Brüssel - Die Nato plant einen drastischen Abbau ihrer Truppenpräsenz im Kosovo. Die Verteidigungsminister des Bündnisses beschlossen am Donnerstag in Brüssel, angesichts der besseren Sicherheitslage die Zahl der Soldaten von derzeit knapp 14.000 auf rund 10.000 zum Jahresende zu verringern. Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer sprach von einer "schrittweisen Anpassung" der Truppenstärke. Innerhalb von zwei Jahren soll dann die Kosovo-Truppe Kfor auf nur noch 2200 Soldaten reduziert werden, sagten Nato-Diplomaten.
Irischer Kfor-Soldat in Pristina: In zwei Jahren soll nur noch ein kleiner Rest Nato-Soldaten im Kosovo sein
Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung sagte, auch ein Teil der bisher 2200 deutschen Soldaten im Kosovo werde heimkehren, wenn die Gesamtstärke der Kfor in den kommenden Monaten reduziert werde. Die Bundesregierung werde nach dem Nato-Beschluss "selbstverständlich adäquat deutsche Soldaten reduzieren". Genaue Zahlen könne er noch nicht nennen. Italiens Verteidigungsminister Ignazio La Russa kündigte unmittelbar nach dem Beschluss an, Rom werde innerhalb der kommenden sechs Monate die Hälfte seiner derzeit knapp 2000 Soldaten heimrufen.
"Dies zeigt, wie weit das Kosovo und die gesamte Region bisher gekommen sind", sagte de Hoop Scheffer. "Ich sage nicht, dass wir es schon geschafft haben, aber wir sind auf dem richtigen Weg."
Die Nato hatte 1999 zunächst 50.000 Soldaten ins zu Serbien gehörende Kosovo geschickt. 2008 erklärte sich das Kosovo gegen den Willen Serbiens unabhängig. Deshalb herrschte die Sorge, es könne zu massiven gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen den Albanern und der serbischen Minderheit unter den knapp zwei Millionen Einwohnern kommen. Dies hatte sich nicht bewahrheitet.
Die Europäische Union unterstützt mit 2000 Polizisten, Richtern und Zollbeamten die Sicherheitskräfte des jungen Zwergstaats.
US-Verteidigungsminister Robert Gates hofft, dass durch den Rückzug aus dem Kosovo der Einsatz in Afghanistan verstärkt werden kann. De Hoop Scheffer sagte aber, der Truppenabzug aus dem Kosovo stehe nicht im Zusammenhang mit dem Engagement der Nato in Afghanistan.
ler/dpa/Reuters
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