit Südkorea ein Abkommen, die koreanische Halbinsel frei von Atomwaffen zu halten.
Doch schon Ende der achtziger Jahre, so sind sich westliche Geheimdienste heute sicher, kam es zu geheimen Deals zwischen Pakistan und Pjöngjang. Der pakistanische Ingenieur
Abdul Qadir Khan
lieferte demnach wesentliche Bestandteile für den Atombombenbau, während Pjöngjang Pakistan Prototypen ihrer Mittelstreckenraketen stellte, die mit atomaren Sprengköpfen bestückbar sind. Seit dieser Zeit verfügt Nordkorea über Nukleartechnologie.
Nach zähen Verhandlungen schloss der damalige US-Präsident
Bill Clinton
1994 mit Pjöngjang das
Genfer Rahmenabkommen
, das den Atomkonflikt regulieren und die Gefahr einer nordkoreanischen
Atombombe
verhindern sollte. Darin garantierte
Nordkorea
die Stilllegung seines grafitmoderierten Reaktors in
Yongbyon
, aus dem wohl damals schon nuklearwaffenfähiges Material abgezweigt worden war. Im Gegenzug verpflichteten sich die USA zur Lieferung von Erdöl und zum Bau von zwei Leichtwasserreaktoren, womit die Energieversorgung des verarmten Nordkoreas sichergestellt werden sollte. Allerdings regelte die Vereinbarung nur die
Plutoniumproduktion
, jedoch nicht die Möglichkeit, aus hochangereichertem
Uran
Kernwaffen herzustellen.
2003 begannen
Verhandlungen
über ein Ende des
nordkoreanischen Atomwaffenprogramms
. An den Gesprächsrunden aus sechs Nationen waren neben
Nordkorea
China, Russland, Japan, die USA und Südkorea beteiligt. Als Gegenleistung für die nukleare Abrüstung wurde dem vollkommen verarmten Nordkorea Wirtschafts- und Energiehilfe angeboten. Die Gespräche blieben jedoch zunächst ohne Ergebnis.
Im Februar 2005 gab
Kim Jong Il
offiziell den Besitz von Atomwaffen "zur Selbstverteidigung" bekannt.
Zum Abschluss der vierten Sechs-Länder-Gespräche im September 2005 verpflichtete sich Pjöngjang grundsätzlich zur Aufgabe aller Atomwaffen und Nuklearprogramme, das Atomprogramm lief aber im Geheimen weiter.
2007 zeichnete sich erneut eine Einigung im Atomstreit ab: Die nordkoreanische Seite sagte zu, seine Atomanlagen stillzulegen und die ausländischen Atominspekteure wieder zuzulassen. Im Gegenzug sollte das Land wirtschaftliche, humanitäre und Energiehilfe erhalten und von der US-Liste der den Terror unterstützenden Staaten gestrichen werden. Im Juni 2008 übergab Nordkorea eine seit Monaten überfällige Liste mit Einzelheiten seines Nuklearprogramms an China und sprengte den Kühlturm der abgeschalteten Atomanlage Yongbyon.
1998 löste das nordkoreanische Regime mit dem Test einer ballistischen Rakete vom Typ
Taepodong-1
weltweit Empörung aus. Im Oktober 2006 schockierte Nordkorea die Weltöffentlichkeit mit unterirdischen Atomwaffentests. Daraufhin beschloss der Uno-Sicherheitsrat einstimmig die
Resolution 1718
, in der der Atomtest verurteilt und Handels- und Finanzsanktionen gegen Nordkorea verhängt wurden.
Im April 2009 startete Pjöngjang eine Langstreckenrakete vom Typ
Taepodong-2
mit einer Reichweite von Tausenden Kilometern. Angeblich wurde auch ein Kommunikationssatellit ins All gebracht. Als der Weltsicherheitsrat den Raketenstart verurteilte, brach Pjöngjang die
Sechs-Parteien-Gespräche
erneut ab und kündigte die Wiederinbetriebnahme des stillgelegten
Atomzentrums Yongbyon
an. Am 25. Mai kam es zum zweiten unterirdischen Atombombentest. Die Sprengkraft der getesteten Atombombe wird seismologischen Messungen zufolge auf zehn bis 20 Kilotonnen geschätzt, das entspricht der Vernichtungskraft der Bombe, die 1945
Hiroshima
zerstörte. Nur einen Tag später startete das Regime zwei Kurzstreckenraketen mit einer Reichweite von 130 Kilometern.
Die Familien selbst hielten mehr als zwei Monate lang still und äußerten sich nicht. "Wir schwiegen, weil die Lage sehr sensibel ist und wir der Diplomatie erst eine Chance geben wollten", sagte Schwester Lisa Ling. Sie wandten sich erst an die Öffentlichkeit, als restlos klar wurde, dass es den Nordkoreanern höchstwahrscheinlich um mehr geht als nur den Fall der beiden Frauen. Die Journalistinnen sind für Kims Regime ein weiteres Druckmittel im Atomstreit geworden. Die USA sollen an den Verhandlungstisch gezwungen werden.
