Beirut - Nach der Parlamentswahl im Libanon hat sich das pro-westliche Lager zum Sieger des Urnengangs erklärt. "Das ist ein großer Tag in der Geschichte des demokratischen Libanon", sagte der Chef der sunnitischen Partei Zukunftsbewegung, Saad Hariri, am frühen Montagmorgen in Beirut vor jubelnden Anhängern. Dem von seiner Partei angeführten pro-westlichen Lager standen bei dem Urnengang die von Syrien und dem Iran unterstützte schiitische Hisbollah und ihre Verbündeten gegenüber.
Bereits zuvor hatten führende Politiker des gegnerischen Bündnisses aus islamistischer Hisbollah und der Christenpartei die Niederlage anerkannt und beteuert, den Willen der Wähler respektieren zu wollen. Aus dem Umfeld Hariris hieß es, man erwarte für das auch von den USA unterstützte Bündnis mindestens 70 der 128 Parlamentsmandate. Im bisherigen Parlament verfügte der westlich orientierte Block über 70 Sitze, das Bündnis um die Hisbollah über 58.
Der Abstimmung wird über die Landesgrenzen hinaus Bedeutung zugemessen, weil sie das Kräfteverhältnis zwischen moderaten und islamistischen Kräften in der Region insgesamt beeinflussen könnte. Die von Iran unterstützte Schiiten-Miliz Hisbollah will zusammen mit christlichen Parteien die in der Regierung dominanten anti-syrischen Kräfte ablösen. Die USA, die die Hisbollah als Terror-Organisation einstufen, haben für diesen Fall eine Überprüfung ihrer Hilfszahlungen an den Libanon angekündigt.
Wahlbeobachter zufrieden
"Demokratie ist ein Geschenk, das wir erhalten müssen und das den Libanon im Nahen Osten unterscheidet", sagte Präsident Michel Suleiman nach Abgabe seiner Stimme. Er rief die Bürger des Landes dazu auf, sich friedvoll an den Wahlen zu beteiligen. Da es in der Vergangenheit im Vorfeld von Wahlen wiederholt zu Ausschreitungen gekommen ist, wird die Abstimmung von 50.000 Sicherheitskräften kontrolliert. Rund 200 internationale Beobachter überwachen die Wahl in dem Land mit etwa vier Millionen Einwohnern.
Innenminister Barud zeigte sich ebenso wie der unabhängige französische Wahlbeobachter Yves Aubin de la Mésuzière zufrieden mit dem Verlauf der Wahl. Nach seiner Kenntnis habe es keinen Betrug gegeben, "allenfalls Probleme mit der Organisation", sagte Mésuzière.
2005 hatte die von den USA unterstützte pro-westliche Koalition die Parlamentswahl gewonnen, nachdem wenige Monate zuvor der anti-syrische Ex-Ministerpräsident Rafik Hariri ermordet worden war. Damals musste Syrien nach massivem internationalen Druck seine 29 Jahre währende Militärpräsenz im Libanon beenden.
Ex-Präsident Jimmy Carter, der der Gruppe der Beobachter vorsteht, forderte die libanesischen Parteien und deren ausländischen Unterstützer auf, die Ergebnisse der Parlamentswahl zu akzeptieren. "Ich mache mir keine Sorgen über den Verlauf der Wahlen. Ich habe Bedenken, was die Akzeptanz der Ergebnisse von allen großen Parteien angeht," sagte Carter nach einem Besuch eines Wahllokals in Bereit. "Alle internationalen Beobachter hoffen und drängen die Parteien dazu, die Ergebnisse zu akzeptieren, unabhängig davon, ob sie siegen oder verlieren", fügte Carter hinzu.
ore/AP/dpa/Reuters/AFP
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