Von Carsten Volkery, London
London - Als die US-Regierungsmaschine aus Guantanamo am Donnerstag auf dem internationalen Flughafen in Hamilton auf Bermuda landete, sah sich die britische Schutzmacht der Inselgruppe vor vollendete Tatsachen gestellt. An Bord befanden sich vier uigurische Insassen des US-Gefangenenlagers auf Kuba. Eskortiert wurden sie von Daniel Fried höchstpersönlich, Obamas Sonderbeauftragtem für Guantanamo.
Das Problem: Die Briten wussten nichts von dem Transfer.
In einer geheimen Absprache mit den USA hatte sich Bermudas sozialdemokratischer Premierminister Ewart Brown bereiterklärt, die vier chinesischen Muslime als Gastarbeiter aufzunehmen. Als Gegenleistung erwartet er offensichtlich das Wohlwollen der USA bei der anstehenden Regulierung der Steueroasen - eine Existenzfrage für den Archipel vor der amerikanischen Ostküste.
Die britische Regierung wurde laut Londoner "Times" erst während des Fluges über die neuen Gäste informiert - und reagierte aufgebracht. Sie hat bereits 13 britische Staatsbürger aus Guantanamo aufgenommen und der US-Regierung signalisiert, dass es damit genug sei. Nun kommen vier weitere Gefangene durch die Hintertür - "ohne Erlaubnis", wie der britische Gouverneur von Bermuda, Richard Gozney, betonte.
Bermudas Premierminister Brown argumentierte, es gehe um Einwanderung, und diese falle in seinen Verantwortungsbereich. Die Uiguren stellten keine Gefahr dar, nachdem sie vor US-Gerichten freigesprochen worden waren. Sie seien Opfer "tragischer Ereignisse" und manchmal müsse man als Regierungschef einfach das Richtige tun.
Doch das britische Außenministerium ließ keinen Zweifel daran, wen es für zuständig hält. Bermuda hätte London in die Entscheidung einbeziehen müssen, teilte eine Sprecherin mit. Die Aufnahme von Ex-Terrorverdächtigen sei eine Frage der äußeren Sicherheit, damit sei Großbritannien zuständig.
Hintergrund des Streits: Die frühere Kolonie Bermuda ist eines von 14 britischen Überseegebieten, die der Queen unterstehen. Die Außen- und Sicherheitspolitik wird von Großbritannien übernommen. Die Londoner Regierung sieht den Uiguren-Fall nicht zuletzt deshalb mit Sorge, weil die Bewohner Bermudas sämtliche Rechte britischer Staatsbürger genießen. Die Uiguren haben derzeit noch keine Papiere und können Bermuda daher nicht verlassen, doch kündigte Bermudas Premier an, dass sie künftig alle Rechte haben sollten, inklusive der freien Wahl des Wohnsitzes.
Obama ist dankbar, London ist wütend
Vertreter der Obama-Regierung zeigten sich Bermuda gegenüber dankbar. Sie hatten händeringend nach einem Platz für die insgesamt 17 Uiguren aus Guantanamo gesucht. In ihr Heimatland China wollte Washington sie nicht abschieben, weil sie dort Repressionen erwarteten. Nachdem Deutschland und Kanada abgewunken hatten, erklärten sich schließlich die Inselstaaten Bermuda und Palau bereit, jeweils einen Teil der Gefangenen zu nehmen. Beide sind von den USA wirtschaftlich abhängig.
In der britischen Presse wurde der Geheimdeal mit der einstigen Kronkolonie nun als unfreundlicher Akt der USA gewertet. Dies sei "das jüngste Beispiel, wie US-Regierungen Großbritannien ignorieren", klagte die "Times". "Großbritannien ist ein nützlicher Alliierter für Notfälle, aber was es denkt oder will, ist zum Großteil irrelevant."
Die Londoner Regierung behält sich das letzte Wort in dem Fall vor. Man werde die vier Uiguren überprüfen, bevor man eine endgültige Entscheidung fälle, sagte ein Sprecher des Außenministeriums. Gegenüber dem "Daily Telegraph" wollte er auch nicht ausschließen, dass die vier wieder an die USA übergeben würden. Man halte sich alle Optionen offen.
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Ich bin der Meinung, dass Deutschland nicht verpflichtet ist Häftlinge aus Guantanamo aufzunehmen. Es gibt auch keinen moralischen Grund dafür. Die Tatsache, dass die Haftbedingungen in Guantanamo während der Bush-Ära auch von [...] mehr...
wenn her obama guantanamo schliesst soll er auch die insassen in den usa aufnehmen. einige sind vielleicht grundlos dort aber es gibt auvh bestimmt viele die mit grund da sind und diese terroristen dann auf der welt zu [...] mehr...
Man könnte einen Tausch vereinbaren: Wir nehmen 20 Guantanamohäftlinge auf und im Gegenzug dürfen wir Merkel, Steinbrück, Westerwelle und Lafontaine nach dort umquartieren. mehr...
Ich denke, Sie haben des Pudels Kern getroffen. Aufnahme in die USA würde bedeuten, daß diese bisher rechtlosen Menschen auf einmal als Bürger Rechte haben. Vor der Wahrnehmung dieser Rechte fürchten sich die USA wie der Teufel [...] mehr...
Um Unfug zum Gesetz zu machen, bedarf es keiner Volksentscheide, den beherrschen unsere Parlamentarier schon ganz alleene. mehr...
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