Das soll Laura Ling selbst klargemacht haben, in dem einzigen Telefonat mit der Familie, das ihr erlaubt wurde - zwei Tage nach dem global geächteten nordkoreanischen Atomtest (siehe oben). "Sie sagte, sie könnte wahrscheinlich nur dann freikommen, wenn unsere beiden Länder kommunizieren", berichtete Schwester Lisa Ling nach dem Telefonat.
"Unwahrscheinlich, dass der Norden sie misshandelt"
Immerhin - "weil die US-Reporter als Impuls für einen bilateralen Dialog mit den Vereinigten Staaten dienen können, ist es unwahrscheinlich, dass der Norden sie misshandelt", sagte der südkoreanische Politiker Hong Jung-Wook der "Washington Post". "Nordkorea hat die Tür einen Spalt offen gelassen." Beide Frauen dürften freigelassen werden, "wenn das Timing am günstigsten ist, die USA politisch einzubinden".
Ob es dazu kommt, steht allerdings dahin. Der stellvertretende US-Außenminister James Steinberg sagte, Washington werde sich nicht zu Verhandlungen provozieren lassen. US-Außenministerin Hillary Clinton wies die Vorwürfe als "unbegründet" zurück. Die Reporterinnen müssten sofort freigelassen werden, forderte sie. "Es gibt für uns keine höhere Priorität als den Schutz von US-Zivilisten im Ausland", sagte ihr Sprecher Phillip Crowley. Am Freitagabend rief sie Nordkorea erneut auf, die beiden freizulassen, damit sie so schnell wie möglich nach Hause kommen können.
"Die Girls stecken mitten in einem nuklearen Duell", sagte Schwester Lisa Ling - und findet deshalb inzwischen deutliche Worte.
"Wir müssen unsere Länder ermutigen, diese Frage separat von der größeren Atomfrage zu klären", fordert sie. Unentwegt tritt die bekannte Journalistin im US-Fernsehen auf, organisiert Facebook-Initiativen und landesweite Mahnwachen, appelliert direkt ans nordkoreanische Regime. Euna Lee und ihre Schwester Laura hätten die Grenze nie absichtlich überschreiten wollen. "Wir, die Familien, entschuldigen uns in ihrem Namen zutiefst."
Die Angehörigen sind frustriert über den diplomatischen Stillstand in dem Fall: "Warum greift jemand in unserer Regierung nicht zum Telefon und ruft jemanden in deren Regierung an?", fragte Lisa Ling.
Wie es nun weitergeht, ist die große Frage. New Mexicos Gouverneur Bill Richardson, der früher als Unterhändler mit Nordkorea zu tun hatte, erwartet in dem Prozess ein Urteil "in einem oder zwei Tagen", also zum Wochenende. Erst dann, sagt er, "beginnst du zu verhandeln und zu manövrieren".
Richardson erreichte 1996 die Freilassung des US-Bürgers Evan Hunziker aus nordkoreanischer Haft. Er war betrunken durch den Yalu-Fluss nach Nordkorea geschwommen und drei Monate lang als Spion festgehalten worden. Nach der erfolgreichen Rückführung ernannte US-Präsident Bill Clinton Richardson zum Uno-Botschafter. Hunziker selbst beging einen Monat später Selbstmord.
Die einzige Seite, die bisher übrigens komplett zu dem Fall schweigt, ist Current TV. Weder berichtete der Sender über den Fall, noch gibt es auf der Website Hinweise darauf. Ein Mitarbeiter sagte dem Online-Dienst "Gawker", es sei von oben angeordnet worden, "mit keinem darüber zu sprechen".
Eine japanische TV-Station berichtete, Al Gore wolle womöglich persönlich nach Nordkorea fliegen, um zu verhandeln - allerdings blieb auch das nur ein Gerücht. Der dürre Kommentar von Außenamtssprecher Crowley dazu: "Al Gore ist eine Privatperson."
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Nordkoreas Atomprogramm
sorgt seit Jahren für Spannungen. Mit Hilfe von weitreichenden
Langstreckenraketen
ist das kommunistische Land unter dem "lieben Führer"
Kim Jong Il
offenbar fähig, zumindest seine Nachbarstaaten mit Nuklearwaffen zu erreichen. Das Land behauptet, genug
Plutonium
für sechs
Atombomben
zu besitzen.
Nordkorea
hatte sich zwar bei Unterzeichnung des
Atomwaffensperrvertrags
1985 verpflichtet, nukleare Anlagen nur zivil zu nutzen, im Geheimen aber waffenfähiges Uran angereichert. Als das Ende der neunziger Jahre bekannt wurde, wurde Nordkorea scharf kritisiert. Die USA stoppten die Hilfs- und Energielieferungen an das verarmte Land. Daraufhin kündigte Pjöngjang um die Jahreswende 2002/03 seine Mitgliedschaft im Atomwaffensperrvertrag und seine Zusammenarbeit mit der
Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
. Die Uno-Inspektoren mussten das Land verlassen, alle Überwachungskameras wurden abmontiert.
