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Wahl in Iran Ahmadinedschad-Gegner rufen schon Wahlsieg aus

Noch sind die Wahllokale in Iran geöffnet, da bezeichnet sich die Opposition bereits als Gewinner. Das Lager von Präsident Ahmadinedschad beschwert sich über psychologische Kriegsführung.

Teheran - Die Gegner schenken sich nichts. Bereits lange vor Schließung der Wahllokale erklärte ein enger Vertrauter von Herausforderer Hossein Mussawi am Mittag, der moderate Kandidat sei auf dem Weg, die Wahl zu gewinnen. Sadegh Charrasi sagte, die Reformer um den früheren Ministerpräsidenten hätten Befragungen durchgeführt und die hätten gezeigt, dass Mussawi mit einem Sieg in der ersten Runde der Wahl rechnen könne. "Mussawi wird demnach 58 bis 60 Prozent der Stimmen erhalten", sagte er. "Wir sind die Sieger."

Schlange stehen vor dem Wahllokal: Die Wahllokale in Iran sind völlig überlaufen
REUTERS

Schlange stehen vor dem Wahllokal: Die Wahllokale in Iran sind völlig überlaufen

Ein Berater von Präsident Mahmud Ahmadinedschad reagierte umgehend: Die Aussagen der Konkurrenz seien schlicht als psychologische Kriegsführung zu betrachten, denn der Ausgang der Wahl sei unmöglich vorauszusagen.

Eindeutig ist auf jeden Fall bereits jetzt, dass es eine außerordentlich hohe Beteiligung an der Präsidentenwahl gibt. Ein regelrechter Wähleransturm zeichnet sich ab. Wenige Stunden nach Öffnung der Wahllokale standen in der Hauptstadt Teheran Wähler in langen Schlangen an, um ihre Stimme abzugeben. Das Innenministerium hatte eine Rekord-Wahlbeteiligung vorhergesagt. Mehr als 46 Millionen Stimmberechtigte waren aufgerufen, darüber zu entscheiden, ob der ultrakonservative und international umstrittene Mahmud Ahmadinedschad für weitere vier Jahre im Amt bleiben soll. Als aussichtsreichster Herausforderer gilt der reformorientierte Mussawi, der für einen Neuanfang steht. Es wird ein Kopf-an-Kopf Rennen der beiden erwartet.

Die internationale Gemeinschaft verdächtigt die Islamische Republik seit langem, heimlich am Bau der Atombombe zu arbeiten. Amtsinhaber Ahmadinedschad hatte sich in dem Streit um das iranische Nuklearprogramm kompromisslos gezeigt. Daher verfolgen Europa und die USA sowie Israel die Wahl äußerst aufmerksam und hoffen auf einen Wandel.

Der frühere Präsident und scharfe Ahmadinedschad-Kritiker Ali Akbar Haschemi Rafsandschani sprach sogar von einer Schicksalswahl. "Diese Wahl ist eine der wichtigsten in der Geschichte des Landes und wird definitiv die künftige Rolle des Irans in der Welt wesentlich beeinflussen", sagte der moderate Kleriker, der Mussawi unterstützt. "Jede einzelne Stimme zählt!"

Bei seiner Stimmabgabe in einer Moschee in Teheran erklärte Mussawi: "Der Wählerenthusiasmus zeigt den Wunsch nach einem Wandel im Iran." Mussawi, der sich als Regierungschef während des Iran-Irak-Krieges (1980-1988) durch seine wirtschaftspolitische Kompetenz einen Namen gemacht hatte, ist nach 20 Jahren wieder in die Politik zurückgekehrt. "Falls ich gewinne, werde ich mein Bestes geben, um die Probleme zu lösen", sagte Mussawi, der von seiner Frau Sahra Rahnaward begleitet wurde. Die Hochschullehrerin gilt als Geheimwaffe Mussawis: Sie ist eine Verfechterin von Frauenrechten. Mit ihr kann er besonders bei Wählerinnen punkten. Auch der frühere Präsident Mohammed Chatami unterstützt Mussawi, dessen Anhänger als Zeichen des Wandels grüne Tücher und Schals tragen.

Präsident Ahmadinedschad erklärte bei der Stimmabgabe in einer Teheraner Moschee dagegen, die hohe Wahlbeteiligung sei Ausdruck des Wunsches, auf dem Weg des "Stolzes, Fortschritts und Wohlstands" weiterzumachen. Innenpolitisch ging es im Wahlkampf vor allem um die schlechte Wirtschaftslage.

Mussawi beklagte, dass es in Teheran und anderen Großstädten seit Donnerstagabend nicht mehr möglich sei, SMS-Nachrichten per Handy zu verschicken und dass seinen Mitarbeitern Kontrollen der Wahlbüros verwehrt worden seien. Das Kommunikationsministerium räumte technische Probleme ein. Vor allem Mussawis jüngere Anhänger hatten sich viel über Textnachrichten organisiert.

Insgesamt treten vier Kandidaten an. Die anderen Bewerber sind der frühere Parlamentspräsident Mahdi Karrubi sowie Mohsen Resai, ein Ahmadinedschad-Kritiker aus dem konservativen Lager.

Die Wahllokale sollten zunächst bis 15.30 Uhr deutscher Zeit geöffnet bleiben. Wie erwartet wurde die Wahlzeit wegen des Andrangs jedoch verlängert - um eine Stunde. Die Ergebnisse werden am Samstag erwartet. Sollte keiner der Bewerber die im ersten Wahlgang erforderliche absolute Mehrheit erringen, gibt es in einer Woche eine Stichrunde.

ler/Reuters/dpa

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