Von Jan Puhl, Miriam Vogel, Carsten Volkery, Torben Waleczek und Zacharias Zacharakis
Seit zehn Jahren sitzt Hans-Peter Martin für Österreich im EU-Parlament, gegen die anderen Europapolitiker spuckt er Gift und Galle. In Zeitungsartikeln und auf seiner Web-Seite geißelt Martin Spesenmissbrauch, Faulheit und angebliche Karibik-Lustreisen von Parlamentsmitgliedern. Sich selbst beschreibt er hingegen als einen "der fleißigsten Abgeordneten" unter Österreichs EU-Parlamentariern.
Martins Landsleuten in Österreich gefällt so viel EU-Schelte offenbar gut. Sie haben die "Liste Dr. Martin" auf Platz drei gewählt, knapp hinter die Regierungsparteien ÖVP und SPÖ, die bei dieser Wahl Stimmen verlieren. Besonders für die Sozialdemokraten von Kanzler Werner Faymann ist der Wahlausgang ein Desaster, sie büßten fast 10 Prozent ein.
Martin dagegen kann sich mit seinen Anti-EU-Parolen bestätigt sehen, seine Liste hält künftig drei der 18 Mandate aus Österreich.
Zu verdanken hat Martin seinen Erfolg nicht zuletzt einer massiven publizistischen Rückendeckung durch Österreichs führendes Boulevardblatt. Die "Neue Kronen Zeitung" unterstützte den Europa-Skeptiker offen und stellte ihm regelmäßig Platz zur Verfügung, um gegen die Kollegen in Brüssel zu stänkern.
Dem Wahlerfolg von Martin können selbst einige seiner Gegner etwas Gutes abgewinnen: Die Rechtspopulisten von der FPÖ landen dadurch nur auf Platz vier. Sie hatten eigentlich auf ein Ergebnis von 20 Prozent plus X gehofft, bekamen aber nur 13 Prozent. Trotzdem hat die FPÖ ihr Europawahlergebnis von 2004 mehr als verdoppelt.
Im Wahlkampf betrieb FPÖ-Parteichef Heinz-Christian Strache Stimmungsmache gegen den Islam. Bei einer Demonstration gegen den Ausbau eines muslimischen Kulturzentrums in Wien trägt Strache ein hölzernes Kruzifix wie eine Monstranz vor sich her, dabei skandiert er den FPÖ-Wahlslogan "Abendland in Christenhand". Viele Österreicher empfinden die Kampagne als regelrechten Kulturkampf.
Daneben trägt der FPÖ-Wahlkampf auch antisemitische Züge. In Zeitungsinseraten warnt Strache vor einem EU-Beitritt Israels. Nach einem Überfall von rechten Schlägern auf Besucher des Konzentrationslagers Ebensee bezeichnet Strache die Täter als "dumme Lausbuben" - die meisten Beobachter sehen darin eine eklatante Verharmlosung.
Die Spaltung des rechtspopulistischen Spektrums kostete die FPÖ Stimmen. Die von dem mittlerweile verstorbenen Jörg Haider gegründete BZÖ bekam 4,7 Prozent - verfehlt damit allerdings den Einzug ins EU-Parlament.
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