Das
Atomprogramm Nordkoreas
hat seinen Anfang in den sechziger Jahren, als der "große Bruder"
Sowjetunion
dem kommunistischen
Nordkorea
ein Atomforschungszentrum mit dem Forschungsreaktor
Yongbyon
baute, der 1965 seinen Betrieb aufnahm. Auf Druck der UdSSR verpflichtete sich Nordkorea 1985 als Mitunterzeichner des
Atomwaffensperrvertrags
, die Kernkraft ausschließlich zivil zu nutzen. 1992 schloss es mit Südkorea ein Abkommen, die koreanische Halbinsel frei von Atomwaffen zu halten.
Doch schon Ende der achtziger Jahre, so sind sich westliche Geheimdienste heute sicher, kam es zu geheimen Deals zwischen Pakistan und Pjöngjang. Der pakistanische Ingenieur
Abdul Qadir Khan
lieferte demnach wesentliche Bestandteile für den Atombombenbau, während Pjöngjang Pakistan Prototypen ihrer Mittelstreckenraketen stellte, die mit atomaren Sprengköpfen bestückbar sind. Seit dieser Zeit verfügt Nordkorea über Nukleartechnologie.
Nach zähen Verhandlungen schloss der damalige US-Präsident
Bill Clinton
1994 mit Pjöngjang das
Genfer Rahmenabkommen
, das den Atomkonflikt regulieren und die Gefahr einer nordkoreanischen
Atombombe
verhindern sollte. Darin garantierte
Nordkorea
die Stilllegung seines grafitmoderierten Reaktors in
Yongbyon
, aus dem wohl damals schon nuklearwaffenfähiges Material abgezweigt worden war. Im Gegenzug verpflichteten sich die USA zur Lieferung von Erdöl und zum Bau von zwei Leichtwasserreaktoren, womit die Energieversorgung des verarmten Nordkoreas sichergestellt werden sollte. Allerdings regelte die Vereinbarung nur die
Plutoniumproduktion
, jedoch nicht die Möglichkeit, aus hochangereichertem
Uran
Kernwaffen herzustellen.
2003 begannen
Verhandlungen
über ein Ende des
nordkoreanischen Atomwaffenprogramms
. An den Gesprächsrunden aus sechs Nationen waren neben
Nordkorea
China, Russland, Japan, die USA und Südkorea beteiligt. Als Gegenleistung für die nukleare Abrüstung wurde dem vollkommen verarmten Nordkorea Wirtschafts- und Energiehilfe angeboten. Die Gespräche blieben jedoch zunächst ohne Ergebnis.
Im Februar 2005 gab
Kim Jong Il
offiziell den Besitz von Atomwaffen "zur Selbstverteidigung" bekannt.
Zum Abschluss der vierten Sechs-Länder-Gespräche im September 2005 verpflichtete sich Pjöngjang grundsätzlich zur Aufgabe aller Atomwaffen und Nuklearprogramme, das Atomprogramm lief aber im Geheimen weiter.
2007 zeichnete sich erneut eine Einigung im Atomstreit ab: Die nordkoreanische Seite sagte zu, seine Atomanlagen stillzulegen und die ausländischen Atominspekteure wieder zuzulassen. Im Gegenzug sollte das Land wirtschaftliche, humanitäre und Energiehilfe erhalten und von der US-Liste der den Terror unterstützenden Staaten gestrichen werden. Im Juni 2008 übergab Nordkorea eine seit Monaten überfällige Liste mit Einzelheiten seines Nuklearprogramms an China und sprengte den Kühlturm der abgeschalteten Atomanlage Yongbyon.
1998 löste das nordkoreanische Regime mit dem Test einer ballistischen Rakete vom Typ
Taepodong-1
weltweit Empörung aus. Im Oktober 2006 schockierte Nordkorea die Weltöffentlichkeit mit unterirdischen Atomwaffentests. Daraufhin beschloss der Uno-Sicherheitsrat einstimmig die
Resolution 1718
, in der der Atomtest verurteilt und Handels- und Finanzsanktionen gegen Nordkorea verhängt wurden.
Im April 2009 startete Pjöngjang eine Langstreckenrakete vom Typ
Taepodong-2
mit einer Reichweite von Tausenden Kilometern. Angeblich wurde auch ein Kommunikationssatellit ins All gebracht. Als der Weltsicherheitsrat den Raketenstart verurteilte, brach Pjöngjang die
Sechs-Parteien-Gespräche
erneut ab und kündigte die Wiederinbetriebnahme des stillgelegten
Atomzentrums Yongbyon
an. Am 25. Mai kam es zum zweiten unterirdischen Atombombentest. Die Sprengkraft der getesteten Atombombe wird seismologischen Messungen zufolge auf zehn bis 20 Kilotonnen geschätzt, das entspricht der Vernichtungskraft der Bombe, die 1945
Hiroshima
zerstörte. Nur einen Tag später startete das Regime zwei Kurzstreckenraketen mit einer Reichweite von 130 Kilometern.
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